Wirtschaft
ETF-Rating: Entscheidungshilfe, wo alles grau-grau ist
Von Erich Solenthaler. Aktualisiert am 28.09.2009 1 Kommentar
Indexfonds, die keine besonderen Techniken einsetzen, sind kaum voneinander zu unterscheiden. Auch das Konzept ist immer dasselbe: Man nehme einen Index und bilde ihn möglichst genau nach. Wie gut dies gelingt, ist aber sogar für Experten schwer auszumachen. Da will ein speziell für ETF konstruiertes Rating für Abhilfe sorgen. Die unabhängige Firma ETF-Explorer (vormals Fondsexplorer) lancierte es vergangene Woche.
ETF-Explorer bietet gleich zwei Ratings an. Das Erste richtet sich an Vermögensverwalter und Trader. Das Zweite ist auf Privatanleger zugeschnitten. Es bewertet die Indexprodukte anhand von Kriterien, die für eine Kaufen-und-Halten-Strategie wichtig sind. Darum passt die Idee von ETF-Explorer gut zu der vom «Tages-Anzeiger» lancierten Anlagestrategie Finplan. Deshalb wird der TA das Rating weiterverfolgen und über Veränderungen bei den wichtigsten Fonds berichten. Die Tabelle gibt die erste Bewertung jener ETF wieder, die sich für Finplan eignen.
Keiner ist überall gut
Im Internet hats noch viel mehr davon. ETF-Explorer bewertet nämlich alle an der Schweizer Börse kotierten Indexfonds und den deutschen Markt. Dafür kostet der Zutritt 15 Franken pro Monat.
Die erste Auswertung zeigt im Segment Aktien Schweiz einen klaren Sieger: Der XMTCH on SMI von Credit Suisse schwingt mit der maximalen Punktzahl obenauf. Er weist günstige Kosten und die beste Marktdurchdringung auf. «Die grossen Fonds bewähren sich meistens», kommentiert Jakob Baur von ETF-Explorer.
Am schlechtesten schneidet der Fonds des Marktführers Barclays Global Investors ab. Dafür punktet der gleiche Anbieter mit anderen Produkten. Es gebe keinen ETF-Produzenten, der überall gut oder der auf jeden Fall zu meiden sei, meint Baur. «Jeder Anbieter hat so seine Steckenpferde: einige Fonds, die er besonders pflegt.»
Vergleich mit 13 Kriterien
Das ETF-Rating vergleicht die Fonds, die den gleichen Index nachbilden, miteinander und vergibt für jedes der 13 Kriterien 1 bis 5 Punkte. Einzige Ausnahme von dieser Regel: Die Gruppe Obligationen Schweiz ist zu klein für dieses Vorgehen. Darum erfolgt der Vergleich mit europäischen Staatsanleihen. Das erklärt auch das schlechte Abschneiden des XMTCH on Swiss Government 7+, denn im Ausland finden Obligationenfonds ein günstigeres Umfeld vor als in der Schweiz
Mit einer Gewichtung von 25 Prozent ist die Gesamtausgabenquote (Total Expense Ratio, TER) das wichtigste Kriterium. Sie hat auf die Rendite langfristig den grössten Einfluss. Qualitätskriterien zählen 30 Prozent. Weil aber Qualität bei Indexinstrumenten schwierig zu messen ist, greift ETF-Explorer als Eselsbrücken auf das Volumen und das Gründungsdatum zurück. «Ältere und grössere Fonds sind Vorzeigeprodukte und werden deshalb vom Anbieter gut gepflegt», so Baur.
Das Risiko fliesst mit 30 Prozent ins Rating ein. Fonds, die Derivate und Swaps einsetzen, bergen ein Emittentenrisiko und erhalten eine schlechtere Note. Ferner bewertet ETF-Explorer die Handelbarkeit; allerdings nur mit einem Gewicht von 12 Prozent, denn für langfristige Anleger ist sie nicht allzu wichtig. Hier wirken sich eine geringe Geld-Brief-Spanne und viele Market Maker positiv aus. Deren Aufgabe ist es, jederzeit für einen flüssigen Markt zu sorgen.
Kein Mass für die Spurtreue
Dagegen fehlt im Rating von ETF-Explorer der Tracking-Error. Dieses Mass gibt an, wie genau ein Indexinstrument die Performance des Vorbilds nachbildet. Die Frage nach der Spurtreue steht bei Indexprodukten sonst immer an vorderster Stelle.
«Auf Jahre hinaus ist die Ausgaben-Quote wichtiger», begründet Baur das Manko. Zudem bestehe sogar unter Fachleuten keine Einigkeit, wie der Tracking-Error berechnet werden sollte. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.09.2009, 10:35 Uhr


