Wirtschaft

«Die Indianer meistern die Krise besser als die Kavallerie»

Aktualisiert am 23.04.2009 11 Kommentare

Die Schweiz steckt zwar in der tiefsten Rezession seit 1975. Doch laut dem Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel Economics könnte der Tiefpunkt bereits erreicht sein.

Hält die Schweiz für erfolgreicher: BAK-Chefökonom Urs Müller.

Hält die Schweiz für erfolgreicher: BAK-Chefökonom Urs Müller.

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«Der Aufschwung steht nicht vor der Tür, aber möglicherweise vor dem Gartentor», sagte BAK-Ökonom Martin Eichler heute an der Frühjahrsprognosetagung in Basel. Eine allmähliche Erholung sei aber nicht vor dem vierten Quartal zu erwarten. Laut der Vorhersage wird die Wirtschaftsleistung der Schweiz 2009 um 2,1 Prozent schrumpfen, doch schon nächstes Jahr wird wieder mit einem bescheidenen Wachstum von 0,6 Prozent gerechnet

Angesichts von Prognosen, laut denen die Wirtschaftsleistung in Deutschland um sechs Prozent einbrechen soll, sagte Urs Müller, Chefökonom von BAK Basel Economics: «Die Indianer meistern die Krise besser als die Kavallerie.»

Risiken kaum abzuschätzen

Allzu viel Selbstvertrauen dürfte jedoch nicht angebracht sein. Ökonom Eichler betonte, dass die Unsicherheiten gross seien. Neue Hiobsbotschaften von den Finanzmärkten – etwa hohe Ausfälle bei Kreditkarten-Schulden in den USA – könnten die Weltwirtschaft weiter in die Tiefe reissen. Angesichts des nach wie vor hohen Wertberichtigungsbedarfs der Banken sei eine erneute Zuspitzung der Krise nicht auszuschliessen. Die Gewinne einiger Banken im ersten Quartal und die bessere Stimmung an den Börsen deuteten aber darauf hin, dass das Vertrauen zurückkehre.

Seine Zuversicht begründete Eichler auch mit den Impulsen der Konjunkturprogramme, die rund um den Globus lanciert worden sind. Auch bleibe die expansive Geldpolitik der Notenbanken weltweit nicht ohne Wirkung.

Keine Kreditklemme festzustellen

In der Schweiz lasse das Misstrauen unter den Geschäftsbanken nach, konstatierte BAK-Ökonom Alexis Körber: Anzeichen für eine Kreditklemme gebe es hierzulande nicht. Gleichwohl zeichne sich bei den Banken keine schnelle Erholung ab, sagte sein Kollege Thomas Schoder.

Die Bruttowertschöpfung der Schweizer Banken wird laut dem BAK in diesem Jahr um fast 6 Prozent sinken. Gleich schlecht wird es der Metall- und der Maschinenindustrie sowie dem Gastgewerbe gehen. Von einem starken Rückgang werde auch die Uhrenindustrie nicht verschont bleiben; sie könne ihn aber rasch überwinden.

Konsum derzeit rückläufig

Erste Schwächezeichen zeigt der Privatkonsum und damit auch der Handel. Hier zeigt sich die steigende Zahl der Arbeitslosen, die die Menschen verunsichert und eher das Sparen als das Geldausgeben fördert. Mit einem Nullwachstum in diesem Jahr trage der Detailhandel dennoch dazu bei, die Wirtschaft zu stabilisieren, sagte Schoder. Dies treffe auch auf die Baubranche zu.

Ihre Branchenstruktur verleihe der Schweiz ohnehin «eine gewisse Resistenz». Besondere Bedeutung komme der Pharma-Industrie zu, die den Konjunkturzyklen weniger stark als andere Branchen unterworfen sei. So sei auch 2009 mit geringen Zuwächsen zu rechnen.

Vorteile für die Region Basel

Von der Life-Sciences-Industrie soll in erster Linie die Region Basel profitieren: Hier schrumpfe die Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr nur um 0,7 Prozent, und für das kommende Jahr wird mit einem Wachstum von bereits wieder 1,1 Prozent gerechnet.

Am anderen Ende findet sich die Region Zürich/Aargau, die unter der Redimensionierung des Finanzsektors besonders leidet: Hier wird im laufenden Jahr ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,9 Prozent erwartet – und für kommendes Jahr ein geringfügiges Plus von 0,7 Prozent prognostiziert.

Erstellt: 23.04.2009, 15:44 Uhr

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11 Kommentare

Urs Held

23.04.2009, 16:25 Uhr
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Bei manchen Kommentaren fällt mir nur ein: "Hochmut kommt vor dem Fall"@Christina K: Wo genau sehen Sie jetzt Ihre geistige Überlegenheit...in dem Kommentar jedenfalls ist davon nichts zu finden. Deutschland ist unser wichtigster Handelspartner. Somit profitieren auch wir vom deutschen Konjunkturpaket, bezahlt mit deutschen Steuergeldern vom geschröpften Steuerzahler ohne CH-Konto! Antworten


Freddy Bold

23.04.2009, 15:04 Uhr
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Sachliche Information der Konkurrenzmedien jenseits von reisserischen Titeln: "Das überdurchschnittliche Schrumpfen der deutschen Wirtschaft führt der IWF auf die extreme Abhängigkeit von Exporten und auf die Struktur der deutschen Exporte zurück. Das bedeute, dass Deutschland von einem Aufschwung der Weltwirtschaft besonders profitiere, vom Abschwung aber auch besonders hart getroffen werde". Antworten



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