Wirtschaft
England erlebt sein Olympia-Jobwunder
Von Simon Schmid. Aktualisiert am 19.07.2012 13 Kommentare
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England steckt in der Krise. Seit Dezember 2011 schrumpft die Wirtschaft, der Rückfall in die Rezession dauert mit Wachstumsraten von zuletzt –0,3 Prozent weiter an. Auch die Arbeitslosigkeit bleibt hartnäckig hoch; über 440'000 Menschen suchen seit über zwei Jahren einen Job. 22 Prozent aller Jugendlichen zwischen 16 und 24 finden keine Beschäftigung: Ihr Leben in Cool Britannia ist gegenwärtig alles andere als cool.
Da kommt Olympia gerade recht. Durch die Spiele sollen in London und Umgebung bis zu 61'000 Jobs entstanden sein, berichtet das britische Statistikamt. Laut den Statistikern ging die Gesamtzahl Arbeit suchender Briten zuletzt um 65'000 Personen zurück, das entspricht einem Quotenrückgang von 0,2 Prozent. Wirtschaftsforscher pflichten der Interpretation bei: Olympia sei ein Booster für den Arbeitsmarkt, meint etwa Howard Archer vom Forschungsbüro IHS Global in London gegenüber dem «Guardian».
Rekordarbeitslosigkeit unter Frauen
Vor allem das Baugewerbe, die Hotellerie sowie der Einzelhandel sollen von den Olympischen Spielen profitieren. Touristen sollen für einen Geldsegen während der Spiele sorgen. Doch nicht nur Barbesitzer und Souvenirverkäufer, sondern auch Dienstleister wie Sicherheitsfirmen sollen einen Batzen aus Olympia davontragen. Ökonomen von Goldman Sachs gehen davon aus, dass Englands BIP im Zuge der Spiele einen zusätzlichen Wachstumsschub von 0,3 bis 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal erfährt. Die Bank of England schätzt den Boost des BIP etwas tiefer auf 0,2 Prozent ein. Allfällige Verdrängungseffekte sind hier bereits mit einberechnet – etwa wenn Touristen, die weniger sportbegeistert sind, ihren Urlaub anstelle von London in einer anderen Stadt verbringen.
Trotz Olympia bleibt die Arbeitslosigkeit mit 8,3 Prozent in Grossbritannien hoch. Insgesamt sind 2,58 Millionen Menschen auf Jobsuche. Der «Guardian» berichtet von einer wütenden Debatte zwischen Tory-Arbeitsminister Chris Grayling und seinem Gegenspieler bei Labour, Liam Byrne. Dieser beschuldigt die Regierung, zu wenig für Frauen zu unternehmen. Gemäss dem britischen Statistikamt hat die Anzahl Arbeit suchender Frauen im Mai die Zahl von 531'000 erreicht, was dem höchsten Stand seit 1995 entspricht.
Kontroverse um die Olympia-Effekte
Die Bank of England hofft darauf, dass Olympia das Ende der britischen Double-Dip-Rezession einläuten könnte. Labour-Politiker monieren derweil, dass die Arbeitslosigkeit nach Olympia wieder ansteigen könnte. Auch unter Ökonomen wird ein eigentlicher Gegeneffekt befürchtet: Wie etwa Goldman Sachs in einem Forschungspapier schreibt, könnte sich der Wachstumseffekt des dritten Quartals im vierten Quartal in sein Gegenteil verkehren. Von der Sommerparty würde dann nichts weiter als ein Kater zurückbleiben: Schmerzmittel Olympia hin oder her. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.07.2012, 12:13 Uhr
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13 Kommentare
Und wie viele von diese 61'000 neue Jobs werden nach die Olympiade übrig bleiben ? Der Souvernirverkäufer oder die jusätzlich Angestellte in Restaurant oder Hotellerie werden mit grösster Wahrscheinlichkeit ihren Job schnell verlieren. Antworten
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