Wirtschaft

Bald mehr als eine Milliarde Hungernde

Aktualisiert am 24.04.2009

Gemäss dem jüngsten Entwicklungsbericht von Weltbank und IWF steuern arme Länder als Folge der Weltwirtschaftskrise auf einen dramatischen Entwicklungs-Notstand zu.

In mehr als der Hälfte der Entwicklungsländer werde die extreme Armut voraussichtlich weiter wachsen, heisst es in dem am Freitag in Washington vorgelegten Bericht von Weltbank und IWF. Besonders schwer betroffen von der Misere seien afrikanische Staaten südlich der Sahara. Es gebe kein Entwicklungsland, das sich den Folgen der Weltwirtschaftskrise entziehen könne. Wegen der Krise drohe bis zu 90 Millionen Menschen zusätzlich extreme Armut. Bald werde es mehr als eine Milliarde Hungernde geben, heisst es weiter im Bericht.

Gemäss Prognosen des Internationaler Währungsfonds (IWF) und der Weltbank wird das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländer in diesem Jahr dramatisch auf 1,6 Prozent abstürzen, nach durchschnittlich 8,1 Prozent in den Jahren 2006 und 2007.

Schwerste Rezession seit 1945

Laut IWF wird die Weltwirtschaft 2009 um 1,3 Prozent schrumpfen - die mit Abstand schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Welthandel werde in diesem Jahr um dramatische elf Prozent einbrechen. Weltbank und IWF riefen die Staatengemeinschaft auf, nach ihren Hilfszusagen festzuhalten und angesichts der Krise auszubauen. Millionen von Menschen werden alleine 2009 ihre Arbeit verlieren, sagte der Chefökonom der Weltbank, Justin Yifu Lin.

Deshalb bedürfe es dringend der Finanzierung von sozialen Sicherungsnetzen, Infrastruktur und Kleinunternehmen in armen Ländern, um so eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung zu sichern. «Wir müssen unsere humanitären Anstrengungen verdoppeln, um die gesteckten Entwicklungsziele zu erreichen», mahnte Lin.

Uno-Milleniumsziele gefährdet

«Da schwere Rezessionen in vielen Weltregionen gleichzeitig zuschlagen, ist die Wahrscheinlichkeit einer sehr langsamen Erholung in zahlreichen Ländern real», meinte der IWF-Vizedirektor John Lipsky. Die Lage in den armen Staaten verschlechtere sich dramatisch. «Das macht den Kampf gegen die Armut zu einer noch grösseren Herausforderung und noch dringender.»

Weltbank und IWF befürchten, dass die meisten der acht so genannten Millenniums-Entwicklungsziele der Uno als Folge der Krise nicht erreicht werden können. Zu den Zielen gehören der Kampf gegen den Hunger, bessere Schulbildung und die Verhinderung der Ausbreitung von Aids. (vin/sda)

Erstellt: 24.04.2009, 18:30 Uhr

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