Wirtschaft
Sportfachhändler machen gegen den Einkaufstourismus mobil
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 09.11.2011 252 Kommentare
Der Sportartikelmarkt in der Schweiz (Bild: TA-Grafik kmh/Quelle: Sportbiz)
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Wie jedes Jahr hoffen die Sportartikelhändler auch heuer auf einen halben Meter Schnee im November – mindestens. Denn sie wissen: Ohne weisse Pracht läuft nichts in den Läden. Und in der Schweiz ist das Wintergeschäft für die Branche nach wie vor sehr wichtig. Mit Schneesport allein erzielt sie 43 Prozent des Jahresumsatzes (siehe Grafik).
Dieses Jahr ist die Branche nervöser als sonst, denn laut Claude Benoit, dem Präsidenten des Branchenverbands Asmas, sind die Umsätze regelrecht eingebrochen. Im ersten Quartal lag das Minus bei über 10 Prozent, im zweiten bei 3 Prozent, im dritten bei 10 Prozent. Wie im Detailhandel generell, wo die Umsätze zuletzt um 5 Prozent sanken (TA von gestern), hinterlassen Einkaufstourismus und Preissenkungen bis zu 20 Prozent wüste Spuren in den Büchern der Händler. Der starke Franken schwächt die hiesigen Sporthändler. Benoit gibt allerdings zu, auf einige sehr gute Jahre zurückblicken zu können. Verglichen mit 2004 sind die Ausgaben für Sportartikel pro Kopf in der Schweiz um 56 Prozent gestiegen, während sie etwa für Kleider oder Schuhe zweistellig fielen. Insgesamt hat der Umsatz der Branche seit dem Jahr 2000 um beinahe 20 Prozent zugenommen.
«Kaufe hier – und gewinne Zeit»
Doch wie gesagt, das ist Vergangenheit. Um der guten Frau Holle in diesen schwierigen Zeiten nicht völlig ausgeliefert zu sein, wird die Branche aktiv. Ab 1. Dezember soll die Kampagne «hier-gekauft.ch» Konsumenten vom Fremdgehen abbringen. Skirennfahrerin Martina Schild etwa hält ein Tennisracket in der Hand und sagt: «Ich kaufe Sportartikel in der Schweiz, weil Nähe auch Zeitgewinn bedeutet.» Handel und Lieferanten ziehen dabei am selben Strick. Die Devise laute «Gemeinsam durch das Tal der Tränen», sagte Hugo Koch, Geschäftsführer Sport Trend Shop in Hinwil ZH, vor Medienvertretern in Zürich.
Koch weiss, wovon er spricht. Er hat diesen Sommer «einschneidende» Erfahrungen gemacht: «Selbst an Samstagen war es sehr ruhig bei uns.» Dabei hatte man die Preise zum Teil auf eigene Kosten gesenkt. «Lieferanten bestellen bis zu 18 Monate im Voraus, wir Händler bis zu 9 Monaten im Voraus, und zwar in Franken.» Jetzt erhaltene Wechselkursvorteile gibt Koch 1:1 weiter, um konkurrenzfähig zu bleiben. «Die meisten Lieferanten sind da kooperativ und fair.»
Das theoretische Fundament zum Befund aus der Praxis liefert eine repräsentative Umfrage der Detailhandelsexperten der Universität St. Gallen bei über 2000 Konsumenten. Danach hat sich die Zahl jener, die ihre Sportartikel hauptsächlich im Ausland einkaufen, innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Ihr Anteil stieg von 2 auf 5 Prozent. Sagten vor Jahresfrist noch 13 Prozent, sie würden zumindest Ergänzungskäufe im Ausland tätigen, sind es heute 21 Prozent – Internetkäufe nicht mal eingerechnet.
Auch hausgemachte Schwächen
Neben der Frankenstärke ortet die Umfrage in der Branche aber auch hausgemachte Schwächen, etwa in der Preisgestaltung. Zwei von drei Befragten haben Mühe mit den vielen Preisänderungen, 26 Prozent empfinden die Preise gar als unfair. «Das muss zu denken geben», sagt Maximilian Weber von der Uni St. Gallen. Für viele hört der Ärger beim Preis nicht auf: 17 Prozent der Befragten finden im Sportgeschäft nicht, was sie suchen. Vor drei Jahren lag dieser Wert erst bei 11 Prozent. Weber sieht für den Sporthandel aber auch Chancen. Qualität und Innovation des Produkts seien nirgends so wichtig wie bei Sportartikeln. Dafür sei der Preis sekundär. «Die Kunden sind bereit, für Qualität zu zahlen.» Genauso wie für gute Beratung: Nirgends vertrauen so viele Konsumenten auf die Informationen des Verkaufspersonals wie im Sportgeschäft.
Branchenleader ist laut GfK Schweiz Ochsner Sport mit 426 Millionen Franken Umsatz vor SportXX (Migros) mit 287 und Athleticum (Maus Frères) mit 226 Millionen Umsatz. Die drei setzen zusammen etwa gleich viel um wie die Fachhändler-Organisationen Intersport, Sport 2000 und IGS. Die zwei Kategorien haben je 37 Prozent Marktanteil. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.11.2011, 06:17 Uhr
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252 Kommentare
Ist immer wieder seltsam zu lesen, die Industrie soll und muss in Asien produzieren lassen und Arbeitsplätze ins Ausland verlegen, nur der Konsument soll "patriotisch" in der Schweiz einkaufen. Der konsument macht nur das was Ihm die industrie lehrt, die eigene Kasse optimieren und alternativ Möglichkeiten prüfen. Antworten
Die Umsatzeinbrüche haben doch nicht nur damit zu tun, dass jetzt alle im Ausland einkaufen gehen. Es hat doch auch damit zu tun, dass bei einem Grossteil der Bürger in der Schweiz immer weniger Geld zur Verfügung bleibt am Ende eines Monats. Wie soll dann der Durchschnittsbürger noch gross einkaufen gehen können? Antworten

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