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Diese deutschen Knauserer!
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 24.06.2010 31 Kommentare
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Der US-Präsident, der US-Finanzminister und selbst der legendäre Financier George Soros beschwören Deutschland, von der harten Sparpolitik abzulassen. Damit werde die Welt in eine Deflation getrieben, klagen sie. Doch Angela Merkel bleibt hart. Nein, sagt die Bundeskanzlerin heute in einem Gespräch mit dem «Wall Street Journal», sie denke nicht daran, von ihrem Kurs abzuweichen. «Deutschlands Exporterfolge widerspiegeln die hohe Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft unserer Unternehmen», sagt sie. «Diese Wettbewerbsfähigkeit künstlich einzuschränken, würde niemandem etwas nützen.»
In der «Financial Times» stösst Finanzminister Wolfgang Schäuble ins gleiche Horn. Auch er wehrt sich gegen den Vorwurf, die Deutschen würden zu harte Sparmassnahmen ergreifen und damit den Aufschwung der Weltwirtschaft abwürgen. «Die deutsche Regierung weiss um ihre Verantwortung, das Wirtschaftswachstum in Europa und der Welt fördern zu müssen», stellt Schäuble fest. «Aber wir werden diese Verantwortung nicht dadurch ausfüllen, dass wir Schulden anhäufen, sondern indem wir unsere traditionelle Rolle als Anker der Stabilität wahrnehmen.»
Im Schussfeld von Verbündeten
Genau dies bezweifelt jedoch George Soros. Der Financier ist überzeugt, dass die Deutschen mit ihrer konservativen Sparpolitik die Märkte nicht stabilisieren, sondern sie im Gegenteil verunsichern. In einem Vortrag wies er gestern darauf hin, dass diese Politik die Aussicht auf Deflation oder Inflation, aber auch auf Firmenkonkurse und Desintegration fördere. Das wiederum führe nicht zu mehr, sondern zu weniger Stabilität. «Finanzmärkte mögen Unsicherheit nicht», warnte Soros.
Im Vorfeld des G-20-Gipfel gerät Deutschland immer stärker ins Schussfeld seiner besten Verbündeten. Nachdem China eingewilligt hat, seinen Renminbi geordnet aufzuwerten, wird nun auch von Berlin erwartet, nicht nur die Exportkraft seiner Wirtschaft zu fördern, sondern auch die heimische Nachfrage. Tatsächlich ist die Kauflust deutscher Konsumenten mehr als schwächlich. Der Anteil des Konsums am deutschen Bruttoinlandprodukt war 2009 sogar leicht rückläufig und liegt nun bei rund 55 Prozent. Zum Vergleich: In den USA liegt dieser Wert bei rund 70 Prozent.
Schon droht neuer Ärger
Auch in Europa droht den Deutschen neuer Ärger. Kritiker spotten bereits, dass wenn die Heirat zwischen Frankreich und Deutschland tatsächlich das Herz der EU sei, nun ein Gang zum Eheberater dringend nötig wäre. Tatsächlich belastet die deutsche Sparwut das Verhältnis der beiden Nachbarn immer stärker. So hat die deutsche Kanzlerin den Triumph des französischen Präsidenten bereits wieder entschärft: Das 750-Milliarden-Euro-Hilfspaket zur Stabilisierung der Eurozone soll nun nicht – wie von Frankreich erhofft - die Grundlage einer neuen, gemeinsamen Wirtschaftspolitik bilden, sondern bereits in drei Jahren wieder aufgelöst werden.
Zudem mögen sich Angela Merkle und Nicolas Sarkozy offensichtlich auch persönlich nicht. Doch viel fataler wird die unterschiedliche Mentalität der beiden Nachbarn. Die Deutschen haben eine geradezu panische Angst davor, dass eine verantwortungslose Verschuldungspolitik der Franzosen ihnen bald wieder eine Hyperinflation bescheren könnte. Die Franzosen fürchten, Opfer einer deutschen Exportlawine zu werden. «Es ist eine Frage der Wirtschafts- und der Geldkultur», stellt die «Financial Times» fest. «Deutsche Hausfrauen vergleichen die Preise im Supermarkt, die französischen nicht. Sie füllen einfach den Einkaufswagen.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.06.2010, 13:33 Uhr
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31 Kommentare
60 Mrd. Euro neue Schulden als "Sparwut" zu bezeichnen, finde ich recht gewagt, insbesondere in einer Zeit, wo die (vermeintlich) hohe Verschuldung einiger europäischer Länder fast zur Panik führt. Aber wenn ich mich nicht irre, hat Hr. Löpfe neulich die Politik der "deutschen Geizhälse" für die Löhne von Aldi Suisse verantwortlich gemacht -- also ist dieser Artikel wohl wieder die übliche Polemik Antworten
Eigentlich absurd, die deutsche Politik als "sparwütig" zu bezeichnen. Sie macht höchstens nicht ganz so viel Schulden wie zu den "besten" Zeiten, das ist alles. "Sparen" würde ja implizieren, dass man einen Überschuss erwirtschaftet und etwas auf ein Sparkonto überweist. Davon ist Deutschland aber weit entfernt. Der Rest der EU (mal mit Ausnahme von Luxemburg vielleicht) aber eher noch mehr. Antworten
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