Lernen mit Youtube

Wer sich bilden will, aber keine Diplome braucht, hat heute online viele Möglichkeiten. Eine davon ist Youtube, wo renommierte Hochschulen ihr Wissen der breiten Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung stellen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ob «Kartoffeln schnell schälen», «Augen grösser schminken», «Lustige Katzenvideos zum Totlachen», «Wie bügelt man ein Hemd» oder «Tutorial Sauce hollandaise» – auf Youtube findet man einfach alles. Will man sehen, wie etwas geht, statt darüber zu lesen, ist Youtube naheliegend. Dies wissen auch die Hochschulen. Renommierte Universitäten wie Harvard, Stanford, Berkeley, Oxford oder Toronto haben eigene Youtube-Kanäle, wo sie viel PR betreiben, aber auch kostenlos Vorlesungen zur Verfügung stellen. Wissenshungrigen, die mehr Wert auf Bildung als auf Zertifikate legen, haben sich in den letzten Jahren viele Möglichkeiten eröffnet. Auch Schweizer Hochschulen nutzen das Medium Video, Youtube wird jedoch im Vergleich nur spärlich verwendet.

International haben sich Youtube-Stardozenten etabliert. So der Philosoph Michael Sandel von der Harvard University. Seine packende Vorlesung «Justice: What’s the Right Thing to Do?» mit der Episode 01 «The Moral Side of Murder» ist ein Youtube-Hit. Er erreicht neben den anwesenden Studierenden über Youtube weitere fünf Millionen Zuschauer. Man spürt die Spannung im Raum und fühlt sich durch seine starke Präsenz und Interaktion angesprochen. Dadurch ist die Vorlesung sehr lebendig und regt den Zuschauer vor dem Computer zum Denken an.

Auch Jörn Loviscach, Professor an der Fachhochschule Bielefeld, ist ein Youtube-Phänomen. Seine deutschsprachigen Videos zu Ingenieurmathematik und technischer Informatik haben bis zu 57 910 sogenannter Views. Insgesamt wurden seine Videos auf Youtube bereits 12 772 839-mal geschaut. Er bietet seinen auf der ganzen Welt verteilten Studenten auf seiner Website ausserdem weitere Unterlagen zum Download an. In seinen Videos ist er lediglich zu hören, im Zentrum stehen die von Hand aufgeschriebenen mathematischen Berechnungen. Zudem steht er via Kommentarfunktion aktiv im Dialog mit seinen Zuschauern – erklärt, verweist und nimmt Stellung.

Gut vorbereitet in die Vorlesung

Loviscach, der sich mit dem Vermitteln von Lerninhalten und langfristigem Lernerfolg befasst, erachtet das Onlinestellen von 90-minütigen Vorlesungen ohne Zusatzmaterial nicht als sinnvoll. Videos seien aber sicher ein nützliches Medium, meint er. Sie ermöglichten, dass die Studenten bereits vorbereitet in die Vorlesung kämen und dann viel mehr vom Dozenten profitierten. Der Unterricht könne so viel interaktiver und spannender aufgebaut werden, weil die Studierenden das reine Wissen bereits über ein Video vermittelt bekommen haben. Ausserdem biete dies den Studierenden auch örtliche und zeitliche Flexibilität, die im Studienalltag sehr willkommen sei.

Youtube generiert neben vielen anderen Kategorien wie Musik oder Sport unter Youtube EDU Lerninhalte für Primarschüler bis hin zu Studenten. Neben Vorlesungen von Experten finden sich auf der Plattform auch Videos, die nicht im Auftrag von Schulen produziert wurden. Viele Schüler und Lehrer bieten selbstständig Lernhilfen an. Die Qualitätsunterschiede sind jedoch sehr gross. Zum einen, was die ­Fähigkeit zu erklären betrifft. Zum ­anderen ist auch die Aufnahme- und Tonqualität teils mangelhaft.

Daneben haben sich Youtube-Kanäle wie der von Explainity etabliert. Explainity erbringt laut eigenen Angaben eine Übersetzungsleistung von komplex zu einfach. Die Agentur für Komplexitäts­reduktion, wie sich Explainity nennt, befasst sich mit Themen wie Eurokrise, Inflation, Nahostkonflikt oder Frauenquote. Die Filme sind sehr einfach und kurz gehalten. In etwa zwei bis fünf Minuten werden Sachverhalte mit Zeichnungen und Playmobil-Männchen, begleitet von einer Offstimme, zuschauergerecht dargestellt. Auch Studenten sind froh, sich einen komplizierten Sachverhalt zur Vorbereitung oder Repetition via Youtube vereinfacht zu Gemüte zu führen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.04.2014, 02:40 Uhr

Umfrage

Wozu nutzen Sie Youtube und ähnliche Plattformen?

Um auf dem Laufenden zu bleiben

 
8.2%

Zur Unterhaltung

 
44.9%

Für praktische Anleitungen im Alltag

 
24.5%

Um mich weiterzubilden

 
18.4%

Für anderes

 
4.1%

49 Stimmen


Artikel zum Thema

Erste Youtube Music Awards gehen an Eminem und Taylor Swift

Das Online-Videoportal Youtube verlieh an einer Gala in New York zum ersten Mal seine Musikpreise. Dabei bestimmten die Fans im Internet, wer ausgezeichnet wurde. Eine nicht pannenfreie Show schürte Gerüchte. Mehr...

Kamera für Selbstdarsteller

Gadget-Tagebuch Mit der Legria mini von Canon filmt man sich selbst für Auftritte im Web. Ein Gadget als Wegbereiter für die Youtube-Karriere? Unser Videotest. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Lightshow: Ein Blitz entlädt sich während eines Sommergewitters über Bern (27. Juni 2017).
(Bild: Anthony Anex) Mehr...