Wirtschaft
Berlusconi sieht Gutes in der Herabstufung
Irische Finanzen erholen sich
Der irische Ministerpräsident Enda Kenny hat am Freitag einen positiven Ausblick für die Finanzen seines Landes gegeben. Die Steuereinnahmen im laufenden Jahr fielen höher aus als erwartet, darüber hinaus blieben die Staatsausgaben im angedachten Rahmen, sagte der Regierungschef. Kenny wies ausserdem darauf hin, dass die irische Wirtschaft die zweithöchste Wachstumsrate der Europäischen Union vorweise. Die Finanzen der irischen Banken seien stabil und ausländische Investoren kehrten zurück. Im vergangenen Jahr erhielt Irland Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds. (dapd)
Bonität der Regierungen auf dem Prüfstand: Fitch Logo in New York. (Bild: Keystone )
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Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens hat Ministerpräsident Silvio Berlusconi die positiven Aspekte der Neubewertung hervorgehoben. In einer Mitteilung des Büros des Ministerpräsidenten hiess es, die Ratingagentur Fitch sehe gute Voraussetzungen, dass Italien seine Staatsschulden graduell abbaue. Auch bewerte Fitch die italienische Haushaltslage im Vergleich mit der Situation anderer EU-Staaten als besser.
Der Generaldirektor der italienischen Zentralbank hingegen wirft den Ratingagenturen Herdenverhalten vor. Dieses sei jedoch nichts wirklich neues, sagte Zentralbankchef Fabrizio Saccomanni nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA. Er wies zudem darauf hin, dass Italiens Banken solide seien und ihre Kapitalausstattung dem europäischen Vergleich standhielten.
Die Ratingagentur Fitch hatte heute die Kreditwürdigkeit der beiden EU-Mitglieder Italien und Spanien herabgestuft. Die Bonitätswächter bewerten Italiens langfristige Verbindlichkeiten nun mit «A+», zuvor lag die Note um eine Stufe höher bei «AA-». Der Ausblick wird negativ eingestuft.
Fitch: Rom tut zu wenig
Fitch begründete die Senkung der Bonität des schuldengeplagten Landes mit der Verschärfung der Krise in der Euro-Zone. Zugleich schrieb Fitch der Regierung ein unzureichendes Verhalten in der Krise zu. Es sei zu spät auf die Ausweitung der Schuldenkrise reagiert worden, hiess es. Das Wirtschaftswachstum sei gering und es seien komplexe Lösungen nötig, um die finanziellen Schwierigkeiten des Landes zu beheben und das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, schrieb Fitch.
Italien ist die drittgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone und sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Erst am Dienstag hatte Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens auf «A2» gesenkt. Damit stufen Moody's wie auch S&P die Bonität des Euro-Mitgliedstaates niedriger als Fitch ein.
Auch Spanien tiefer eingestuft
Fitch senkte heute auch die Bonitätsnote langlaufender spanischer Staatsanleihen von «AA» auf «AA-». Der Ausblick ist wie bei Italien negativ. Spanien hat die viertgrösste Wirtschaft der Euroländer.
Als Begründung für die Herabstufung wurde das Risiko eines weiterhin schwachen Wirtschaftswachstums und eine hohe Schuldenlast angeführt. Die US-Ratingagentur befürchtet, dass das spanische Wirtschaftswachstum bis 2015 nicht über zwei Prozent pro Jahr liegen wird.
Die Arbeitslosigkeit, die derzeit rund 20 Prozent beträgt, werde hoch bleiben. Fitch erklärte, es seien weitere Reformen nötig, um die spanische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen, insbesondere im Bereich des Arbeitsmarktes. Zur Rekapitalisierung der schwächeren Banken im Land seien weitere 30 Milliarden Euro vonnöten. Trotz der gestiegenen Risiken stuft die Ratingagentur die spanischen Staatsanleihen weiter als sicher ein. Fitch ist die kleinste der drei grossen Ratingagenturen.
Portugal im Visier – Dow fällt ins Minus
Fitch kündigte auch an, dass die Agentur Portugal für eine mögliche Herabstufung im Blick habe. Eine Entscheidung hierzu werde es aber wohl erst am Ende des Jahres geben, hiess es.
Kurz nach der Bekanntgabe der Herabstufungen ging an der New Yorker Börse der Dow-Jones-Index in den Sinkflug über. Lag der Leitindex um 18 Uhr MESZ noch knapp im Plus, notierte er kurz vor 20 Uhr fast ein Prozent unter dem Vortagesschluss. Danach erholte er sich wieder und ging 0,2 Prozent tiefer bei 11'103 Punkten ins Wochenende.
Moody's warnt Belgien
Angesichts der massiven Finanzprobleme der französisch-belgischen Grossbank Dexia hat die Ratingagentur Moody's Belgien vor einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit gewarnt. Die Bonität des Landes werde ab sofort «auf eine mögliche Herabstufung hin geprüft», teilte die Agentur am Freitag mit.
Bedenklich seien für Belgien insbesondere mögliche künftige Hilfszahlungen an schwächelnde Banken und verschuldete Euroländer sowie eine zu erwartende schwache wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Die Warnung folgte einer Ankündigung des belgischen Finanzministers Didier Reynders, der angeschlagenen Dexia-Bank finanziell unter die Arme greifen zu wollen. Nach Gewerkschaftsangaben und Medienberichten will die Regierung den belgischen Zweig des Instituts verstaatlichen. Dexia war in den vergangenen Tagen durch Liquiditätsprobleme ins Schlingern geraten. (rub/dapd, sda, afp)
Erstellt: 07.10.2011, 21:33 Uhr
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