Wirtschaft
Die Höllenmaschinen
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 21.04.2010 47 Kommentare
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Artikel zum Thema
- Auch Briten nehmen Goldman Sachs in die Zange
- Der Auslöser der Goldman-Krise
- Milliardengewinn: Goldman Sachs in alter Stärke
Stichworte
Es gibt auch Gewinner der Aschenwolke, die Investmentbank Goldman Sachs ( 96.7 -0.17%) beispielsweise. Der Ausbruch des isländischen Vulkans hat dazu geführt, dass die Ermittlungen der Securities and Exchange Commission (SEC) gegen die Investmentbank von den Medien eher diskret behandelt wurden. Das dürfte sich bald ändern. Der Himmel über Europa wird irgendwann wieder blau sein, über der Wall Street hingegen zieht ein schweres Unwetter auf: Bei Goldman Sachs geht es nämlich nicht darum, ob einzelne Banker ihre Kunden hinters Licht geführt haben oder nicht. Es geht letztlich um die Frage: Brauchen wir die Investmentbanken mit ihren modernen Finanzinstrumenten oder nicht?
Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die synthetischen CDOs, ein äusserst komplexes Finanzinstrument. Es ist mehr als eine aufgestückelte und neu zusammengesetzte handelbare Hypothek wie eine normale CDO (Collateral Debt Obligation). Diese werden für die Verbriefung der Hypothekarschulden verwendet. Die synthetischen CDOs verweisen bloss noch auf Obligationen. Mit ihnen wetten Investoren letztlich darauf, ob die Hypothekenschuldner ihren Verpflichtungen nachkommen oder nicht. Kurz: Synthetische CDO sind Kasino-Kapitalismus pur. «Wie im Casino Blackjack, Slotmaschinen und Pokertische angeboten werden, sind sie ein Mittel, um gegen den Immobilienmarkt zu wetten», schreibt die «New York Times».
UBS (UBSN 11.15 -0.89%) auf Rang zwei
An der Wall Street wurde im grossen Stil gewettet. 2007 sind CDOs im Wert von 486,8 Milliarden Dollar in Umlauf gesetzt worden, etwa zehn Prozent davon in der synthetischen Variante. Gemäss einer Studie der Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) waren zwischen 2005 und 2008 die folgenden Spieler einsatzmässig an der Spitze: Merrill Lynch (inzwischen Teil von Bank of America) mit synthetischen CDOs im Wert von 16,8 Milliarden Dollar. Auf Rang zwei steht die UBS (15,8 Milliarden Dollar), gefolgt von JPMorgan und Citigroup (je 9 Milliarden Dollar).
Der Einsatz von Goldman Sachs betrug bloss 2,2 Milliarden Dollar. Aber die SEC glaubt, diese Bank habe mit gezinkten Karten gespielt. Laut Anklage kreierte sie bewusst ein schlechtes Produkt und nutzte dieses Insiderwissen aus, um sichere Profite zu erzielen, auf Kosten anderer Spieler. Im Casino herrschen raue Sitten. Was der eine gewinnt, verliert ein anderer.
Die Banken sind das Herz
Banken werden oft als Herz der modernen Wirtschaft bezeichnet, da sie das Geld wie Blut an die richtigen Orte verteilen. Dieser Vergleich stimmt, was die Geschäftsbanken betrifft. Ohne diese Banken würde die Wirtschaft sehr bald kollabieren, weil Unternehmen von diesem Kapitalfluss abhängig sind wie der Körper von Blut. Doch was ist der volkswirtschaftliche Nutzen von synthetischen CDOs? Welches Unternehmen wird deswegen produktiver, welches Projekt kann deswegen realisiert werden? Schlimmer noch: Diese Wetten sind volkswirtschaftlich nicht nur überflüssig, sie sind sogar schädlich. Die Verlierer werden dabei – siehe UBS – mit dem Geld von Steuerzahlern gerettet, weil sie «too big to fail» sind. Und die Investmentbanker dürfen ihre Millionen-Boni behalten.
Die Untersuchung der SEC gegen Goldman Sachs streut somit Salz in eine ohnehin schon offene und stark schmerzende Wunde. In einem aufgeheizten Klima werden die schlimmsten Vorurteile bestätigt. Das wird nicht ohne Folgen bleiben. Martin Wolf, Chefökonom der «Financial Times», stellt fest: «Um die finanzielle Höllenmaschine wieder unter Kontrolle zu bekommen, werden fundamentale Änderungen in der Politik gegenüber den Finanzinstituten und ihren Strukturen nötig sein.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.04.2010, 15:47 Uhr
Kommentar schreiben
47 Kommentare
Kurze Antwort: Nein, brauchen wir nicht. Etwas längere Antwort: Investmentbanken und sogenannt moderne Finanzinstrumente schaffen keinen echten Mehrwert. Die Branche lebt von fremdem Geld, welches in vielen Fällen durch die Schaffung von echtem Mehrwert sauer verdient wurde. Die Selbstbedienungsmentalität ist zu gross in der Branche. Antworten
Wirtschaft
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 22:09Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 12:15Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 10:16UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
- 07:17«Deutschland sollte niemanden züchtigen»



