Wirtschaft
Warum die Bankaktien abstürzen
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 27.11.2009
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Schweizer Börse
SMI zwei Prozent tiefer
Die Schweizer Börse hat belastet von der finanziellen Schieflage des Emirats Dubai am Donnerstag mit sehr schwacher Tendenz den Handelstag beendet.
Bereits zum Auftakt setzten Befürchtungen, der Golfstaat habe Schwierigkeiten bei der Bedienung seiner Schulden, Finanztitel unter Druck. Deren Abschläge weiteten sich am Nachmittag deutlich aus. Der SMI schloss 2,16 Prozent tiefer auf 6'283,38 Punkten, das Tagestief lag bei 6'262,73 Punkten. Der breite Swiss Performance Index (SPI) reduzierte sich um 2,10 Prozent auf 5'405,15 Punkte.
Die Titel von CS (-5,4 Prozent), UBS (-4,7 Prozent) und Julius Bär (-4,8 Prozent) standen mit am deutlichsten unter Abgabedruck im Schweizer Leitindex. Im Sog der Bankaktien verbilligten sich auch Versicherungswerte massiv, wobei Swiss Re (-5,3 Prozent) und Swiss Life (-4,6 Prozent) stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden als ZFS (-2,7 Prozent) und Bâloise (-1,7 Prozent). Die schwer gewichteten Roche (-1,6 Prozent), Nestlé (-1,0 Prozent) und Novartis (unverändert) schnitten besser als der Gesamtmarkt ab und bewahrten den Index vor noch deutlicheren Verlusten. Auch Swisscom (-0,7 Prozent) hielten sich nach der gestern bekannt gewordenen Branchenkonsolidierung besser als die meisten Blue-Chips. (sda)
Die Finanzwerte verlieren an den Börsen überall massiv an Wert: Im Tagesverlauf sackten die Titel zum Beispiel der Credit Suisse, der UBS und von Julius Bär um die 5 Prozent oder mehr ab. Dasselbe Bild zeigen alle Banken in Europa gemessen am Stoxx-Branchenindex. Der Grund für den Absturz liegt in Dubai. Der Staat verlangt einen Aufschub bei der Stundung der Schulden von Dubai World, einer Holdinggesellschaft im Besitz des Emirats.
Als Folge davon könnten die Banken direkt von drohenden Verlusten auf ihren Kreditbüchern betroffen sein. Von einigen Grossbanken wird an den Märkten gemunkelt, der Anteil der Ausleihungen an das Emirat an den gesamten Krediten betrage zwei bis drei Prozent. Zu den Schweizer Finanzinstituten ist nichts zu erfahren.
Staatsbankrott Dubais gilt als unwahrscheinlich
Ein Zahlungsausfall des Emirats wird an den Märkten allerdings nach wie vor für unwahrscheinlich gehalten. Das zeigt sich auch an den Preisen, die eine solche Gefahr ausdrücken. Die Prämien für so genannte «Credit Default Swaps», mit der sich Gläubiger vor einem Konkurs eines Schuldners absichern, sind in den letzten zwei Tagen zwar dramatisch von 2 Prozent auf 5,5 Prozent angestiegen. Laut Christian Gattiker, Chefanalyst bei Julius Bär, zeigen allerdings erst Prämien von 10 Prozent einen nahenden Konkurs an. Auch die Anleihe des Emirats, die 2014 ausläuft, wird noch immer zu einem Kurs von 90 gehandelt (Anleihen werden zu 100 zurückbezahlt). Auch das deutet nicht auf einen unmittelbar bevorstehenden Staatsbankrott hin. Gattiker rechnet deshalb auch nicht mit einem kommenden Flächenbrand.
Was Kurse der Banken ins Trudeln bringe, sei vor allem die grosse Unsicherheit. Denn in den USA und in Dubai sind heute die Börsen geschlossen, daher fliessen weniger Informationen als sonst, erklärt der Bär-Chefanalyst. Wegen den geschlossenen Börsen seien auch wenige institutionelle Anleger präsent, die mit Käufen die Kurse stützen könnten. Die Kursstürze würden deshalb vor allem durch Verkäufe kleinerer Anleger ausgelöst. Das zeige sich auch an den verhältnismässig kleinen Umsätzen.
Neue Sorgen um die gewöhnlichen Kreditbücher
«Die Märkte haben am Beispiel von Dubai realisiert, dass auch in den ganz gewöhnlichen Kreditbüchern der Banken grosse Risiken schlummern», sagt Claude Zehnder, Chefanalyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Bisher habe man sich einzig auf die Schrottpapiere konzentriert, die meist im Zusammenhang mit dem US-Immobilienmarkt gestanden haben.
Zehnder erklärt sich die starke Korrektur auch mit der bereits hohen Bewertung der Börsen: «Wir sind nach wie vor nahe an den Jahreshöchstständen», sagt er. In den Kursen sei schon sehr viel Optimismus enthalten, daher wundere es nicht, wenn solche Meldungen zu einem Dämpfer führen. Für die nächsten Monate geht der ZKB-Chefanalyst sogar von einem weiteren Anstieg der Börsenkurse aus. Allerdings werde das wie in den letzten Wochen und Tagen eine holprige Entwicklung mit Rückschlägen bleiben, da die Anleger weiterhin von der Frage gequält werden, wie nachhaltig die Erholung der Wirtschaft bleibt, wenn die Stützungsmassnahmen der Regierungen auslaufen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.11.2009, 10:13 Uhr


