Wirtschaft

Warum die Leute noch immer Gold kaufen

Es ist die Furcht, die den Preis treibt: Peter Munk, der Doyen der Goldbranche, zeichnet ein düsteres Bild der Gesellschaft.

Der Preis ist exlpodiert: Produktion von Goldbarren.

Der Preis ist exlpodiert: Produktion von Goldbarren.
Bild: Reuters

Peter Munk.

Peter Munk.

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Eine Unze Gold zu schürfen, kostet einen Minenbetreiber rund 350 Dollar. Das ist gegenwärtig der Produktionspreis für das schöne Metall. Gewinne sind damit garantiert: Auf den Weltmärkten konnten die Minenkonzerne das Gold gestern für 1120 Dollar pro Unze verkaufen. Das sind gut 200 Prozent Marge.

Die Furcht treibt

Innert weniger Jahre hat sich der Verkaufspreis damit verdoppelt. Vorsicht Blasengefahr, sagen die Warner. Die Preisexplosion sei fundamental nicht erklärbar, sondern nur mit der Psychologie der Käufer. Nichts wissen von ungerechtfertigten Preisen will Peter Munk, das 83-jährige Urgestein der Goldbranche. Die Psyche der Anleger ist allerdings auch beim «Baron», wie sie den Gründer und Präsidenten des weltgrössten Minenbetreibers Barrick in der Branche nennen, zentral.

Doch anders als bei vergangenen Blasen ist es nicht die Gier, welche die Anleger treibt, sondern die Furcht. «Wir sitzen hier am Beginn einer neuen Welt. Einer Welt, die Unsicherheiten mit Ängsten kombiniert», sagt Munk an einem Investorentreffen in Zürich. Weltweiter Terrorismus, finanzieller Kollaps von Firmen, Erstarken des Nationalismus, Chinas Powerplay, schwacher Euro, schwacher Dollar, schwache Staatsfinanzen. Munk kann minutenlang aufzählen. «Wir haben den Optimismus verloren. Immer mehr Leute glauben das, und ich sehe nichts, das diesen Trend brechen könnte.» Die Konsequenz: Die Leute flüchten ins Gold, in Sicherheit. Es erstaunt nicht, dass Munk steigende Kurse prognostiziert: Solange Gold zulegt, so lange werden die Aktien seiner Barrick gekauft. Er sagt das ganz unverblümt: «Wir können gegenüber den Aktionären nur Leistung bringen, wenn der Goldpreis steigt.»

Notenbanken legen zu

Reine Werbung in eigener Sache ist die Goldprognose dennoch kaum, denn Munks Worten entsprechen Taten: Vor einigen Wochen hat sich Barrick von der letzten Absicherung gegen einen fallenden Goldkurs getrennt. «Ein 5-Milliarden-Dollar-Statement für unsere Überzeugung», wie ein Geschäftsleitungsmitglied sagt. Die Furcht der Anleger ist dabei nicht der einzige Grund für Barrick, die Versicherung bleiben zu lassen. Da sind zum Beispiel noch die Notenbanken. Bis vor kurzem traten sie unter dem Strich als Verkäufer von Gold auf und haben damit dämpfend auf den Preis gewirkt. Seit letzten Sommer kaufen sie indessen mehr als sie verkaufen (siehe Grafik).

«Was Gold treibt, ist eine sich verändernde Welt», sagt Munk. Und damit verlieren traditionelle Goldfaktoren wie zum Beispiel die Goldschmiede und die Industrie an Bedeutung. Bisher hatten sie grossen Einfluss auf den Goldpreis. Wurde wegen einer Rezession weniger Gold in Schmuck oder Geräten verarbeitet, sank auch der Preis. Diese Zeiten sind vorbei. Letztes Jahr wurde zum ersten Mal weniger Neugold verarbeitet als Altgold. Und trotzdem stieg der Preis an. «Ich selber hasse es, in einer Welt zu leben, in der Gold die einzig verbliebene Sicherheit ist», sagt Munk. Aber so sei nun mal die Realität. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.02.2010, 13:20 Uhr

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17 Kommentare

Samuel Zbinden

02.03.2010, 17:38 Uhr
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Alles Gold der Welt ist ca 6'000 Mrd wert. Alles Silber der Welt ca 700 Mrd. Alleine die Staatsschulden der USA betragen ca 12'500 Mrd. Eine Jahresproduktion Silber kostet 9 Mrd, eine Jahresproduktion Gold 98 Mrd! In der heutige Welt: Peanuts! Ein kleineres Bailout. Vom Glauben zur Realität ist's ein langer Weg. Und so lange Fr Binsberger glaubt, Gold ist gleich viel wert wie Papier und Sand.. ;-) Antworten


Moritz Lustenberger

24.02.2010, 14:57 Uhr
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Die Firma Barrick hat über Jahre Gold auf Termin verkauft, lag also mit ihrer Einschätzung ein paar Jahre mehr oder weniger richtig, dann aber über eine sehr lange Zeit komplett falsch. Warum sollte sie nun plötzlich richtig liegen? Für mich ein klares Zeichen, dass der Goldpreis seinen Höhepunkt in naher Zukunft erreichen wird, wenn er ihn nicht schon erreicht hat. Antworten


bruno v. nünlist

24.02.2010, 13:00 Uhr
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Gold war einst die Grundlage allen Papiergeldes. Danach wurden die Goldreserven immer mehr aufgelöst, weil es hier das Buchgeld habe eine eigene Stabilität. Die Leute, die jetzt Gold kaufen, besinnen sich auf die Währungsgrundlage und werden Recht behalten. Dass wir am sitzen hier am Beginn einer neuen Welt sitzen, habe ich schon 2007 in meiner pastmoderne ch vorausgesagt! Antworten


Boris Scavezzon

24.02.2010, 12:26 Uhr
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Das Gold das Allheilmittel der Welt sein soll - daran glaube ich zwar nicht. Die Blasen sehe ich aber in den Geldmengen (Euro/Dollar) und den Staatsverschuldungen! Der Goldkurs zeigt nur an, wie "gut" unsere Staaten die Finanzkrise gemeistert haben! Das Papiergeld mag in den Banken sicher sein, deren Wert aber wird in den nächsten Jahren abnehmen. Deshalb lieber Gold oder Silber als Papier! Antworten


Kurt Luder

24.02.2010, 08:07 Uhr
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Tatsache ist, dass fast jedes Land verantwortungslos Papiergeld druckt, hoch verschuldet ist und deshalb eine Hyperinflation oder sogar Währungsreform unausweichlich sein wird. Unsere Nationalbank hat hat kürzlich noch Gold im grossen Rahmen verkauft - das resultierende Papiergeld ist in den Händen der federalen und kantonalen Politiker bereits evaporiert. Antworten


Nadine Binsberger

24.02.2010, 02:00 Uhr
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@Bauer 12:45: Und womit ist denn das Gold gedeckt? Etwa mit sich selbst? Das ist Papier auch. Und Sandstrandkörner ebenso. Kommen wir mal auf den Boden der Realität zurück: was wir brauchen ist Nahrung, Kleidung, Obdach, Wasser, Energie, Transport , Kommunikation, Bildung, Pflege, etc. etc. Weder Gold noch Geld leisten das, sondern unsere Hände, Hirne und Herzen. Antworten


Manfred Rusterholz

23.02.2010, 18:09 Uhr
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Gold ist ein überbewerteter Stein. Das mit der Angst in unserer Gesellschaft ist wirklich ein Problem. Es schadet dem Unternehmertum. Antworten


Chris Castelmur

23.02.2010, 17:14 Uhr
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@Urs Bauer: Sie haben ja recht, das Geld nur Papier ist oder Zahlen auf Harddisks. Das Problem wird jedoch sein, dass man das Gold oder Silber verbieten oder beschlagnahmen wird, damit die Völker weiterhin der Papiergeld und Zinsknechtschaft-Versklaverei ausgeliefert bleiben. Antworten


Marc Dimanch

23.02.2010, 17:06 Uhr
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So banal es auch klingen mag, die Geldmenge ist exponentiell am steigen und übertrifft die Realwirtschaft seit Jahren.Es hat also mehr Geld als Güter-falsch?richtig!Die Nationalbanken können die Geldmengen nur begrenzt steuern, da die Geschäftsbanken selbständig GELDSCHÖPFEN können&die Inflation(Asset Price)steigen. Verschuldung=Wachstum-Grenze->beiCrash bleibt nur REALES...sog. Banken empf. Gold! Antworten


Angelo Roman

23.02.2010, 16:07 Uhr
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Gold ist nicht mehr wert, als früher. Der Franken ist wie heute, durch die Entwertung der SNB ganz einfach weniger wert und somit alle die Cash oder Äquivalentes haben. Antworten


Rolf Schneebeli

23.02.2010, 14:08 Uhr
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Der Artikel bringt die wichtigsten Faktoren fuer die Preisbildung sehr gut und in konzentrierter Fassung auf den Punkt. 350 USD Kosten stimmt natuerlich nicht fuer alle Minen, aber entsrpicht sicher etwa den Kosten Barrick's. Und dass Barrick jetzt alle Hedges aufgeloest hat, ist schon ein starkes Signal - die hatten den Absicherungstrend gestartet! Antworten


Kurt Grob

23.02.2010, 13:49 Uhr
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@Heinz Martin hat Recht: (Brutto-) Marge = (Verkaufspreis – Einstandspreis) / Verkaufspreis * 100. Also 1'120 – 350 = 770 / 1'120 = 0.6875 * 100 = Die Marge ist bei diesem Beispiel 68,75%. Man muss „von oben nach unten“ rechnen. Antworten


Yves Latour

23.02.2010, 13:35 Uhr
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Der Artikel ist etwas banal und vermittelt, dass JEDER Minenbetreiber zu 350 USD eine Unze Gold schürfen könne... nach diesem ersten Satz geht es dann weiter im selben Stil. So nicht, bitte! Antworten


Vedi Sonsez

23.02.2010, 13:22 Uhr
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Wer Aktien oder Besitzer einer Goldmine in Südafrika hat, der wird der Welt zwangsläufig Propaganda machen, dass in naher Zukunft nur Edelmetalle gelten würden, um so den Gewinn der Mine zu erweitern. Immer wenn, schmackhafte Aufwärtstrends-Tabellen auftauchen, kann man sicher sein, dass der Preis in den nächsten Tagen fallen wird, nach dem Motto: kurz vor dem Höhepunkt noch Edelmetall verkaufen.. Antworten


Thomi Horath

23.02.2010, 13:21 Uhr
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Insgesamt hat das bis jetzt auf der Erde geförderte Gold etwa in einem Würfel mit Kantenlänge 20 m platz. Allzu viel also nicht. Silber soll noch 7 mal weniger häufig als Gold sein. Antworten


Urs Bauer

23.02.2010, 12:45 Uhr
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Kann da nur zustimmen. Gold ist Geld. Alles andere "Papier" das wir Heute benutzen ist nicht mehr gedeckt. Nur eine Frage der Zeit wann Gold und Silber wieder als Zahlungsmittel verwendet wird. Antworten


Heinz Martin

23.02.2010, 12:14 Uhr
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Ich würde von einem 200% Aufschlag reden, nicht von Marge, die kann nämlich nicht über 100% sein. ... Antworten



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