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Der Anlage-Chef empfiehlt

Interview: Markus Diem Meier. Aktualisiert am 27.01.2010

Im Interview mit baz.ch/Newsnet sagt der globale Anlagechef der Credit Suisse, Stefan Keitel, wie es mit den Aktien, den Zinsen, den Währungen und dem Goldpreis weitergeht.

«Korrekturen sollten als Kaufgelegenheiten genutzt werden»: Der neue Anlagechef der Credit Suisse, Stefan Keitel im Interview.

«Korrekturen sollten als Kaufgelegenheiten genutzt werden»: Der neue Anlagechef der Credit Suisse, Stefan Keitel im Interview.
Bild: Keystone

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Stefan Keitel

Der Deutsche Stefan Keitel ist seit dem 1. Juli 2009 «Global Chief Investment Officer» der Credit Suisse. Damit ist er für die Anlagestrategie der Grossbank im Private Banking und im Asset Management zuständig. Für die Credit Suisse arbeitet Keitel seit 2001. Angefangen hat er damals als Leiter Porfolio Management in Deutschland.

Seit Jahresbeginn tendieren die Aktienmärkte zur Schwäche. Wie sind Ihre Prognosen für die weitere Zukunft?
Wir befinden uns nicht in einem Bullenmarkt. Die Schwankungen werden zunehmen. Mit einem Absturz rechnen wir allerdings nicht. Korrekturen sollten als Kaufgelegenheiten genutzt werden.

Besondere Ausschläge zeigen sich jetzt bei den Bankentiteln. Deren Zustand bleibt offenbar insgesamt labil, trotz der Gewinne im letzten Jahr. Wie sehen Sie das?
Ja, es drohen noch weitere hohe Abschreiber. Jetzt lasten vor allem Kreditrisiken auf den Bilanzen der Banken.

Welche Bedeutung haben die politischen Vorstösse zu einer schärferen Regulierung der Banken?
Das schwächt die Banken weiter. Denn es senkt ihre Profitabilität. Wegen der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung des Finanzsektors schwächt sich damit auch das langfristige Wachstum insgesamt ab.

Dafür ist das Gesamtsystem immerhin weniger Risiken ausgesetzt.
Durch die Schwächung der Banken entstehen wieder neue Risiken.

Für Nervosität sorgt auch die Frage, wann die Zinsen steigen. Wann rechnen Sie damit?
Wir rechnen gegen Ende dieses Jahres damit.

Bringt das nicht auch das Risiko eines erneuten Konjunktureinbruchs mit sich? Halten Sie die Gefahr einer Deflation für gebannt?
Tatsächlich befinden sich die Zentralbanken in einem Dilemma. Wenn sie die Zinsen zu spät erhöhen, führt das zu einer hohen Inflation. Tun sie es zu früh, droht ein erneuter Konjunktureinbruch. Selbst eine Deflation bleibt nicht auszuschliessen. Bei Zinserhöhungen Ende Jahr rechnen wir ab Ende 2011 mit ansteigenden Inflationsraten.

Wegen der Schwäche der Banken erwarten Sie ein tieferes langfristigen Wachstum und gleichzeitig rechnen Sie mit einer höheren Inflation. Das hört sich nach dem Schreckgespenst einer Stagflation an.
Eine Stagflation ist eher unwahrscheinlich, aber nicht auszuschliessen.

Sie setzen wie viele auf die aufstrebenden Volkswirtschaften. Hier wird immer wieder China erwähnt. Offenbar besteht aber mittlerweile dort die Gefahr einer sich bildenden Blase.
Am ehesten zeigt sich das in China. Doch das ändert nichts an der langfristigen Attraktivität der Schwellenländer generell. Für China sind wir bereits vorsichtiger.

Ein Wort zu den Währungen: Welche Zukunft prophezeien Sie dem Schweizer Franken im Verhältnis zum Euro oder zum Dollar?
Der Franken wird weiter an Wert zulegen. Sowohl der Euro wie auch der Dollar werden mittelfristig unter strukturellen Schwächen leiden.

Zweifeln Sie also an der Fähigkeit der Schweizer Nationalbank, eine Frankenaufwertung zu verhindern?
Nein. Doch sie wird eine graduelle Aufwertung zulassen. Das können Sie bereits an der Entwicklung des Frankenkurses der letzten Wochen sehen.

Mittelfristig erwarten Sie steigende Inflationsraten und einen fallenden Dollar. Dann bleiben sie wohl für den Goldpreis optimistisch?
Ja. Wir sind davon überzeugt, dass das gelbe Metall weiter zulegen wird. Das liegt vor allem an den anhaltenden strukturellen Schwächen führender Währungen beziehungsweise am Verlust des Vertrauens in das Papiergeld. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.01.2010, 16:28 Uhr

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