Wirtschaft

Ernüchterte Märkte nach Fed-Entscheid

Aktualisiert am 21.06.2012 29 Kommentare

Die US-Notenbank verlängert die «Operation Twist» zur Stärkung der US-Konjunktur. Die Börsen im pazifischen Raum lassen sich davon nicht beeindrucken.

Verhaltene Reaktion: Übertragung von Ben Bernankes Rede an der New Yorker Börse. (20. Juni 2012)

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Mit Ernüchterung haben Anleger heute Donnerstag an den asiatischen Börsen auf die begrenzten Massnahmen der US-Notenbank zur Stimulierung der amerikanischen Wirtschaft reagiert.

Der japanische Nikkei-Index legte zwar um ein Prozent auf 8836,69 Punkte zu. Doch die übrigen Börsen in Asien starteten mehrheitlich im Minus. Der südkoreanische Kospi-Index verlor 0,7 Prozent und notierte am Morgen bei 1891,23 Zählern, der Hang-Seng-Index in Hongkong fiel um 0,6 Prozent auf 19'389,07 Punkte. Auch der australische S&P/ASX 200-Index verlor 0,6 Prozent und stand bei 4106,90 Zählern.

Fed legt nach

Die US-Notenbank Federal Reserve hatte gestern Mittwoch im Kampf gegen die schwächelnde Konjunktur nachgelegt. Ihre geldpolitische Massnahmen zur Ankurbelung des Wachstums wäre eigentlich im Juni ausgelaufen. «Operation Twist» zur Senkung langfristiger Zinsen soll nun bis zum Jahresende verlängert werden, wie die Fed nach einer zweitägigen Sitzung ihres Offenmarktausschusses gestern in Washington bekanntgab.

Um den «bedeutenden Abwärtsrisiken» für die Wirtschaft sowie der hohen Arbeitslosigkeit zu begegnen, will die Fed bis Ende 2012 kurzfristig fällige Anleihen aus ihrem Bestand im Wert von weiteren 267 Milliarden Dollar gegen langlaufende Papiere tauschen. Das soll die Zinsen etwa für Unternehmenskredite oder Immobiliendarlehen weiter in den Keller drücken und der Konjunktur neuen Schub verleihen. Bislang hatte der Anleihen-Tausch ein geplantes Volumen von 400 Milliarden Dollar.

Dow Jones (DJ INDUST.AVERAGE PR USD 15354.4 0.80%) fällt

Anders als bei der zweimaligen «Quantitativen Lockerung» (Quantitative Easing), die von 2008 bis in den Juli letzten Jahres lief, pumpt die Fed bei der «Operation Twist» kein neues Geld ins System. Damals hatte sie versucht, mit milliardenschweren Anleihekäufen die damit verbundenen Zinsen zu drücken und mithin die Nachfrage anzukurbeln. Die US-Zentralbanker sind nach eigener Aussage aber bereit, weitere Massnahmen zu ergreifen, falls dies notwendig werde.

In New York reagierte der Dow-Jones-Index negativ auf die Ankündigung und gab um 0,1 Prozent auf 12'824 Punkte nach. Im Handelsverlauf pendelte er zwischen 12'744 und 12'877 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,2 Prozent auf 1355 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq trat mit 2939 Punkten in etwa auf der Stelle.

Leitzins bleibt bis 2014 tief

Ihren Mini-Leitzins hat die Fed wie erwartet nicht verändert, er liegt wie seit Dezember 2008 unverändert bei rund null Prozent. Sie hatte bereits angekündigt, an diesem «ausserordentlich niedrigen Leitzins» bis Ende 2014 festzuhalten. Die Inflation sei wegen sinkender Ölpreise zurückgegangen, heisst es in der Mitteilung von heute.

Fed-Chef Ben Bernanke liess die Tür für weitere Konjunkturmassnahmen offen. Ein neues Programm zum Ankauf von Staatsanleihen «würde zu den Dingen gehören, die wir erwägen, sollten wir zusätzliche Massnahmen zur Stärkung der Wirtschaft ergreifen müssen», sagte er. Anders als beim Anleihentausch würde die Fed mit einem Aufkauf von Anleihen neues Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen.

Trübe Aussichten

Die Prognosen der Fed für die US-Wirtschaft haben sich im Vergleich zum Frühjahr eingetrübt. Für 2012 rechnet die Zentralbank nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 bis 2,4 Prozent, nachdem sie im April einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um bis zu 2,9 Prozent prophezeit hatte.

Die Wachstumsprognose für das kommende Jahr senkte die Fed auf 2,2 bis 2,8 Prozent (April: 2,7 bis 3,1 Prozent). Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird sich nach Einschätzung der Zentralbank nicht entspannen. Die Fed erwartet für dieses Jahr eine Arbeitslosenquote von 8,0 bis 8,2 Prozent, 2013 könnte die Rate dann auf 7,5 bis 8,0 Prozent sinken.

Bernanke machte die Krise in der Euro-Zone für die schlechte Konjunktur in den USA mitverantwortlich. «Wir hoffen, dass es sich nicht verschlimmert», sagte er. «Das ist bereits ein Faktor, der die US-Wirtschaft bremst.»

Nicht das schwerste Geschütz

Auf den Ankauf von Staatsanleihen in grossem Stil verzichtete die Fed und fuhr damit im Kampf gegen die Wirtschaftskrise nicht ihr schwerstes Geschütz auf. Einige Experten hatten spekuliert, dass die Fed eine dritte Runde einer geldpolitischen Lockerung – QE 3 genannt – einleiten würde.

«Die Märkte fühlen sich nicht gut, wenn die Liquidität ausgeweitet wird. Im Lauf der Zeit reagieren sie besorgt auf solch eine Geldschwemme», sagte Mark Martiak von Premier First Allied Securities.

Für etwas Erleichterung sorgte die Nachricht, dass in Griechenland drei Tage nach der Parlamentswahl eine Regierungskoalition unter Führung der konservativen Sparbefürworter zustande kam. Zudem sagte Europa den G20-Partnern auf ihrem Gipfeltreffen im mexikanischen Los Cabos eine wirksame Krisenbekämpfung zu. (rbi/sda/dapd/AFP)

Erstellt: 21.06.2012, 07:21 Uhr

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29 Kommentare

Nicolas Pidoula

20.06.2012, 20:00 Uhr
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Nichts Neues von Heli-Ben. Noch mehr Geld drucken und abwerfen. Selbstverständlich nicht für die normalen Menschen, sondern nur für die Banken. Damit wird natürlich die Inflation weiter angeheizt. Aber es zeigt auch, dass diese dauernde Geldverpulverung à la americaine wirkungslos verpufft. Das heisst, den Teufel mit Beelzebul austreiben. Mit anderen Worten: Auch der Dollar wird zum Toilettpapier. Antworten


Ivo Steinmann

20.06.2012, 22:44 Uhr
Melden 53 Empfehlung 0

Im Drogenmilieu würde man von Dealer und Junkies sprechen. Nichts anderes passiert hier. Der Junkie gibt sich soviele Schüsse, bis er tot ist. Die Reichen stopfen das Geld in ihre Taschen, der Normalbürger verliert dagegen Geld durch Abwertung seines Vermögens. Würde mich nicht wundern, wenn es die nächsten Jahre ordentlich kracht (Bürgerkrieg o.ä. und zwar in westlichen Länder!) Antworten



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