Wirtschaft

Chemie und Pharma halten Schweizer Aussenhandel über Wasser

Aktualisiert am 18.10.2012 5 Kommentare

Höhere Ausfuhren, höhere Einfuhren, aber nur wegen steigender Preise: Die Schweizer Handelsbilanz kann sich im dritten Quartal insgesamt sehen lassen. Zuletzt drehten allerdings die Uhrenexporte ins Minus.

Aus- und Einfuhren sind nominal gestiegen: Der Grenzübergang Thayngen in Schaffhausen. (Archivbild)

Aus- und Einfuhren sind nominal gestiegen: Der Grenzübergang Thayngen in Schaffhausen. (Archivbild)
Bild: Keystone

Erstmals sinkende Uhrenexporte

Die Schweizer Uhrenexporte sind im Monat September erstmals seit Dezember 2009 gesunken. Gegenüber dem Vorjahr sind die Schweizer Uhrenexporte nominal um 2,7 Prozent auf 1,73 Milliarden Franken zurückgegangen, real waren es -8,6 Prozent, wie der Verband der Uhrenindustrie mitteilt. Allerdings hatten zwei fehlende Arbeitstage im Berichtsmonat den Aussenhandel belastet. Im dritten Quartal nahmen die Uhrenexporte um nominal 8,2 Prozent zu. Für die ersten neun Monate des Jahres beliefen sich die Ausfuhren auf 15,3 Milliarden Franken, was einem nominalen Wachstum von 13,6 Prozent entspricht. Real lag das Wachstum in den Monaten Januar bis September bei 8,5 Prozent. Der Rückgang folge auf eine Phase von über 30 Monaten stetigen Wachstums und sei daher nicht beunruhigend, hält der Uhrenverband fest. Die Exportzahlen bestätigten die erwartete Wachstumsabschwächung im laufenden Jahr. Dennoch dürften die Uhrenexporte im Jahr 2012 deutlich über Vorjahr liegen.

Weniger nach Asien, mehr nach Europa

Auffallend sind die deutlichen Rückgänge in den asiatischen Wachstumsmärkten Hong Kong (-20 Prozent), China (-28 Prozent) und und Singapur (-21 Prozent). Der Wachstumstrend in diesen Ländern habe bereits seit einigen Monaten an Momentum verloren, heisst es. Dies nachdem die Uhrenindustrie dort zuvor stark gewachsen war. China rutschte in der Statistik der grössten Exportmärkte für die Schweizer Uhrenindustrie gar vom dritten auf den vierten Rang ab und wurde von Frankreich (+2,6 Prozent) vom Podest verdrängt. Noch stärker erholten sich Italien (+24 Prozent) und Deutschland (+31 Prozent) von teilweise rückläufigen Exportzahlen aus der Vergangenheit. (sda)

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Der Schweizer Aussenhandel hat im dritten Quartal 2012 markant zugelegt: Exporte wie Importe sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dank höheren Preisen gestiegen und haben zum stärksten Wachstum seit sechs Quartalen geführt.

Die Exporte stiegen im dritten Quartal nominal und arbeitstagbereinigt um 6,4 Prozent. Insgesamt lieferten die Schweizer Unternehmen in den letzten drei Monaten Waren und Güter im Wert von 49,4 Milliarden Franken ins Ausland. Real, also ohne Preissteigerungen, resultierte bei den Ausfuhren allerdings ein Minus von 0,3 Prozent, teilte die Eidgenössische Zollverwaltung (EVZ) heute mit.

Auffällig sind dabei die enormen Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Die Chemisch-Pharmazeutische Industrie – die grösste Exportbranche der Schweiz – hat im dritten Quartal Waren im Wert von 19,7 Milliarden Franken und damit im Vergleich zum Vorjahresquartal 12,2 Prozent (real 4,2 Prozent) mehr ins Ausland verkauft. Diese Branche ist gemäss der Zollverwaltung verantwortlich für 90 Prozent des Exportwachstums.

Schwarzer September für MEM-Industrie

Auf der anderen Seite zieht die weltweit flaue Konjunkturentwicklung der Schweizer Maschinen- und Elektroindustrie (MEM) den Boden unter den Füssen weg. Im dritten Quartal hat die Branche Ausfuhren von insgesamt 8,1 Milliarden Franken verzeichnet. Das entspricht nominal einem Minus von 7,6 Prozent. Wegen der hohen Konkurrenz und dementsprechenden Preisanpassungen nach unten stand real gar ein Minus von 14,1 Prozent zu Buche.

Besonders der September war ein schwarzer Monat für viele MEM-Unternehmen. So lieferten Hersteller von Metallbearbeitungsmaschinen – die zweitgrösste Sparte innerhalb der MEM-Industrie – fast einen Viertel weniger ins Ausland. Die Exporte von Pumpen- und Kompressoren sanken inflationsbereinigt um satte 28,9 Prozent.

Preisunterschied wegen Basiseffekt

Der markante Unterschied zwischen den nominalen und den preisbereinigten Zahlen ist gemäss Matthias Pfammatter, Ökonom bei der EVZ, vor allem in einem Basiseffekt begründet. Im Sommer 2011 erreichte der Franken fast Parität zum Euro. Im September vergangenen Jahres legte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken fest. Dies hatte eine Preissteigerung von fast 20 Prozent zur Folge, was sich nun auch auf die Aussenhandelszahlen auswirkt. Das dritte Quartal 2011 sei deshalb als Vergleichsperiode etwas ungünstig, so Pfammatter.

Alle Exportbranchen betrachtet, lagen von Juli bis September nur drei im Plus – allerdings mit der Chemisch-Pharmazeutischen- und der Uhrenindustrie (siehe dazu auch die Infobox) sowie den Präzisionsinstrumenten drei der vier Schwergewichte der Schweizer Wirtschaft.

Asien wenig schwungvoll

Positiv ist, dass die Schweizer Unternehmen auf allen Kontinenten mehr Güter absetzen konnten. Am stärksten fiel das Wachstum in Nordamerika (+17 Prozent) aus. Die Exporte nach Lateinamerika und Ozeanien stiegen um 10 Prozent, jene nach Afrika um 7 Prozent.

Nach Europa wurden ebenfalls mehr Güter ausgeführt. Mit einem Plus von 3 Prozent hält sich die Nachfrage stabil. Mehr verkauft wurde insbesondere nach Frankreich und Grossbritannien, aufgrund der angespannten Wirtschaftslage in Südeuropa sanken die Lieferungen nach Italien und Spanien.

Wenig schwungvoll zeigten sich im dritten Quartal die Exporte nach Asien. Besonders deutlich rückläufig waren die Verkäufe nach Indien (-20 Prozent) und China (-15 Prozent).

«Eindrückliches Ergebnis»

Die Einfuhren stiegen im dritten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahr nominal und arbeitstagbereinigt um 3,6 Prozent auf 42,9 Milliarden Franken. Die Preissteigerung ausgeklammert blieben die Importe unverändert.

Die Schweizer Handelsbilanz schloss im dritten Quartal mit einem Überschuss von 6,5 Milliarden Franken. In den ersten neun Monaten steht ein Saldo von 17,9 Milliarden Franken, wie die EVZ weiter mitteilte.

Gemessen an den wirtschaftlichen Umständen seien dies ein sehr eindrückliches Ergebnis, beurteilt Pfammatter die Aussenhandelszahlen. Damit dürfe man sicher zufrieden sein. (fko/sda)

Erstellt: 18.10.2012, 09:06 Uhr

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5 Kommentare

willi haenni

18.10.2012, 10:06 Uhr
Melden 21 Empfehlung 15

Einfuhren im dritten Quartal 2012 von 42,9 Milliarden Franken. Und bei diesem Volumen kontrolliert die Post einzelne Päckli für CHF 17,00 (gem drs1 Espresso). Und bei diesem Volumen werden Ferienrückkehrer auf gefälschte Lacoste- oder Rolex-Produkte gefilzt und enteignet. Im Übrigen erscheint die 16-Seitige Zollbroschüre "Ihr Weg durch den Schweizer Zoll" in Anbetracht der 43 Mia als reine Schikan Antworten


Beat Suter

18.10.2012, 12:19 Uhr
Melden 6 Empfehlung 4

Ein Zahlungsbilanz Ueberschuss von 6,5 Milliarden ist ausgezeichnet. Nun liest man jedoch immer wieder von insolventen Laendern. Also gibt es sehr viele unbezahlte Rechnungen. Folglich stimmt der fakturierte Ueberschuss nicht. Es sollten nur effektive (bezahlte) Ausgaben und Einnahmen publiziert werden. Antworten



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