Wirtschaft

Droht der Schweiz der Staatsbankrott?

Von Jan A. Poser. Aktualisiert am 18.03.2009 23 Kommentare

Investoren haben sich im Zuge der seit zwei Jahren tobenden Finanzkrise in Staatsobligationen geflüchtet. Nun nehmen aber die Ängste vor einem Staatsbankrott zu.

Jan A. Poser ist Chefökonom der Bank Sarasin.

Jan A. Poser ist Chefökonom der Bank Sarasin.

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Seit Beginn des Jahres haben die Credit Default Swaps auf Staatsanleihen, die «Versicherungsprämien gegen einen Staatsbankrott», Höchststände erreicht. Investoren müssen inzwischen 30'000 Euro bezahlen, um eine irische Staatsanleihe von einer Million Euro Nennwert zu versichern. Investoren in Schweizer Bonds zahlen inzwischen schon 18'000. Glauben die Finanzmarktteilnehmer, dass sich die Schweiz auf dem Weg zum Bankrott befindet?

Betrachtet man die Datenlage, steht der Schweizer Staat auf soliden Beinen. Die Nettostaatsschuld betrug im Jahr 2008 etwa 220 Milliarden Franken. Das ist ein Anteil von 41,5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im internationalen Vergleich befindet sich die Schweiz bei diesem Kriterium am unteren Rand. Die langfristigen Frankenzinsen liegen bei ungefähr zwei Prozent. Die Belastung durch den Schuldendienst ist der Schuldenstand multipliziert mit dem Zins. Das sind jährlich 4,4 Milliarden Franken oder 2,7 Prozent des Staatshaushaltes, was im internationalen Vergleich sehr gering ist. Selbst die Konjunkturpakete werden das Haushaltsdefizit auf höchstens 1,5 Prozent des BIP erhöhen. Der Schuldenanstieg hält sich also in Grenzen.

Trügerisch

Der Blick auf die Staatsschulden allein könnte jedoch trügen, weil es implizite Forderungen an den Staat geben könnte, denen er sich im Fall ihres Eintretens nicht entziehen könnte. Eine solche implizite Forderung ist die Notwendigkeit, systemrelevante Finanzinstitute vor dem Kollaps zu retten. Länder wie die Schweiz, die gegenüber Problemen im Bankensektor besonders exponiert sind, sind dadurch unter Druck geraten. Die konsolidierte Bankbilanzsumme der Schweiz beläuft sich auf 700 Prozent am BIP. Das ist auch im internationalen Vergleich sehr hoch und schürt Ängste vor einem bankgetriebenen Staatsbankrott.

Der Vergleich von BIP und Bankbilanzsumme ist irreführend. Der Staat muss nicht die gesamte Passivseite der Banken garantieren. Den Bankschulden stehen Werte auf der Aktivseite gegenüber. Der Staat müsste im Fall einer Bankenkrise nur die Mittel bereitstellen, die es bräuchte, um das Bankensystem zu rekapitalisieren. In der Finanzkrise hat die UBS bisher 50 Milliarden Franken abgeschrieben – und man kann glücklicherweise davon ausgehen, dass der Löwenanteil der Abschreiber hinter uns liegt. Stellen wir uns trotzdem den «worst case» vor, die UBS erlebe noch ein «Annus horribilis» und müsse weitere 50 Milliarden abschreiben und die Credit Suisse würde es ihr gleichtun. Da 50 Milliarden genau zehn Prozent des BIP sind, würde die Staatsschuld nur auf das Niveau von 60 Prozent ansteigen.

Kaum involviert

Könnte ein Bankrott in Osteuropa die Schweizer Banken zu Fall bringen? In Polen, Ungarn und Kroatien sind Frankenkredite von ungefähr 75 Milliarden Franken vergeben worden. Doch diese wurden nicht über Interbankenkredite von Schweizer Banken finanziert, sondern über den Kapitalmarkt. Damit ist das Risiko sehr breit gestreut und Schweizer Banken sind kaum involviert. Ein Ausfall der Frankenkredite würde zuerst die osteuropäischen Banken und ihre westeuropäischen Mutterhäuser treffen, die vor allem in Österreich, Italien und Schweden beheimatet sind. Das bei der SNB gemeldete Exposure der Schweizer Banken in Osteuropa beträgt nicht mehr als vier Milliarden Franken. Ein Verlust in dieser Grössenordnung wäre verkraftbar. Die Bonitätsnote AAA des Schweizer Staates ist daher voll und ganz gerechtfertigt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 18.03.2009, 08:39 Uhr

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23 Kommentare

Thomi Horath

17.03.2009, 11:49 Uhr
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Wenn ich "AAA" höre, läutet bei mir irgendwie ein Glöcklein. Es gab schon andere, die mal "AAA" waren. Mit Betonung auf "waren". Antworten


Karl Brunner

17.03.2009, 11:25 Uhr
Melden

Mir wird ganz schwindelig von diesen Zahlen. Ich habe das Gefühl, die ganze Finanzwelt hat sich in einem Weltumspannenden, von Finanzhaien verbissenen und Finanzministern verknoteten Netz, heillos verheddert. Das ganze "Spiel" anhalten, alle Kredite zurückbezahlen, jeder hat jetzt soviel, wie er nun einfach hat. Und jetzt ganz vorsichtig und kontrolliert die Kreditmaschinerie wieder in Gang setzen Antworten



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