Wirtschaft
«Bedeutung der Banken wird sicher kleiner»
Der Ökonom: Yvan Lengwiler im Interview über die Bedeutung von Wechselkursen und Konjunkturprogramme.
Alle reden von der Rezession, aber der Schweizer Wirtschaft macht der Wechselkurs mitunter viel grössere Sorgen. Weshalb?
Nehmen Sie den auch für die Schweizer Firmen sehr wichtigen US-Markt. Falls sich der Dollar stark abwerten würde, wäre das natürlich ein Risiko für unsere Exporteure.
Kann die Schweizerische Nationalbank da nicht gegensteuern?
Doch, die SNB kann den Wechselkurs sehr deutlich beeinflussen. Sie kann als Händlerin im Devisenmarkt auftreten und ständig zu einem bestimmten Kurs kaufen und verkaufen. Wenn sie will, kann sie den Wechselkurs vollständig festlegen.
Gehen der Notenbank dafür nicht irgendwann die Mittel aus?
An sich nicht, denn sie druckt das Geld dafür selbst. Wenn sie das tut, verliert sie natürlich die Kontrolle über die Geldmengenentwicklung und riskiert eine Inflation. Ihr ultimatives Ziel ist aber gerade die Kontrolle der Inflation. Da der Zinssatz praktisch bei null angelangt ist, bleibt ihr zur Stützung der Konjunktur aber kaum eine andere Möglichkeit.
Die SNB hat die Zinsen vergangene Woche nicht nur auf 0,25 Prozent gesenkt, sondern zusätzlich auch noch Wechselkursinterventionen im grossen Stil angekündigt.
Genau. Wenn sie die eigene Währung schwächt, hat dies einen zweifachen Effekt: Einerseits werden die Schweizer Exporteure konkurrenzfähiger. Andererseits sind importierte Waren im Inland
teurer, was zu einer Verschiebung vom Import zur Binnennachfrage führt.
Hält die Notenbank den Franken künstlich tief, dann heisst das aber, dass das Wachstum auf Kosten des Auslands finanziert wird.
Ja, in einem gewissen Sinn kann man das so sagen. Das ist das Privileg einer kleinen Volkswirtschaft.
Auf Dauer kann das aber nicht aufgehen – die USA etwa können nicht über Jahre hinweg auf Pump leben und ihr Handelsund Staatsdefizit ausweiten. Sie können nicht einen ständig wachsenden Aussenhandelsüberschuss haben. Langfristig muss sich das schon ausgleichen. Die Anpassung kann aber lange Zeit dauern.
Sollte die Schweiz nicht eher verstärkt über Konjunkturprogramme ihre eigene Wirtschaft fördern?
Ich glaube nicht, dass staatliche Ausgabenprogramme zur Stützung der Konjunktur in einer offenen Volkswirtschaft wie der Schweiz sehr erfolgreich sind. Das wichtigere Instrument ist die Geldpolitik. Mir scheint, der Aktivismus der Politik ist etwas populistisch. Man muss zeigen, dass man die Welt rettet.
Kann der Schweizer Staat nicht wenigstens steuernd eingreifen
und zukunftsträchtige Branchen fördern?
Das ist eine weltanschauliche Frage. Ich glaube nicht, dass ein Bundesamt für Innovationen in der Lage wäre, die richtigen «neuen Branchen» zu ermitteln. Meiner Meinung nach entsteht das Neue von selbst, es sei denn, man besteuert Firmen zu Tode, was bei uns nicht der Fall ist. Der Staat muss da ganz sicher nicht intervenieren.
Da bleiben Sie also ein Liberaler. Insofern dürften Sie den Abschwung auch als Chance für neue Ideen sehen.
Es werden sich wahrscheinlich beständigere Geschäftsideen durchsetzen. Wenn der Kuchen immer grösser wird, kann jeder Kapitalspritzen für vermeintlich gute Ideen finden. Jetzt dürften
sich jedoch nur die wirklich tragfähigen Initiativen durchsetzen.
Und wie sieht es mit der Bankbranche aus?
Die Bedeutung der Banken wird sicher kleiner. Das ist auch nicht tragisch, so ist das Leben. (Basler Zeitung)
Erstellt: 20.03.2009, 10:59 Uhr
Wirtschaft
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



