Wirtschaft

Boom-Staat Dubai bettelt um Zahlungsaufschub

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 26.11.2009

Luxus, Wolkenkratzer, Ölreichtum: Das arabische Emirat Dubai hat atemberaubende Jahre hinter sich. Doch jetzt schockt eine Meldung der Regierung die Finanzwelt.

1/9 Grund zur Sorge: Ein Händler an der Börse von Dubai.
Bild: Reuters

   

Das durch die globale Finanzkrise in Bedrängnis geratene arabische Emirat Dubai zieht die Notbremse. Die Regierung von Dubai bat die Gläubiger der staatseigenen Investmentgesellschaft für Immobilien, Dubai World, am Mittwoch um einen Aufschub für die Rückzahlung von Krediten. In ähnlich schlechter Verfassung soll sich die Tochtergesellschaft, der Immobilienentwickler Nakheel, befinden. Dubai World soll Medienberichten zufolge mit Verbindlichkeiten in Höhe von fast 60 Milliarden Dollar kämpfen. Sie machen damit einen Grossteil der Staatsschulden von 80 Milliarden Dollar aus.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur WAM will Dubai, dass die Gläubiger mindestens bis zum 30. Mai 2010 auf alle fälligen Zahlungen verzichten. Gleichzeitig kündigte die Regierung den Umbau der Unternehmen an, die sich durch Grossprojekte wie die künstlichen Palmeninseln weltweit einen Namen gemacht hatten.

Nervöse Reaktionen

Banker hätten bestürzt auf das Stillhalteabkommen reagiert, meldeten etwa britische Nachrichtenportale. Vertreter des Emirats hätten wiederholt versichert, alle finanziellen Verpflichtungen könnten erfüllt werden. Die Kosten für eine Absicherung gegen einen Zahlungsausfall von Staatsanleihen schossen in die Höhe, die Kurse der Bonds stürzten ab, so die Onlineausgabe der «Financial Times Deutschland». Auch andere Staaten der Region, Abu Dhabi, Saudiarabien und Qatar, könnten in den Strudel gerissen werden.

Zu Dubai World gehört der Hafenbetreiber DP World. In Finanzkreisen wird spekuliert, die Regierung könnte Teile von Dubai World verkaufen, um an Flüssiges zu kommen. Selbst ein Verkauf der Fluggesellschaft Emirates Airlines könnte zur Debatte stehen, heisst es in einem Bericht der britischen «Telegraph Online».

Arabische Investoren bei CS und UBS drin

Das Emirat hatte die Schulden während der Boomjahre angehäuft und hat jetzt offenbar grosse Mühe, sie zu bedienen. Die Krise hat den Immobiliensektor des Landes in eine tiefe Krise gestürzt. Und damit den Staat mit an den Rand des Abgrunds gezogen.

Das Szenario eines in Finanznöte geratenden Ölstaat irritiert. Investoren aus dem Golf waren während der Krise wiederholt als rettende Geldgeber für westliche Unternehmen aufgetreten, darunter viele Banken. Bei der Credit Suisse ist ein Staatsfonds aus Qatar investiert. Die erste grosse Kapitalerhöhung in der Krise bei der UBS machte damals ein Investor aus dem «arabischen Raum» mit. Nun scheint sich das Blatt zumindest für Dubai zu wenden. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.11.2009, 11:59 Uhr

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