Wirtschaft
«Es kann rasch aufwärtsgehen»
Von Simon Schmid. Aktualisiert am 06.09.2012 21 Kommentare
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«Es war wie ein Erdstoss», erzählt Andreas Herth, «ein kurzes, aber heftiges Beben.» Das tektonische Währungsereignis spielte sich am 6. September 2011 ab. An diesem Tag beschloss die Schweizerische Nationalbank, den Eurokurs schlagartig von 1.11 auf 1.20 Franken anzuheben. Die SNB würde fortan Euros in unbeschränktem Ausmass aufkaufen: Innerhalb von Sekunden mussten sich Herth und sein Händlerteam bei der Credit Suisse auf diese Realität einstellen. Geradezu gespenstisch sei die Stimmung damals gewesen, erzählt Herth in seinem Büro im Zürcher Uetlihof: «Wir warteten auf Nachbeben – doch sie kamen nicht.»
Sie kamen bis heute nicht. Souverän hat die Nationalbank seit einem Jahr alle Angriffe auf den Franken abgewehrt. Es heisst, Spekulanten fürchteten die SNB, weil sie bei der Einführung auf dem falschen Fuss erwischt wurden und sich die Finger am Franken verbrannt hatten. «Den Mindestkurs fasst heute keiner mehr an», bestätigt Herth. Im Gebäudekomplex am Fuss des Uetliberg wacht er als Leiter des Bereichs FX Sales über 80 CS-Mitarbeiter: Währungshändler, Verkäufer von Devisenprodukten, Berater in Devisengeschäften für Unternehmen, Privatkunden und institutionellen Kunden. Unter Bankern gilt der Währungshandel als Königsdisziplin. Je nach Tages- oder Nachtzeit wickelt ihn die Credit Suisse von Zürich, New York, Singapur und Hongkong aus ab.
Vom Zocker zum Sachbearbeiter
In Herths Etage, dem Trading Floor, arbeiten insgesamt gegen 600 Mitarbeiter – die meisten davon jung und männlich, auch einige Frauen sind zu sehen. Es gibt Sitzungszimmer mit Namen wie Tokyo oder Sydney; auf einer Theke stehen die Pokale der Firmenfussballmannschaft. Einer hat Kaffeekapseln unter seinem Schreibtisch verstaut. Wie in einem gewöhnlichen Grossraumbüro sieht es hier aus, wären da nicht Hunderte von Bildschirmen, Börsentickern und Spezialkeyboards. Von Emotionen oder Handelshektik ist wenig zu spüren. Schon gar nicht bei den zwei Händlern, die den Euro-Franken-Kurs überwachen. Seit geraumer Zeit zeigt ihr Bildschirm unter dem Symbol EURCHF eine schnurgerade Linie knapp über 1.20 Franken an. Die Handelsaktivität und der Absicherungsbedarf von Kunden sind niedrig, die Volumen beim Währungspaar liegen rund 50 Prozent unter dem üblichen Niveau.
Langeweile kommt bei den Währungshändlern trotzdem nicht auf. «Die Spielwiese ist grösser geworden», erzählt der 50-jährige Herth. Als er das Handelsgeschäft bei einer Deutschen Privatbank als Trainee erlernte, hingen Devisenhändler Tag und Nacht an der Strippe, oft auf mehreren Leitungen gleichzeitig verbunden. Es galt, sich über Marktentwicklungen zu informieren und mündlich Geschäfte mit Handelspartnern abzuschliessen. Der Alltag war lauter, beschränkter, stressiger. Inzwischen hat sich der Beruf gewandelt: Transaktionen werden im Millisekundentakt vom Computer abgewickelt. Der Händler ist zum Flow Manager geworden, der sich mit verschiedensten Anlageprodukten für Kunden beschäftigt. Gehalten hat sich indes das Zocker-Image der Händler: von diesem Bild wegzukommen, sei nicht leicht, sagt Herth.
Die unsichtbare Nationalbank
In seinen Worten hallen die Gedanken Zehntausender von der Öffentlichkeit missverstandener Banker nach. «Die Bedeutung der Spekulation wird überschätzt», sagt Herth. Auch, was den Euro-Franken-Kurs anbelangt: Vom täglichen 4-Billionen-Dollar-Umsatz im Devisenhandel würden etwa 85 Prozent auf kommerzielle Motive zurückgehen, meint er. Das heisst, dass diese Transaktionen dem täglichen Geldbedarf von Individuen und Unternehmen aus der Real- und Finanzwirtschaft entspringen. Wohin die Kurse steuern, entscheidet sich hauptsächlich durch Zinsbedingungen und die weltwirtschaftliche Lage. Der Eurokurs sei da keine Ausnahme, sagt Herth. «Mit Spekulanten könnte es die SNB locker aufnehmen.» Unter Marktbeobachtern gilt auch ein Kurs von über 1.20 Franken als durchsetzbar für die SNB.
Doch die Märkte wissen auch, dass die Nationalbank mehr Wert auf Konstanz als auf Spektakel legt. Wann, wie stark und über welche Kanäle sie interveniert, wissen nur die Eingeweihten in der SNB selbst: «Im täglichen Handel merkt man nichts davon», sagt Herth, der mit seiner Familie seit zehn Jahren in der Schweiz lebt. Er geht davon aus, dass sich der Euro zu gegebener Zeit wieder seinem fairen Wert von rund 1.35 Franken annähern wird. Vielleicht bereits in den nächsten sechs bis zwölf Monaten: «Auf dem Devisenmarkt kann es sehr schnell gehen», sagt Herth. Auch sein Arbeitgeber sähe ein solches Szenario wohl gerne: Denn aus dem Handel mit einem unverändert an der 1.20er-Marke klebenden Euro gibt es nur wenig Geld zu verdienen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.09.2012, 12:20 Uhr
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21 Kommentare
Herth ist ein Illusionist. Er ist kein Schweizer und dürfte deswegen an einer Euro-Virus Infektion leiden. Vielleicht sollte er sich mal etwas mehr die Fundamentaldaten der Zone ansehen. Zumindest gab es mal Zeiten in welchen diese Daten eine entscheidende Rolle spielten was die Bewertung einer Währung betrifft. Antworten
der euro wird wieder erstarken da die 17 euro länder im vergleich zu den usa relativ wenig schulden haben. sogar die 200 milliarden schulden der griechen sind peanuts zu den 16 billionen der amerikaner die sich nur noch mit geldrucken helfen können. Antworten
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