Wirtschaft

«Das Börsenrallye wurde von bescheidenen Volumen getrieben»

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 27.10.2009

Im Interview mit baz.ch/Newsnet äussert sich Swissquote-CEO Mark Bürki zum Verhalten der Anleger und über neue Angebote des grössten Schweizer Onlinebrokers.

«Nur 1000 von unseren 130'000 Kunden könnte man als ‹Daytrader› bezeichnen»: Swissquote-CEO Marc Bürki

«Nur 1000 von unseren 130'000 Kunden könnte man als ‹Daytrader› bezeichnen»: Swissquote-CEO Marc Bürki
Bild: Keystone

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Swissquote weiter auf Erfolgskurs

Swissquote ist mit 136'984 Kunden (130'645 davon im Trading) der grösste Onlinebroker der Schweiz. Das Unternehmen hat heute seine Zahlen für die ersten neun Monate des laufenden Jahres bekanntgegeben. Im Vergleich zum Vorjahr konnte Swissquote den Reingewinn von 26,92 Millionen Franken vermelden, der im Vergleich zur Vorjahresperiode um 11,9 Prozent zugenommen hat.

Besonders beeindruckend ist der Anstieg der verwalteten Vermögen. Das Unternehmen hat das für dieses Jahr selbst gesetzte Ziel einer Zunahme um eine Milliarde Franken bereits bis zum September erreicht und damit auch die Analysten überrascht. Über die letzten 12 Monate konnte Swissquote 26'431 neue Kunden gewinnen.

Zudem hat das Unternehmen auch über seine neuen Initiativen berichtet und weitere angekündigt. Dazu mehr im nebenstehenden Interview.

Gemessen am Schweizer Leitindex SMI hat die Börse in den ersten neun Monaten um 14,25 Prozent zugelegt, Ihre Kommissionserträge aber bloss um 5,7 Prozent. Das Kursfeuerwerk ab dem März hat Ihre Kunden offenbar nicht zu entsprechendem Handel motiviert.
Das Börsenrallye wurde nur von bescheidenen Handelsvolumen getrieben. Die Privatinvestoren sind bisher beim Handeln zurückhaltend geblieben. Normalerweise tätigen Kunden bei uns aufs Jahr hochgerechnet durchschnittlich 20 Handelsgeschäfte. In sehr volatilen Marktphasen – wie etwa bei einer Verkaufswelle nach einem Crash – kann die Zahl sich sogar auf 30 erhöhen. Im dritten Quartal handelten unsere Kunden annualisiert bloss 18 mal. Im ersten Quartal waren es noch annualisierte 15 Deals und im zweiten Quartal 17. Die Aktivitäten der Kunden nehmen also wieder zu.

Ihre Kunden rekrutieren sich also nicht aus Daytradern, die mehrere Deals pro Tag tätigen? Das ist zumindest das Bild, das viele von einem Onlinebroker haben.
Von unseren mehr als 130'000 Tradingkunden handeln weniger als 1000 derart intensiv, dass man sie als Daytrader bezeichnen könnte. Die grosse Mehrheit zeigt ein ruhiges Anlageverhalten.

Sie müssten eigentlich an nervöseren Anlegern interessiert sein.
Wir haben lieber, wenn die Leute bei uns vor allem ihr Vermögen verwalten, auch wenn wir dann kein Geld mit Trades verdienen. Denn solche Leute bleiben uns treu. Allzu aktive Händler sind rasch frustriert und wir verlieren sie.

Mit was handeln die Leute bei Ihnen hauptsächlich und in welchen Märkten?
Gemessen am Handelsvolumen geht etwa die Hälfte der täglichen Trades auf schweizerische Anlagen zurück, die andere Hälfte auf ausländische Börsenplätze. Die Hälfte der schweizerischen Anlagen wiederum setzt sich aus Aktien, Obligationen und Fonds zusammen, die andere Hälfte aus Derivatgeschäften. Bei den Engagements in ausländischen Titeln spielen Derivate kaum eine Rolle.

Seit kurzem bieten Sie auch den Handel mit Währungen an. Das wird ansonsten kaum als Methode zur Vermögensverwaltung empfohlen. Doch Sie scheinen hier sehr erfolgreich zu sein. Die Erträge daraus machen bereits einen Viertel dessen aus, was Sie mit dem Börsenhandel generieren, wo Sie zehn Mal mehr Kunden haben.
Beim Währungsgeschäft geht es tatsächlich um reine Spekulation. Sie können sehr viel gewinnen, aber auch viel verlieren. Momentan zählen wir in diesem Bereich etwa 1200 Kunden.

Sie wollen offenbar für das Fremdwährungsgeschäft auch vermehrt institutionelle Kunden anziehen?
Tatsächlich wollen wir hier ausbauen. Dabei geht es vor allem um Hedge Funds. Doch weil diese mit sehr hohen Volumen handeln, mussten wir zuerst mit den grossen Banken in diesem Geschäft Verträge aushandeln. Das ermöglicht uns, jederzeit eine genügend hohe Liquidität bereitzuhalten. Das heisst, dass Aufträge auch zu sehr hohen Summen jederzeit abgewickelt werden können.

Sie bieten des weiteren auch ein Sparkonto an. Wo Sie mit 1,76 Prozent einen für den Moment hohen Zinssatz bezahlen. Wie verwenden Sie dieses Geld?
Wir legen es in langfristige Bundesobligationen an. Dadurch bleibt das Geld gesichert.

Die Kunden können es aber jederzeit zurückziehen. Wie können Sie das gewährleisten, wenn Sie die Mittel langfristig binden?
Das starke Wachstum der zu uns fliessenden Spargelder gewährleistet, dass wie jederzeit genügend liquide sind.

Sie haben bekannt gegeben, dass Sie ein neues Magazin herausgeben wollen: Das «Swissquote (SQN 26.25 -2.60%) – ePrivate Banking Magazin».
Wir leiden darunter, mit unseren Kunden kaum kommunizieren zu können. Ein Magazin macht das erträglicher. Damit haben die Leute physisch etwas von uns in der Hand. Wir können besser mit ihnen in Kontakt treten.

Können Sie uns etwas zu den Details des Projektes verraten?
Mit der Redaktion dafür haben wir die Agentur «LargeNetwork» beauftragt, die mit solchen Projekten bereits grosse Erfahrung hat. Diese Leute und wir schlagen jeweils allgemeine Wirtschaftsthemen vor, die im Magazin behandelt werden sollen. Von den etwa 90 Seiten werden bloss 3 bis 4 Seiten reine «Swissquote»-Seiten sein. Finanziert werden soll das Projekt auch durch externe Werbung, allerdings ohne jene unserer direkten Konkurrenten.

Wer wird das Magazin erhalten?
Teile unserer Kundschaft. Das wird vom Depotvermögen abhängen und von der Anzahl Trades. Schliesslich kann man das Magazin am Kiosk für 8 Franken kaufen. Damit wird vor allem die Qualitätswahrnehmung erhöht. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.10.2009, 21:22 Uhr

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