Ist der Gold-Boom zu Ende?

Nach einem steilen Anstieg in den letzten Monaten fällt jetzt der Goldpreis. Die Nervosität am Goldmarkt steigt.

Bei Anlegern noch immer beliebt: Gold (hier in einer Schaufensterauslage in Peking).

Bei Anlegern noch immer beliebt: Gold (hier in einer Schaufensterauslage in Peking).
Bild: Reuters

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Gold (Dollar/Unze)

Fast täglich jagten sich die Meldungen, dass der Goldpreis wieder neue Höchstwerte erreicht hat. Innerhalb eines Jahres hatte das Edelmetall 56 Prozent an Wert zugelegt, im laufenden Jahrzehnt hat sich sein Preis sogar mehr als vervierfacht. Angesichts dieses rasanten Anstiegs kommen gibt es immer mehr Zweifel auf, ob sich hier bereits eine neue Blase bildet.

Am Freitag erhielten solche Ängste neue Nahrung: Der Goldpreis sackte an diesem Tag um 4 Prozent ab. Auch heute setzt das Edelmetall seinen Sinkflug fort (siehe Grafik). Grund für den Kurstaucher Ende letzter Woche waren überraschend positive Daten zur Konjunktur in den USA: Anders als erwartet haben sich nur 11'000 Personen im November als arbeitslos gemeldet. Erwartet wurden 125'000. Viele sehen im Edelmetall einen Hort der Stabilität in der Wirtschaftskrise; das ist der Treiber hinter dem Goldrausch auf den Märkten. Bessere Wirtschaftsaussichten mindern die Notwendigkeit für diese Art von Versicherung.

Was alles für eine Blase spricht…

Analysten und Fondsmanager, die den Goldpreis für deutlich überbewertet halten, führen dafür eine Reihe von Gründen an. So wird der Preis momentan fast ausschliesslich durch die Spekulation getrieben. Die Käufe für den praktischen Gebrauch des gelben Metalls sind dagegen deutlich zurückgegangen: Schmuckhändler haben laut dem «Wall Street Journal» ihre Käufe im dritten Quartal um 30 Prozent reduziert. Die Verkäufe von Goldbarren und -münzen sind weltweit um 33 Prozent eingebrochen. Die Zukäufe von Goldfonds (ETF), mit denen Anleger indirekt auf den Preis spekulieren können, beliefen sich seit Ende September auf bloss 3 Prozent.

Ebenfalls für eine Preisblase spricht die Tatsache, dass vor allem Käufe von Goldfutures stark zugenommen haben. Das sind Wetten auf den künftigen Goldpreis, die mit einem hohen Hebeleffekt eingegangen werden. Das bedeutet, dass sich der Gewinn auf einem Anstieg des Goldpreises vervielfachen lässt. Das trifft aber auch auf Verluste bei einem Sinklfuges des Preises zu. Nimmt daher der Preis des Goldes ab, besteht die Gefahr, dass Anleger sehr schnell ihre Future-Positionen verkaufen müssen, was den Druck auf den Goldpreis weiter verstärkt.

…und warum sie dennoch anhält

Auch die Art der Käufer macht eine Preisblase wahrscheinlich. Heute kann praktisch jedermann in Gold spekulieren. Fonds (ETF), die den Preis von Gold abbilden gibt es erst seit 2003. Sie haben mächtig Zulauf. Laut «Bloomberg» hält allein der grösste dieser Fonds, SPDR Gold Trust mehr vom Edelmetall als die Schweizerische Nationalbank. Wenn so gut wie jeder plötzlich von einer Marktentwicklung profitieren will, war das bisher oft ein Hinweis für eine Blasenbildung, die am Ende in Tränen endet.

Trotz der zunehmenden Skepsis auf den Goldmärkten, ist offenbar noch immer eine Mehrzahl der Analysten der Ansicht, das Rallye halte weiter an. Selbst unter jenen, die von einer Preisblase überzeugt sind, glauben viele, diese werde noch nicht so bald platzen. Hauptgrund dafür ist die Erwartung, dass die Zinsen – vor allem in den USA – noch längere Zeit tief bleiben werden. Das hält auch die Opportunitätskosten der Goldhaltung – in Form entgangener Zinsrenditen – tief. Tiefe Zinsen schwächen zudem die Währung, wie sich das beim Dollar zeigt, und die Angst vor einer künftigen Inflation steigt. Beides motiviert zu Goldspekulationen. Grund zu Optimismus machen auch die Goldkäufe vieler Zentralbanken, besonders in den aufstrebenden Ländern. Sie sehen im Edelmetall eine Alternative zum Dollar für ihre Währungsreserven. Noch vor wenigen Jahren haben Notenbanken der reichen Länder Gold vor allem verkauft.

Weit von normalen Zeiten entfernt

Erst wenn die Konjunktur wieder kräftig anzieht, werden die führenden Zentralbanken die Leitzinsen wieder anheben. Doch damit ist in nächster Zeit nicht zu rechnen. Trotz positiver Daten, wie jener zum Arbeitsmarkt in den USA, steht die Weltwirtschaft noch immer unter Stress. Die Situation verschlimmert sich zwar weniger, aber von normalen Zeiten ist man noch weit entfernt.

Selbst wenn die Goldrallye tatsächlich noch weitergeht, ist Vorsicht angebracht. Irgendwann wird die Blase platzen. Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht, ist Gold ohnehin keine besonders sichere Anlage. In den Siebzigerjahren ist der Preis des Edelmetalls um das 24-fache angestiegen, nur um anfangs der Achtziger wieder 65 Prozent seines Wertes zu verlieren. Wer von 1980 bis zum bisherigen Höchststand am 3. Dezember 2009 auf Gold gesetzt hat, ist nach Berücksichtigung der Inflation sogar ärmer geworden. Der Wertverlust beträgt laut «Bloomberg» 79 Prozent. (bazonline.ch/Newsnetz)

Erstellt: 07.12.2009, 13:52 Uhr

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27 KOMMENTARE

Rahel Selb

08.12.2009, 17:17 Uhr

Sind wir ehrlich, eigentlich ist jegliches Finanzsystem, was mit Zahlen arbeitet, wo keine realen Werte mehr da sind (und auch nichts geschaffen wird) WAHNSINN. Goldstandard ist da viel realer.


Samuel Zbinden

08.12.2009, 13:53 Uhr

Der Dollar-Index ist am all-time-low, die Geldmenge wurde im Rekordtempo ausgeweitet (mehr als verdoppelt in 1 Jahr), die Schulden können nur noch mit Inflation zurückbezahlt werden und da wird von einer Gold-Blase geredet! 1923 hat eine Unze Gold 100'000 Milliarden Mark gekostet. Und dennoch war es keine Gold-Bubble, sondern eine Mark-Bubble! Gold ist nicht am Steigen, Papier ist am Sinken!


Aregger Lars

08.12.2009, 13:16 Uhr

Irgend einmal kommt der Dollarabverkauf und 95 % der Bürger sind nicht vorbereitet. Dann gibt es kein Gold und Silber mehr zu kaufen. Dieses wird dann direkt von der Elite an der Quelle aufgekauft. Es lohnt sich also, 10-20 % seines Vermögens in Gold und Silber zu investieren, um sogar von der kommenden Krise zu profitieren. Aber die meisten Schafe müssen erst geschoren werden. War schon immer so!


Arthur Camenzind

08.12.2009, 11:24 Uhr

Seit 6000 Jahren kann weltweit mit Gold bezahlt werden. Papierwährungen, kontrolliert vom Staat/Notenbank, werden jeweils schleichend entwertet, der U$ hat seit 1913 97% seines Wertes verloren, oder abgelöst, siehe den Wechsel unserer Nachbarn auf Euro. Indirekt wurde dabei jeder Sparer mittels Abwertung enteignet. Gold ist der beste Schutz gegen alle Papiergeldentwertung, die kommen werden.


Michael Sold

08.12.2009, 10:43 Uhr

Im Gegensatz zu Geld hat Gold immer einen Wert. Auch wenn das weniger Wert sein wird, wird es immer mehr Wert als Inflationsträchtiges Bargeld haben. Und so lange die Staaten auf Schulden Schulden abbauen und die Zinsen mit neuen Schulden bezahlen, wird Gold immer einen Wert haben, einmal höher und einmal tiefer.


Claudia Baumann

08.12.2009, 08:21 Uhr

Vielleicht lohnt es sich, sich eine andere Bank zu suchen, wenn kein Gold empfohlen wurde. Meine Beraterin hat mir schon vor längerem gesagt, Gold sei eine attraktive Anlage zur Ergänzung, und sie behielt recht. Gold hat noch einiges Aufwärtspotential.


Boris Scavezzon

08.12.2009, 06:32 Uhr

Gold zeigt wirklich nur an wie gut eine Währung und deren Wirtschaft ist. Die USA ist ein sehr gutes Beispiel dafür - allerdings im negativen Sinne! Um Edelmetalle zu kaufen braucht es keine Bankberater und deshalb empfehlen diese es eher nicht. Eine Blase sehe ich mehr bei den Staatsschulden welche in ein paar Jahren wieder auf die Bürger mittels Inflation abgewälzt werden. Gut wer da Gold hat!


Kurt Brändli

07.12.2009, 18:49 Uhr

Hat da eigentlich jeder das Gefühl wenn etwas stark ansteigt, dann stecken immer irgendwelche Banker dahinter, die mit giftgelben Augen kaufen was das Zeug hält?! Sind es nicht eher Notenbanken, Schuckhändler und ganz normale Anleger und vielleicht auch eure Pensionskasse bzw. auch der AHV-Fond?!?


Thomas Bisang

07.12.2009, 18:40 Uhr

@marc sailer Soll doch der Goldpreis purzeln, aber dann wird es dem einen oder anderen Bürger schmerzen, den Sie durch Bevormundung schützen möchten. Wer kauft denn Goldvreneli, -barren, -ETFs, -aktienbaskets oder Gold auf dem Metallkonto? Es sind nicht notwendigerweise die Banker, sondern ganz normale Anleger. Gut, noch ein paar Hedgefunds, aber Banker halten nicht so wahnsinnig viel vom Gold.


Markus Meier

07.12.2009, 17:59 Uhr

Wegen der weltweiten Geldschwemme, der keine realen Werte zugrunde liegen, wird Papiergeld bald wertlos sein. Die einzige Absicherung dagegen ist physisches Gold. Der Goldpreis wird sich bald vervielfachen. Die jetzigen Rückschläge sind auf Panikverkäufe von Spekulanten zurückzuführen, die nur Papiergold haben und ihre Futures verkaufen müssen, weil sie keine Verluste ertragen können.


bösiger rolf

07.12.2009, 17:39 Uhr

Der Goldpreis wird so oder so steigen. Die Staaten können das Geld, das in die Wirtschaft gepumt wurde, nie mehr auf dem normalen Weg zurückholen. Nie mehr. Ausser man dreht etwas. Die Dollarstärke wird siche wieder einmal kommen. Das wir aber die Schulden der USA nicht tilgen. Es ist gar nicht möglich.


Aregger Lars

07.12.2009, 17:34 Uhr

Dass der Goldpreis nun mittel- bis langfristig fallen sollte, ist Unsinn. Die Masse hat doch gar kein Gold, und eine Lösung für die noch die dagewesene Verschuldungssituation wird brutal sein für diejenigen, die keine Edelmetalle haben. Ich sage: Gold ist immer noch billig, und irgendeinmal wird der Goldpreis explodieren auf 10 000 Dollars oder mehr, wer jetzt zu spät kommt, den bestraft das Leben


ali kazemi

07.12.2009, 17:31 Uhr

Goldpreis wird nur kurzfristig etwas fallen, da man jetzt einige beschönigte Zahlen aus USA serviert bekommt. die strukturellen Probleme der US-wirtschaft und die gigantische Schulden lassen sich langfristig nicht mit paar Schonmeldungen wegwischen...in 1-2 Monaten wird Gold wieder massiv steigen, denn US-dollar wird langfrisitg weniger Wert sein als WC-Papier...


Thomi Horath

07.12.2009, 17:13 Uhr

Was mit dem Goldpreis passiert, wenn all die Leute, die ihr Gold nur in Briefform halten, merken, das ihr Brief in den Rundordner geschickt werden kann, bleibt abzuwarten. So bald man physisches Gold nicht mehr in der Bank kaufen kann, weil's einfach keins mehr hat, wird der Preis steigen - oder: Der Staat konfisziert das Gold, das wäre die andere Variante.


Peter van der Hoek

07.12.2009, 16:39 Uhr

Wer Geld drückt in noch nie da gewesene Dimensionen (Stimulus Pakete / Money Supply M1-M3 ! ), muss sich nicht wundern das gewisse Nationalbanken jetzt anfangen Gold zu kaufen statt zu verkaufen . Der Druck auf den Preis durch die langjährige Verkaufsabkommen lässt dadurch nach und was ist mit die Fundamental-Daten der Produktion..? Ein gesunde Konsolidierung / Kaufgelegenheit nenne ich es ...


Andre Lebon

07.12.2009, 16:16 Uhr

@Erich Richter, wenn Herr Berger kaufen "muss" fuer Weihnacht, ist er eh ein "armer". Das mit dem Preis ist verflixt, denn 2006 kaufte ich fuer mein Juweliergeschaeft in GR die Unze zum Preis von 480 Euro, 2009 zu 940 Euro. Wertgesteigerte Lagerbestaende fuer mich, teurer Schmuck fuer den Kunden. Mag Herr Berger Freude bereiten, wird er so oder so kaufen.


Valencia Poppacore

07.12.2009, 16:09 Uhr

@Herbert Berger: Wäre mir neu, wenn der aktuelle Goldpreis auf die Weihnacht-Schmuckauslagen schon Einfluss hätten. Selbstverständlich vorausgesetzt, das Geschmeide übersteigt 1000 Gramm nicht.


Gerhard Oldmann

07.12.2009, 16:08 Uhr

Da Gold echtes Geld ist, kann erst von einer Blase gesprochen werden, wenn der Gesamtwert des Goldes den der fiat-Währungen deutlich übersteigt. Davon sind wir noch weit entfernt. Es wurden nur die Kredit-Spekulanten aus dem Markt gedrängt - das geschiet regelmässig. Vorsicht ist nach wie vor mit Papiergeld und -Werten geboten, denn diese können - im Gegensatz zu Gold - auf 0 fallen.


Maria Halder

07.12.2009, 16:06 Uhr

Der Goldpreis wird nicht zusammenfallen, weil China, Russland und Indien Gold kaufen, wenn der Preis korrigiert. Der Goldpreis ist angestiegen, weil alle Staaten, besonders die USA, Geld drucken wie wild. Ausserdem muss die US Regierung den Dollar wertlos machen, um die Schulden unter Kontrolle zu haben, das treibt Gold in die Hoehe. Gold war immer schon zyklisch mit grossen Preisschwankungen.


leslie muller

07.12.2009, 16:01 Uhr

mein tip: gold klettert auf 2000, 3000, 4000 USD in den nächsten 12, 18 monaten.


marc sailer

07.12.2009, 15:45 Uhr

lasst den goldpreis purzeln, tief purzeln. damit die spekulanten mal wieder auf die nase fallen und der staat endlich begreift das soziale marktwirtschaft auch das profitgierige denken des letzten bankers bevormundung braucht damit der normale bürger nicht mehr bluten muss.


Erich Richter

07.12.2009, 15:06 Uhr

Was für eine "Blase" ? Was für ein Jammern, Herr Maurer. Rechnet einmal den Goldpreis von USD in andere Währungen um und vergleicht dann. Der Hauptteil des Goldanstiegs ist der schwache USD. Nicht zufällig war der Rückgang des Goldpreises seit Donnerstag mit einem Anstieg des USD verbunden. Also, Herr Berger, in CHF ist der Schmuck nicht so viel teuerer..... :)


Rolf Binder

07.12.2009, 15:02 Uhr

Gold ist simpel die stabilste Währung - basta! Zu Cesars Zeiten bekam man für eine Unze eine Toga und heute bekommt man ebenfalls einen Anzug dafür. Der Inflationsvergleich (Bloomberg) mit Gold ist daher blanker Unsinn. Frage: Wieviel verloren 2009 die Währungen auf Gold? Die Prognosen von der Wall Street sind mit Vorsicht zu genießen. April 2009 Market Watch News: Gold per Dez. 09 476 Us$/Unze !?


Bruno Froehlich

07.12.2009, 15:02 Uhr

Petrus an der Pforte ist das alles ziemlich egal, denn wer in den Himmel will muss vorher die Taschen leeren.


Thomas Maurer

07.12.2009, 14:38 Uhr

Sie wird platzen und dann geht das grosse gejammer der Spekulanten und Händler und Investoren los und ich muss sagen hoffentlich platzt sie weil niemand etwas gelernt hat aus der Aktienblase und wir werden in vielleicht 10 Jahren wieder das gleiche erleben, mit immer noch bonigesteuertem Verhalten also bringt endlich etwas in der Zeitung das lesenswert ist.


Andreas Schneider

07.12.2009, 14:35 Uhr

Letzter Abschnitt was die statistischen Zahlen der USA angeht fühll ich mich gleich 30 jahre jünger, zurück in die 1980er als damals die UDSSR resp. die ehemalige DDR Ihre Statistiken veröffentlichten.. Wärs glaben will.... Aber ein richtiger Jungbrunnen :-)


Herbert Berger

07.12.2009, 14:15 Uhr

Wird Zeit, dass diese Blase endlich platzt! Ich muss nämlich für meine Frau zu Weihnachten noch Schmuck kaufen. Und da wäre ein realistischerer Goldpreis sehr hilfreich.



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