Wirtschaft
Dickere Kapitalpolster für die amerikanischen Banken
Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 20.12.2011 2 Kommentare
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Der Wortführer der Wallstreet-Banken, Jamie Dimon, führte die Opposition gegen die Federal Reserve an. Die Absicht, eine dickere Eigenkapital-Decke vorzuschreiben, sei «unamerikanisch», sagte er im Herbst. Die US-Banken erlitten damit einen Wettbewerbsnachteil und müssten stärker auf die Kostenbremse treten als europäische Banken. Der Chef von JP Morgan Chase forderte die US-Notenbank ultimativ auf, den Alleingang zu wagen und den Basler Ausschuss der internationalen Finanzaufseher zu missachten.
Für einmal allerdings dürfte die Wallstreet den Kürzen ziehen. Die Notenbank will gemäss dem «Wall Street Journal» neue Kapitalvorschriften vorlegen, die voll dem Basel-III-Abkommen folgen und dem entsprechen, was in den europäischen Ländern als minimale Basis dient. Die Notenbank hatte schon kurz nach der Kritik von Dimon eingeräumt, dass die US-Banken wegen der europäischen Schuldenkrise weniger stark gefährdet erscheinen, sich aber einer erneuten schweren Finanzkrise nicht entziehen könnten. Zudem berichteten die Basler Aufseher im November, dass von den 29 systemgefährlichen Banken 8 in den USA beheimatet sind. Dieser Bericht erklärt teilweise, warum Dimon derart laut polterte. Seine Bank ist nämlich neben der Citigroup die einzige in den USA, die zusätzlich zum Eigenkapital von 7 Prozent ein Reservekapital von 2,5 Prozent aufbauen müsste. Die beiden Banken sind die grössten Drehscheiben für Kurzfristgelder des Landes; bei einem Kollaps würden die Finanzmärkte rasch zum Stillstand kommen. Deshalb die höheren Reserven.
Extreme Risikoszenarien
Dagegen dürfte die Bank of America, die grösste Retailbank der USA, mit einem zusätzlichen Kapitalpolster von 2 Prozent davonkommen. Nur 1 bis 1,5 Prozent an Zusatzkapital müssten gemäss den Basler Schätzungen Morgan Stanley, Goldman Sachs und Wells Fargo aufbringen. Diese Banken dürften dem Vorgehen der Notenbank kaum weiter opponieren.
Die Basel-III-Vorschriften stellten für die amerikanischen Banken zwar eine weitere Hürde dar, schreibt die Credit Suisse in einer detaillierten Analyse von gestern. Doch seien alle in der Lage, diese zusätzliche Kapitaldecke zu schaffen und ihre Risiken abzubauen. Dies umso mehr, als ihnen eine Frist bis 2019 gewährt werde. Seit der Finanzkrise haben die US-Banken ihre Eigenmittel bereits um vier Prozentpunkte erhöht, schreibt die Credit Suisse, zur Aufnahme von neuem Kapital sind sie wegen Basel III nicht gezwungen.
Mangel an Transparenz führte zu Finanzkollaps
Ein zentrales Problem liegt allerdings in der unterschiedlichen Bewertung der Risikopositionen und ihrer Verrechnung gegenüber den Aktiven. Der Basler Ausschuss forderte die Banken gestern deshalb auf, vollständige Listen aller Finanzinstrumente vorzulegen. Ein Mangel an Transparenz dieser Risikoanlagen dürfte zum Finanzkollaps von 2008 beigetragen haben, so die Aufseher. Auch die US-Notenbank ist besorgt. Sie will deshalb einen zweiten Härtetest durchführen und zusätzlich zur ersten Serie von 19 Banken weitere 12 Finanzhäuser durchleuchten.
Geprüft werden sollen zwei Szenarien: Das erste geht davon aus, dass die USA in eine Depression fallen und im kommenden Jahr eine Arbeitslosigkeit von 13 Prozent erleben, bevor sich die Wirtschaft ab 2013 leicht erholt. Der zweite Krisenfall sieht einen weltweiten Kollaps voraus, ausgelöst durch eine ausser Kontrolle geratene europäische Schuldenspirale. Nur solche katastrophale Szenarien, so die US-Notenbank, zeigen auf, ob die Banken so stabil sind, wie sie behaupten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.12.2011, 07:06 Uhr
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2 Kommentare
Jamie Dimon, einer der Totengräber von Lehman Brothers. Ebenso gut hätte es damals statt Lehman, JPM treffen können aber sie zogen die Fäden im Hintergrund geschickter und führten Lehman ins Verderben. Diese Tatsache alleine ist Grund genug auch die US Banken stärker zu regulieren und zu höheren Eigenkapitalquoten zu zwingen. Freiwillig machen die nichts in diese Richtung. Antworten
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