Wirtschaft
Was die Yuan-Aufwertung bringt
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Stabile asiatische Währungen, schwacher Euro – Grafik vergössern
Gewinner und Verlierer
Zu den grössten Nutzniessern einer Aufwertung könnten die drei wichtigsten chinesischen Fluggesellschaften Air China, China Eastern Airlines und China Southern Airlines gehören: Sie kaufen ihre Flugzeuge mit Krediten in Fremdwährungen, machen ihren Umsatz aber in Yuan. Ausserdem bezahlen sie ihren Treibstoff in Dollar. Profitieren könnten auch ausländische Autohersteller, die ihre Fahrzeuge in China verkaufen. Sollte der Yuan im Verhältnis zum Euro weiter zulegen, würde dies am stärksten BMW nützen, dessen chinesisches Joint Venture mit Brilliance China die Hälfte seiner Teile für den Autobau importiert.
Gewinner wären auch Konsumartikel-Produzenten wie General Electric und Procter & Gamble. Sie können bei der Umrechnung ihrer Gewinne aus dem China-Geschäft auf einen positiven Wechselkurseffekt setzen.
Für grosse Einzelhändler wie Wal-Mart oder Hennes & Mauritz würde ein stärkerer Yuan die Produktionskosten erhöhen. Die Nummer zwei der Branche in Japan, Aeon, kündigte an, man wolle wegen steigender Arbeitskosten in China in anderen Ländern produzieren.
Am härtesten treffen könnte eine Aufwertung längerfristig chinesische Rohstoffhersteller wie Petrochina, Aluminum Corp. of China und Zijin Mining: Die Preise für ihre Produkte werden vom Dollar beeinflusst, während ihre Kosten in Yuan anfallen. (Reuters)
China lockert die Anbindung seiner Währung, des Renminbi (RMB), an den US-Dollar. Die Ankündigung der chinesischen Staatsbank vom Wochenende, die freilich nicht klarmacht, wann Peking seiner Währung mehr Spielraum lassen will, soll die Kritik aus Washington vor dem G-20-Gipfel im kanadischen Toronto an diesem Wochenende zum Verstummen bringen.
Allerdings beruhigte die Zentralbank die eigenen Bürger am Sonntag, es werde keine plötzlichen Kurssprünge geben. Daraufhin drohte in den USA der demokratische Senator von New York, Charles Schumer, wenn Peking die Ankündigung nicht umsetze, bringe er einen Gesetzesentwurf ein, der Importe aus China beschränke.
In den USA finden im Herbst Kongresswahlen statt, deshalb geben sich vor allem die Demokraten hart gegenüber China. In ihrer simplen Wahlkampflogik behaupten sie, China sauge mit einem künstlich tiefen RMB oder Yuan, wie die Währung auch genannt wird, Arbeitsplätze nach China ab.
Für China ist die Krise vorbei
Dennoch hält eine noch unveröffentlichte Studie des Internationalen Währungsfonds fest, der RMB sei um mindestens 20 Prozent unterbewertet. In Peking weiss man das. China liess den RMB zwischen 2005 und 2008 gegenüber dem US-Dollar um über 20 Prozent zulegen, stoppte ihn aber nach Ausbruch der Finanzkrise. Wenn es jetzt zum Status vor dem Lehman-Schock zurückkehrt, dann ist das auch ein Zeichen, dass die Chinesen die Krise für überwunden halten. Noch vor einigen Wochen fürchteten chinesische Offizielle eine akute Euro-Krise.
Angesichts einer Inflationsrate von drei bis vier Prozent sieht Peking für sich auch Vorteile in einem flexibleren RMB. Geld, das für die Regulierung des Wechselkurses gebraucht wurde, wird künftig für Investitionskredite zur Verfügung stehen. Doch die stets vorsichtigen Chinesen wollen sich von niemandem sagen lassen, wie sie ihre Währung kontrollieren sollen. Schon gar nicht, seit die Metropole des Kapitalismus die Weltwirtschaft an den Rand des Kollapses getrieben hat.
Chinas zwei Realitäten
China ist eine duale Wirtschaft, seine Küstengebiete und inzwischen auch die grossen Städte im Inland sind in die globale Wirtschaft integriert, das ländliche, arme Inland dagegen hinkt weit hinterher. Sollten in den Produktionszentren Arbeitsplätze verloren gehen, wie die USA (vermutlich fälschlicherweise) hoffen, dann müsste das Inland dies auffangen. Andrerseits dürften höhere Produktionskosten an der Küste längerfristig die Migration von Industrie ins Hinterland fördern.
Im Devisenhandel machte der RMB am Montag einen kleinen Sprung; und weil er in vielen Nachbarländern eine wichtige Währung ist – in Vietnam, Laos, Nepal und Burma sogar die härtere Parallelwährung zum lokalen Geld – und deren Wirtschaften eng mit der chinesischen verbunden sind, zog er viele Kurse der Region etwas nach oben. Auch die Rohstoffpreise könnten mit dem RMB steigen.
Amerikanische Hoffnung ist naiv
Mit einem stärkeren RMB wird China mehr importieren können, zugleich werden die Importe aus China für die Amerikaner etwas teurer. Die Hoffnung, damit industrielle Arbeitsplätze in die USA zurückzuholen, ist allerdings naiv. Der billige Lohn macht weniger als zehn Prozent des Ladenpreises von in China hergestellten Gütern aus. Zudem werden die billigsten Waren, die aus China in Amerikas Supermärkte kommen, meist von US-Firmen in China hergestellt. Es gibt gar keine Alternativen mehr zu den Waren aus China. Höhere Preise als Folge eines erstarkten RMB könnten deshalb den Konsum drosseln.
Ohnehin bedeutet eine flexiblere Wechselkurspolitik nicht, dass der RMB nun unbedingt steige. Er könnte, etwa im Falle einer Krise in China, künftig auch nachgeben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.06.2010, 22:17 Uhr


