Wirtschaft

Das riskante Spiel mit Rohstoffen

Aktualisiert am 15.12.2010 25 Kommentare

Um mehr als 30 Prozent haben die Rohstoffpreise innert Jahresfrist zugelegt, einzelne sogar um ein Vielfaches davon. Was spricht für eine Fortsetzung dieses Trends und wo liegen die Risiken?

Rohstoffe, deren Preise drastisch angestiegen sind: Weizen, Gold, Mais, Kupfer, Kaffee und Silber.

Rohstoffe, deren Preise drastisch angestiegen sind: Weizen, Gold, Mais, Kupfer, Kaffee und Silber.
Bild: Reuters/Keystone

An den Rohwarenmärkten geht die Post ab. Während die Aktienbörsen im laufenden Jahr keine klare Richtung eingenommen haben, sind die Rohstoffpreise insgesamt explodiert. Der Economist Commodity-Price Index, einer der führenden Indizes der Rohstoffmärkte, hat innert Jahresfrist insgesamt um 30,6 Prozent zugelegt.

Noch eindrücklicher zeigt sich der Preisanstieg, wenn man einzelne Güter betrachtet, etwa bei den Metallen: Der Palladiumpreis hat sich mit einem Anstieg von 191 Prozent fast verdreifacht. Der Silberpreis ist um 71 Prozent gestiegen, jener des Kupfers um 33 Prozent. Daneben kommt Gold, das «nur» 23,6 Prozent zugelegt hat, fast schon schlecht weg. Aber auch die Nahrungsmittelpreise sind drastisch in die Höhe geschnellt: Mais um fast 50 Prozent, Weizen um 45 Prozent, Kaffee um 40 Prozent. Bei den Landwirtschaftsprodukten sticht ausserdem die Baumwolle heraus, deren Preis um fast 90 Prozent angestiegen ist. Auch der stets besonders genau beäugte Ölpreis ist um 25 Prozent angestiegen und notiert bereits wieder bei 90 Dollar pro Fass (Sorte WTI).

Der Wertzerfall des Dollars ändert wenig am Gesamtbild

Der Wertzerfall des Dollars relativiert den Boom der Rohstoffe etwas, da deren Preise in der US-Währung ausgewiesen werden. Das Gesamtbild ändert sich aber nicht. Gemessen an den drastischen Wachstumsraten bei einigen Rohstoffen, nimmt sich der Kursverlust des Dollars von 7,6 Prozent innert Jahresfrist zum Beispiel gegenüber dem Schweizer Franken bescheiden aus.

Wichtigster Treiber der Rohstoffhausse sind die Erwartungen zum weltweiten Wirtschaftswachstum. Während vor allem Europa und die USA mit ihren ökonomischen Problemen die Schlagzeilen dominieren, brummt der Motor der Weltwirtschaft insgesamt auf Hochtouren. Im laufenden Jahr soll diese laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 4,8 Prozent zulegen, in den nächsten fünf Jahren im Durchschnitt um 4,5 Prozent jährlich. Das ist deutlich mehr als in der Vergangenheit. Das durchschnittliche Wachstum der Jahre 2000 bis 2010 belief sich bloss auf 3,7 Prozent, von 1990 bis und mit 2000 waren es 3,2 Prozent.

Alles hängt von China ab

Ihr hohes Wachstum verdankt die Weltwirtschaft vor allem den aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien, die allein im laufenden Jahr um 9,4 Prozent und in den folgenden fünf Jahren durchschnittlich um 8,5 Prozent wachsen sollen. Haupttreiber hier ist China mit noch höheren Wachstumserwartungen. Dazu kommen leicht verbesserte Aussichten für die US-Wirtschaft im nächsten Jahr. Für Analysten insgesamt Grund genug, um auch im nächsten Jahr einen fortgesetzten Aufwärtstrend der Rohstoffpreise zu prognostizieren.

Die Erwartung von künftig weiter steigenden Preisen sind allerdings auch ein Grund dafür, dass diese bereits jetzt deutlich zulegen, da Investoren frühzeitig auf den Zug aufspringen wollen. Entsprechende Käufe verknappen den jeweiligen Rohstoff. Besonders deutlich hat sich das beim Kupfer gezeigt. Als die US-Grossbank J.P. Morgan – anfänglich unerkannt – Anfang Dezember rund 50 Prozent der Kupferbestände der Londoner Metallbörse LME zusammengekauft hat, warf das auf den Märkten grosse Wellen. Der Grund des Kaufs: Das Kupfer dient zur Absicherung eines neuen, leicht handelbaren Fonds auf diesem und weiteren Metallen. Die Banken setzen auf einen starken Absatz solcher Fondsprodukte.

Gold als Sicherheit gegen Inflation

Ein weiterer Grund für den Rohstoffboom – vor allem aber für den steigenden Goldpreis – ist die Angst vor einer ausufernden Inflation angesichts der in den letzten Jahren geschaffenen Geldschwemme durch die führenden Zentralbanken der Welt. Gold gilt hier als sicherer Hafen, es lässt sich anders als Papiergeld nicht beliebig vermehren, ist weltweit akzeptiert und es zersetzt sich nicht. Besonders gross ist das Inflationsrisiko angesichts hoher Wachstumsraten wiederum in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens und vor allem in China. Die dortige Regierung hat seinen Bürgern letzthin sogar erlaubt, in Indexfonds auf Gold im Ausland zu setzen.

Die Spekulation auf steigende Rohstoffpreise ist allerdings alles andere als eine sichere Wette. Das haben all jene schmerzlich erfahren, die sich vom Boom von Mitte 2007 bis Mitte 2008 blenden liessen. Schlagzeilen hat damals vor allem der Anstieg des Ölpreises gemacht, der Anfang 2007 noch bei Rund 50 Dollar pro Fass (Sorte WTI) notierte und sich bis zum Sommer 2008 auf beinahe 150 Dollar verdreifacht hat. Kein halbes Jahr später kostete das Fass gerade noch rund 30 Dollar. Ähnliche Entwicklungen zeigten sich bei anderen Rohstoffen. Der Grund war die Finanzkrise mit dem unerwartet heftigen Einbruch der Weltwirtschaft.

Auch die Risiken sind ungewöhnlich hoch

Die Risiken für die Weltwirtschaft bleiben auch aktuell trotz den optimistischen Prognosen ausserordentlich hoch. Die Krise in den USA und jene um den Euro können sich jederzeit verschärfen und China, wie andere aufstrebende asiatische Länder, könnte sich gezwungen sehen, zur Vermeidung einer kaum mehr kontrollierbaren Inflation hart auf die wirtschaftspolitische Bremse zu stehen. Auch platzende Blasen etwa im Immobiliensektor von China könnten dem weltweiten Wirtschaftswachstum einen herben Dämpfer versetzen. Kommt dazu, dass die grossen Rohstoffanbieter der Welt wie Vale, Rio Tinto oder Xstrata und ebenso die Erdölkonzerne angesichts von zunehmenden Lieferengpässen laut der «Financial Times» so viel in Förderungsanlagen investieren wollen wie schon lange nicht mehr. Steigt dadurch das Angebot an, drückt das auf die Rohstoffpreise – wenn die Nachfrage nicht noch stärker zulegt.

Erstellt: 15.12.2010, 13:03 Uhr

25

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

25 Kommentare

Bruno Hochuli

15.12.2010, 13:45 Uhr
Melden

Weizen, Mais, Kartoffeln, einfach alle Grundnahrungsmittel sollten von der Börse nicht gehandelt werden dürfen. Durch Spekulation werden in den armen Ländern noch mehr Menschen verhungern, oder in die Kriminalität getrieben. Bei uns kann es auch soweit kommen. Es darf nicht alles machbar sein um des Geldes willen. Antworten


Hans Inauen

15.12.2010, 13:55 Uhr
Melden

Leider ist es halt auch bei den Rohstoffen so dass diejenigen die den Buckel krumm machen müssen, oder gar das Leben riskieren, von den höheren Preisen überhaupt nicht profitieren weil bis auf die unterste Ebene kommt der Geldsegen mit Sicherheit nicht. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.