Wirtschaft
«Diese Entscheidung muss die Bank für sich allein treffen»
Interview: Jan Baumann, Mark Dittli, Finanz und Wirtschaft. Aktualisiert am 19.10.2012 15 Kommentare
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Herr Danthine, genau vier Jahre sind seit der staatlichen Rettung der UBS vergangen. Seither ist auf regulatorischer Ebene viel geschehen. Sind Sie zuversichtlich, dass eine derartige Rettungsaktion hier in der Schweiz nie mehr nötig sein wird?
Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht am Ziel.
Stellen Sie sich vor, es wäre der 1. Januar 2019, und alle neuen Regeln – einschliesslich sämtlicher Auflagen von Basel III – wären voll umgesetzt. Wäre damit das Too-big-to-fail-Problem gelöst?
Das ist eine grosse Frage, und wir wissen die Antwort darauf nicht. Heute ist lediglich klar, dass wir noch nicht am Ziel sind, sondern in einer Übergangsphase stecken. In der Schweiz haben wir beschlossen, dass die systemrelevanten Grossbanken 19% verlustabsorbierendes Kapital benötigen. Dieses Polster ist noch nicht vorhanden, denn den Banken wurde bis 2019 Zeit dafür eingeräumt.
Wie beurteilen Sie denn die Entwicklung in den USA und in Europa; ziehen alle am gleichen Strick?
Dies- und jenseits des Atlantiks geht die Entwicklung zumindest in die gleiche Richtung, auch wenn die Massnahmen nicht identisch sind.
Was halten Sie davon, dass die Konzernchefs der Schweizer Grossbanken nach wie vor Eigenkapitalrenditeziele verkünden?
Die Eigenkapitalrendite als explizites Ziel macht überhaupt keinen Sinn. Eine sinnvolle Zielvorgabe muss risikoadjustiert sein. Jeder kann 15% oder mehr Return on Equity versprechen. Um das zu realisieren, muss man lediglich genug hohe Risiken eingehen respektive den Fremdkapitalanteil in der Bilanz hochschrauben. Ein hoher Leverage ist das Doping der Banken. Ich denke aber, die Banker haben diese Lektion gelernt. Leverage und Eigenkapitalrenditeziele sind im Sektor bereits deutlich nach unten korrigiert worden.
Statt 25% RoE sind es nun 15%. Ist das wirklich ein Fortschritt?
Die Erkenntnis, dass ein RoE-Ziel der falsche Massstab ist, setzt sich immer mehr durch.
Nehmen wir an, die UBS würde sich für die Beschränkung auf die Vermögensverwaltung entscheiden und das Investmentbanking abspalten. Würde Ihnen das gefallen?
Das würde uns als Hüter der Finanzstabilität die Arbeit einfacher machen, insofern wäre ich erfreut. Diese Entscheidung muss die Bank aber für sich allein treffen.
Mit der Anbindung des Frankens an den Euro hat die Nationalbank bewusst in Kauf genommen, dass sich ihre Bilanz extrem aufbläht. Ist das nicht ein gewaltiges Risiko?
Stabilitätspolitisch ist das unbedenklich. Die Gefahr besteht allenfalls darin, dass wir eines Tages keinen Gewinn mehr an die Kantone ausschütten könnten, falls wir einen Verlust auf den Devisenreserven erleiden sollten. Wir würden in diesem Worst-Case-Szenario einfach viel Zeit benötigen, um das Kapital wieder aufzubauen.
Die Devisenreserven sind auf 60% der jährlichen Wirtschaftsleistung angeschwollen. Kann dass so weitergehen?
Ja, das ist zwar möglich. Es kommt dann allerdings irgendwann ein Punkt, an dem das Vertrauen in die Stärke des Frankens schwinden würde. Derzeit ist der Franken zum Euro immer noch ungewöhnlich stark. Die Erfahrung zeigt, dass sich so eine Überbewertung mit der Zeit korrigiert. In der Zwischenzeit legen wir die Währungsreserven zinsbringend an.
Dieser Text ist ein Ausschnitt eines längeren Interviews, das «Finanz und Wirtschaft» mit dem SNB-Vizepräsidenten führte. Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Jean-Pierre Danthine. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.10.2012, 17:10 Uhr
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15 Kommentare
Bitte Tagi - nicht der Staat rettete die UBS - sondern die systemirrelevanten Steuerzahler! Traurig, wenn das Journalisten immer noch nicht begriffen haben. Leider passierte vor der Finanzkrise auf regolatorischer Ebene einiges mehr - sonst hätte es keine Finanzkrise gegeben. Darf ich daran erinnern, dass das Finanzsystem einige Jahrzehnte gut funktionierte bevor gewisse Gesetze gelockert wurden.. Antworten


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