Wirtschaft

Das Dollar-Paradox

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 31.07.2012 41 Kommentare

Der Greenback legt wieder zu, die Notenbanken horten Dollardevisen, und die Zinsen von US-Staatsanleihen sind auf rekordtiefem Niveau. Wer hat da etwas vom Abstieg der Supermacht Amerika gesagt?

Noch lange kein zerknittertes Auslaufmodell: Dollar.

Noch lange kein zerknittertes Auslaufmodell: Dollar.
Bild: Reuters

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Der Anteil der Dollarreserven auf den Notenbanken liegt weltweit bei 62,2 Prozent und steigt. Dabei druckt die US-Notenbank, das Fed, Geld, als ob es kein Morgen gäbe. Who cares? Die Amerikaner holen ihr Geld nach Hause – gegen 50 Milliarden Dollar waren es zwischen Dezember und Mai – und ausländische Investoren kaufen US-Staatsanleihen, obwohl sie praktisch nichts mehr damit verdienen. Die Zinsen sind auf Rekordtiefs gesunken. Allgemein gehen die Experten davon aus, dass der Dollar weiter steigen und die Zinsen weiter sinken werden. Und das, obwohl sich das amerikanische Wirtschaftswachstum merklich abgekühlt hat und die Aussichten alles andere als rosig sind.

Den anderen geht es eben noch schlechter

Den USA geht es zwar mies, aber allen anderen noch schlechter. Chinas Finanzsystem ist noch viel zu wenig ausgebaut, als dass der Renminbi ernsthaft als globale Leitwährung infrage käme. Zudem befindet sich das Reich der Mitte ebenfalls in einer heiklen Übergangsphase: Die Wirtschaft muss verhindern, dass sie nicht in die Falle der mittleren Einkommen fällt. Will heissen: Sie muss vermehrt von Export auf Import umschalten. Das ist eine heikle Gratwanderung. Dass dieser Übergang mit einem politischen Umbau zusammenfällt – im kommenden Herbst wird praktisch die gesamte oberste chinesische Führung ausgewechselt –, macht es nicht leichter.

Japan lässt keinerlei Ehrgeiz erkennen, auf der internationalen Bühne eine führende Rolle zu spielen. Das Land kapselt sich ab und ist das am meisten überalterte Volk der Welt. Wie die Schweizerische Nationalbank unternimmt die Bank of Japan alles, um eine Aufwertung des Yen zu verhindern. Die Vorstellung gar, dass der Yen eine Leitwährung werden könnte, ist für die Japaner ein Albtraum.

Wie gut sind Mario Draghis Karten für den Euro?

Am schlimmsten ist die Lage in Europa. Der jüngste Auftritt von Mario Draghi wurde mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen. Der EZB-Präsident hat zwar versichert, es werde alles unternommen, damit der Euro stabil bleibe, und damit in Macho-Manier die Märkte herausgefordert.

Doch wie gut sind Draghis Karten wirklich? Aus Deutschland mehren sich kritische Stimmen. Was, wenn das Bundesverfassungsgericht die Aktivitäten als nicht im Einklang mit deutschem Recht erklärt? Was, wenn Berlin Nein sagt zu den Plänen, den Rettungsfond ESM mit unbeschränkten Mitteln auszustatten? Die Rolle der EZB und ihre Kompetenzen sind nach wie vor unklar, und solange dies so bleibt, flüchten die Anleger aus dem Euro.

Unter Blinden ist der Einäugige König, heisst es. So wie es aussieht, könnte die Herrschaft des Dollars noch eine ganze Weile andauern. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.07.2012, 12:36 Uhr

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41 Kommentare

Veronico Pocong

31.07.2012, 13:15 Uhr
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Mal ehrlich, wer setzt denn noch auf Papierwerte? Der Derivathandel macht immer noch das 2500-fache des effektiven Warenhandels aus! Wissen denn z.B. die gutgläubigen Gold-zertifikatbesitzer, dass deren Papierchen nicht mal die Tinte wert sind die drauf ist? Es wird ein X-faches mehr an Gold verkauft als effektiv vorhanden ist. Es gibt nur einen einzigen reelen Wert, ein Stück Land das mir gehört. Antworten


Michael Sold

31.07.2012, 13:21 Uhr
Melden 30 Empfehlung 0

Nach wir vor lässt man sich von den begrenzten Unmöglichkeiten des grossen Landes über dem Teich blenden und sich vor allem viel zu viel vorschreiben. In Wirklichkeit hat das Land eine Infrastruktur von einem mittelarmen Entwicklungsland und die allgemeine Schulbildung liegt noch weit darunter. Die Ideen wurden an China verkauft, werden dort produziert und dem Volk wird das als Freiheit verkauft. Antworten



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