Wirtschaft

Dieser Deal birgt Sprengstoff für die Börsen

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 11.03.2011 74 Kommentare

Der grösste Anleihenfonds der Welt hat sämtliche Staatsanleihen der USA abgestossen. Für die Weltkonjunktur und die Aktienmärkte ist das ein dramatisches Alarmsignal.

Dank der Anlagesumme von einer Billion Dollar hat ihre Stimme auf den Anleihemärkten eine überragende Bedeutung: Pimcos-Chefmanager Bill Gross (links) und der CEO des Fonds, Mohamed El-Erian (rechts).

Dank der Anlagesumme von einer Billion Dollar hat ihre Stimme auf den Anleihemärkten eine überragende Bedeutung: Pimcos-Chefmanager Bill Gross (links) und der CEO des Fonds, Mohamed El-Erian (rechts).
Bild: Reuters

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Wenn ein Fonds seine Investitionen umschichtet, ist das gewöhnlich keine Schlagzeilen wert. Nicht so im Fall der Pacific Investment Management Company, vor allem bekannt unter der Abkürzung Pimco. Die Gesellschaft verwaltet insgesamt Anleihen im Wert von rund einer Billion (1000 Milliarden) Dollar und nimmt mit diesem Umfang weltweit die Spitzenstellung ein. Was heute allerdings von Pimco bekannt geworden ist, bietet mehr als nur Stoff für Schlagzeilen, sondern Sprengstoff für die Börsen und die wirtschaftliche Entwicklung weltweit.

Wie der Finanzblog «Zero Hedge» vermeldet, hat der Total Return Fund alle verbrieften Staatsschulden der USA abgestossen. Der Flaggschiff-Fonds von Pimco ist mit verwalteten Vermögen im Umfang von 237 Milliarden Dollar der grösste Anleihenfonds der Welt. Noch im Januar belief sich laut der britischen «Financial Times» der Anteil von US-Staatspapieren am Fonds auf 12 Prozent, Ende 2009 sogar noch auf 63 Prozent. Die Meldung zu dieser dramatischen Reduktion wurde sogleich auch von grossen Wirtschaftsmedien wie der «Financial Times» oder Bloomberg an prominenter Stelle verbreitet.

Fertig risikolos

Dieser Schritt ist ein starkes Zeichen für das schwindende Vertrauen in die Staatsfinanzen der USA. Normalerweise gelten Staatsanleihen von reichen Ländern wie der Schweiz, Deutschland oder auch den USA als risikolos – zumindest was die Möglichkeit eines Staatsbankrotts betrifft. Daher ist der Anteil solcher Papiere in einem Fonds gewöhnlich Ausdruck für sein Risikoprofil, bei dem gilt: Je mehr Staatsanleihen, desto sicherer. Das ist jetzt offenbar nicht mehr der Fall. Pimco hält Staatsanleihen für so riskant, dass die Fondsgesellschaft laut Daten, die der Blog «Zero Hedge» veröffentlicht hat, lieber auf Cash und Cash-ähnliche Anlagen wie sehr kurzfristige Anleihen setzt.

Dass sich die US-Staatsfinanzen in einem schlechten Zustand befinden, ist allerdings nicht neu und ist auch nicht der unmittelbare Grund für das Abstossen der Staatspapiere bei Pimco. Der Auslöser ist vielmehr, dass die Manager des Fonds davon überzeugt sind, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) das im Sommer auslaufende zweite Quantitative-Easing-Programm (QE2) definitiv auslaufen lässt. Mit diesem Programm kauft die Notenbank Staatsanleihen für weitere 600 Milliarden Dollar auf, womit sie deren Preise stützt. Der eigentliche Zweck der Käufe besteht aber darin, die langfristigen Zinssätze tief zu halten, die an den Renditen der Staatsanleihen gemessen werden. Die Rendite einer Staatsanleihe sinkt, wenn deren Preis steigt. Tiefe Zinsen erhöhen Vermögenswerte (wie Aktien- oder Immobilienkurse) und sollten so auch den Konsum und die Investitionen ankurbeln.

Die Warnrufe des Bill Gross

Pimco befürchtet nun, dass nach dem Auslaufen von QE2 im Sommer die Preise der Staatsanleihen einbrechen werden, weshalb die Gesellschaft diese schon jetzt abgestossen hat. In seinem «Investment Outlook» des laufenden Monats hat Pimco-Gründer und -Chef Bill Gross darauf hingewiesen, dass seit dem Start des QE2-Programms 30 Prozent aller Staatsschulden durch Ausländer gekauft wurden und die ganzen restlichen 70 Prozent durch das Fed. Seine Frage: «Wer übernimmt die Rolle der Zentralbank?» Gross vergleicht die Lage mit einem Schneeballsystem wie jenem der Betrüger Bernie Madoff oder des historischen Charles Ponzi, das nur so lange funktioniert, wie ein weiterer Käufer für neues Geld sorgt. Momentan ist dieser letzte Käufer die US-Zentralbank und für Gross ist nicht ersichtlich, wer ihre Rolle übernehmen soll. Bill Gross hält das derzeitige Zinsniveau von 1,5 Prozent für zu tief.

Trifft die Einschätzung der Pimco-Manager zu, hat das dramatische Konsequenzen. Denn dann wäre im Sommer mit einem starken Anstieg des Zinsniveaus in den USA zu rechnen, was die Wirtschaft in den USA einbrechen lassen würde – mit negativen Auswirkungen auf die ganze Weltwirtschaft. Steigende Zinsen erhöhen die Kosten der Unternehmen, die bereits wegen der steigenden Rohstoffpreise in die Höhe klettern. Die Folge könnte das Schreckgespenst einer Stagflation sein – Inflation und Stagnation zur gleichen Zeit.

Die künstlich angetriebene Aktienrally

Aber auch die Aktienmärkte wären davon stark betroffen. Tatsächlich hat die Aktienrally in den USA genau dann begonnen, als Fed-Chef Ben Bernanke zum ersten Mal das QE2 Programm angekündigt hatte, und es wird vor allem von diesem angetrieben. Sollte Pimco richtig liegen – könnte sich dieser Effekt nach dem Auslaufen der Fed-Geldspritzen ins Gegenteil verkehren und die Aktien könnten massiv an Wert verlieren. Die heute bekannt gewordene Umschichtung der Pimco-Anlagen hat vor allem deshalb eine besondere Bedeutung, weil die Fondsmanager damit nicht bloss eine Meinung vertreten, sondern auch sehr viel Geld darauf setzen, dass sie recht haben. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.03.2011, 14:10 Uhr

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74 Kommentare

Marc Iten

10.03.2011, 14:34 Uhr
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Gold und Silber werden gedrückt damit das Großkapital nicht in Edelmetalle flüchtet !
Game Over sobald auch nur 1-2 % in Edelmetalle flüchten der Markt ist viel zu klein !
Antworten


Jens Gloor

10.03.2011, 15:17 Uhr
Melden

Dass die USA pleite sind, pfeiffen mittlerweile nicht nur die Spatzen von den Dächern. Hillary will jetzt auch noch mehr Geld vom Kongress um die Propaganda-Maschine am Leben zu erhalten; Ist Lybien das Waterloo Washingtons...? Antworten



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