Wirtschaft

Wird der militärische Grad wieder wichtiger?

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 13.05.2010 50 Kommentare

Versicherer legen wieder mehr Gewicht auf militärische Führungserfahrung. Das lässt zumindest der Branchenverband verlauten. Auch von Banken kommen positive Signale.

Führungserfahrung: Armee-Offiziere lassen sich zur Übung «Stabilo» im August 2008 instruieren.

Führungserfahrung: Armee-Offiziere lassen sich zur Übung «Stabilo» im August 2008 instruieren.

Führungsqualitäten

Gemäss Daniela Brunner von der Höheren Kaderausbildung der Armee lernen Angehörige der Armee unter anderem komplexe Probleme strukturiert anzugehen und unter Zeitdruck brauchbare Lösungsvarianten zu erarbeiten. Auch Stress- und Konfliktsituationen lernen sie erfolgreich zu bewältigen - Kompetenzen, die in einer Führungsposition dienlich seien.

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Armee-Chef André Blattmann höchstpersönlich wird am Rednerpult stehen, wenn der Schweizerische Versicherungsverband am 20. Mai unter dem Titel «Privatversicherer setzen in der Kaderausbildung auf militärische Führungsausbildung» zur Diskussionsveranstaltung lädt.

Im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsschulung «setzt die Branche nicht nur auf Managementkurse, sondern wieder verstärkt auf militärische Führungsausbildung», schreibt der Verband in seiner Einladung. Die Schweizer Armee könne «speziell für untere und mittlere Kader» einen Mehrwert schaffen.

Interesse gestiegen

Man wähnte die Zeiten vorbei, als Korporale und Leutnants bevorzugt eingestellt wurden und die Militärausbildung ein fixer Wert im Curriculum war. Ist nun der militärische Grad auf einmal wieder bedeutsam in der Schweizer Arbeitswelt?

«Das Interesse der Unternehmer und Personalfachleute ist in der Tat wieder grösser geworden», sagt Daniela Brunner, Sprecherin der Höheren Kaderausbildung der Armee (HKA). In einer Studie, die Ende Mai präsentiert werde, sei zudem klar zum Ausdruck gekommen, dass das Prestige des Milizkaders im Vergleich zur letztmaligen Erfassung im Jahr 2005 signifikant gestiegen ist. Auch an «Arbeitgebertagen» spüre man das Interesse: Sie selbst erfahre in Gesprächen mit den Arbeitgebern häufig, dass diese über das hohe Niveau der Kaderausbildung überrascht seien, so die Sprecherin.

Wichtige Führungskompetenzen

Etwas verhaltener klingt es bei den Versicherungen: «Führungskompetenzen sind uns sehr wichtig», sagt Mobiliar-Sprecher Manuel Inderbitzin, «ob sich ein Kandidat diese im Militär oder andernorts angeeignet hat, ist jedoch sekundär.» Es sei aber unbestritten, dass junge Leute im Militär früh Verantwortung für Mensch, Material, Resultate und Zielerreichung übernehmen.

Ähnlich tönt es von der Helvetia: «Die militärische Führungsausbildung hat bei uns bei der Jobverteilung nie eine entscheidende Rolle gespielt», sagt Sprecher Urban Henzirohs. Im Mittelpunkt stehe nach wie vor die Person.

«Keine Voraussetzung für eine berufliche Laufbahn»

Und wie sieht es bei den Banken aus? «Grundsätzlich sieht die UBS jegliche Ausbildung als wichtig an», sagt UBS-Sprecher Andreas Kern. «Auch militärische Führungsausbildung gehört dazu.» Während der Führungsausbildung in der Schweizer Armee würden junge Menschen unter anderem bereits viel Verantwortung übernehmen und mit Druck umzugehen lernen, begründet Kern die Relevanz der militärischen Ausbildung. Diese Erfahrungen seien «im beruflichen Umfeld sicherlich wertvoll». «Heute ist allerdings eine Militärkarriere nicht mehr Voraussetzung für eine berufliche Laufbahn.»

«Keine tragende Rolle»

Dass die militärische Führungsausbildung wieder wichtiger sein soll, erstaunt Martin Reber, selbständiger Unternehmensberater mit Kernkompetenz Unternehmens-Coaching. «In der Management-Literatur wird nicht selten mit Kriegsverhalten argumentiert. Möglicherweise ist das mit der Krise wieder zum Thema geworden. Dass die militärische Ausbildung bei Unternehmen eine tragende Rolle spielt, kann ich aber nicht unterschreiben.»

Unternehmen würden jedoch allgemein nach neuen Lösungsansätzen für ihre Führungskräfte suchen. «Umso mehr, da die demografische Entwicklung nahe legt, dass Mitarbeitende schneller zu Führungskräften befördert werden müssen.» Das Militär habe eine lange Tradition in der hierarchischen Führung und im taktischen Verhalten. Dass man jetzt wieder auf militärische Elemente zurückgreife, sei eine mögliche Antwort auf diese demografische Lücke. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.05.2010, 10:06 Uhr

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50 Kommentare

rolf moser

13.05.2010, 10:28 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wer uniformiert saufen kann, sich prügeln und in Puffs gehen z.B. in Kosovo, sollte auch ein Garant dafür sein, dass er sich in der Privatwirtschaft positiv etablieren kann. Antworten


Roland Hiltebrand

14.05.2010, 15:33 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die militärische Führungsausbildung bringt wesentlich mehr, als man sich selber bewusst ist. Ich selber (Offizier) konnte von den im Militär erworbenen Kompetenzen jedenfalls nur profitieren. Da in meiner Branche der Armee gegenüber jedoch sehr viele Vorurteile bestehen, verschweige ich meine Offiziersausbildung konsequent . Ich tue einfach so, als sei ich mit den Fähigkeiten geboren worden... ;-) Antworten



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