Wirtschaft
Werbung in eigener Sache: Wie man sich besser bewirbt
Von Martin Vetterli. Aktualisiert am 30.12.2008
Dank Internet wissen heute alle, wie man sich erfolgreich um eine neue Stelle bewirbt. Einfacher geworden ist es deshalb noch lange nicht. Denn die ganze Ratgeberkultur ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass vor lauter Tipps das Entscheidende unterzugehen droht: vor lauter Form der Inhalt. Denn das, was am Schluss den kleinen Unterschied macht, ist das, was die Grossbanken in Rekordzeit verspielt haben: Vertrauen gepaart mit Perspektive.
Bis das entstehen kann, müssen Stellensuchende aber erst einige Hürden überwinden. Auch das ist alles andere als leicht. Denn: «In den 30 Sekunden, in denen ich ein Dossier anschauen kann, muss ich erkennen können, ob der Bewerber zu der ausgeschriebenen Stelle passt oder nicht. So ticken wir», sagt Pius Hefti von der Software-Schmiede Bison in Sursee LU beinahe entschuldigend.
In vielen Unternehmen bleiben ein paar Sekunden mehr Zeit. Die Selektion ist deshalb genauso unerbittlich. Sie verläuft meist nach dem ABC-Prinzip: Ausgezeichnete Bewerbungsdossiers landen auf dem Häufchen A, die Guten im Fach B, die Absagen auf dem Stapel C. «Klar strukturierte Dossiers, in denen man im Nu die notwendigen Informationen findet, sind im Vorteil», sagt deshalb Tom Koch, Personalchef des Sicherheitsunternehmens Securiton.
Ob die Bewerbung in Briefform oder per E-Mail eintreffe, sei dagegen Nebensache. In den meisten Fällen jedenfalls. Doch Online-Bewerbungen enthalten überdurchschnittlich viele kleinere Fehler. Das Rezept dagegen: Man schickt die Bewerbung zuerst an sich selber und geht dann das ganze Dossier nochmals durch. So merkt man schnell, dass viele Beilagen, die man gesondert öffnen muss und die in unterschiedlichen Formaten abgespeichert sind, mehr verwirren als erhellen.
Der Lebenslauf kommt zuerst
Die Personalverantwortlichen durchforsten Dossiers nicht etwa von vorne nach hinten. Sie beginnen mit dem Lebenslauf, dem Kernstück jeder Bewerbung. Der verrät, welche Qualifikationen ein Kandidat mitbringt. Wichtig: Lücken im Lebenslauf darf es nicht geben; sie machen misstrauisch. Ein Foto dagegen kann ein wichtiges emotionales Moment im Dossier sein. Auch hier zählt Professionalität; Ferienfotos sind tabu – ausser für Jobs im Reisegeschäft.
Die Dossiers müssen zwingend vollständig sein und sämtliche Arbeitszeugnisse und Diplome enthalten. Warum? Weil sie zum Gegenchecken des Lebenslaufs benützt werden. Hochstapler, die eigene Leistungen über Gebühr ins beste Licht setzen, werden so problemlos enttarnt.
Erst jetzt, wenn das Dossier auf dem Stapel A oder B liegt, kommt der Bewerbungsbrief ins Spiel. Im Fachjargon heisst er Motivationsschreiben und ist – im besseren Fall – der Türöffner. Der Brief muss deshalb Individualität signalisieren, sollte etwas Überraschendes enthalten, an das man sich später erinnert. Firlefanz verträgt sich damit nur schlecht, ausser bei Jobs, bei denen Kreativität verlangt ist.
Doch selbst das beste Dossier ist kein Garant für den Erfolg. «Wer ein professionelles Dossier hat, das nicht zu einem passt, wird es immer nur bis zum ersten Vorstellungsgespräch bringen», sagt Securiton-Personalchef Koch.
Authentisch sein, eine eigene Note entwickeln, seinen Stil finden, darum geht es – dies ist auch die Devise von Daniel Grünenfelder von der Rhätischen Bahn. Das sei ein Grundsatz, der für alle Berufe gelte, nicht nur für Kaderstellen. «Ein Metzger, der mit Herz und Seele Metzger ist, seine Kundschaft kennt und sich auch kritischen Fragen zu seinem Beruf stellt, hat deutlich bessere Chancen einen Job zu erhalten als sein Metzgerkollege, der stur seinen Job macht.» Bewerben, so Grünenfelder, beginnt lange bevor man die Bewerbungsunterlagen einreicht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.12.2008, 20:29 Uhr
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