Wirtschaft

Euro kommt im zweiten Halbjahr erneut unter Druck

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 22.07.2010 23 Kommentare

Seit einigen Wochen legt der Euro wieder zu. Die Krise der Gemeinschaftswährung ist damit aber nicht ausgestanden. Das hat auch für die Schweiz gravierende Folgen.

Hat ein Zwischenhoch, gerät dann aber wieder unter Druck: Euro

AFP

Stichworte

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Fast könnte man meinen, die Krise der Europäischen Gemeinschaftswährung sei ausgestanden – zumindest mit Blick auf das Verhältnis des Euro zum US-Dollar. In den rund drei Wochen seit dem 7. Juli ist der Kurs von 1.19 auf 1.29 Euro pro Dollar und damit um 8,5 Prozent gestiegen. Für Euphorie besteht kein Grund. Vieles spricht dafür, dass die so gemessene Eurostärke tatsächlich eine Dollarschwäche darstellt. Das zeigt sich auch am Kursverhältnis des Euro gegenüber anderen Währungen: Gegenüber dem Yen hat die Gemeinschaftswährung in derselben Zeitperiode bloss um 1.2 Prozent zugelegt, gegenüber dem Schweizer Franken um rund 1.4 Prozent.

Der Dollar hat vor allem unter den in den letzten Wochen aufgekommenen Ängsten zu den weiteren Wachstumsaussichten in den USA gelitten. Verschiedene Konjunkturindikatoren haben zu diesen Zweifeln Anlass gegeben. «Die Wachstumsabschwächung in den USA war zu erwarten», sagt Ursina Kubli, die Währungsanalystin der Bank Sarasin, und verweist auf auslaufende Lagereffekte: Der Aufschwung der letzten Monate in den USA erhielt besonderen Schub, weil die Unternehmen ihre nach der Krise ausverkauften Lager wieder auffüllen mussten. Das liess die Produktion stärker wachsen als die Endnachfrage. Das ist nun vorbei.

Wachstumsabschwächung im Euroraum

Laut Analysten spricht jetzt vieles dafür, dass der Euro in nächster Zukunft wieder an Wert verlieren wird. Ursina Kubli, wie auch andere Ökonomen, erwarten spätestens im zweiten Halbjahr auch eine Wachstumsabschwächung im Euroraum. «Spätestens dann kommt der Euro wieder unter Druck», sagt die Währungsspezialistin, denn der Grund für das Zwischenhoch des Euro gegenüber dem Dollar entfalle damit. Ende Jahr werde der Euro nur noch 1.20 Dollar kosten, prognostiziert Kubli. Damit steht sie keineswegs auf einsamer Flur. Eine Konsensprognose des Instituts Consensus Economics, die auf 102 Einschätzungen beruht, geht vom gleichen Jahresendkurs aus, wie das «Wall Street Journal» berichtet.

Eine sich erneut akzentuierende Euroschwäche wäre auch für die Schweiz ein Problem. In den letzten Wochen ist die Schweizerische Nationalbank SNB (SNBN 1089 2.06%) etwas aus der Schusslinie geraten. Als die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Franken unablässig an Wert verloren und kurzzeitig sogar weniger als 1.30 Franken gekostet hatte, stieg der Druck auf die SNB, ihre Zurückhaltung aufzugeben, die Geldpresse in Betrieb zu setzen und mit den neu geschaffenen Franken weitere Euro aufzukaufen. Dieser Druck könnte wieder steigen.

Trübe Aussichten für die Schweizer Exportindustrie

Ursina Kubli von Sarasin geht davon aus, dass der Euro Ende Jahr erneut bloss noch 1.30 Franken kosten wird. Für die Schweizer Exportindustrie sind das trübe Aussichten. Bisher hat sie sich zwar trotz der verteuerten Heimwährung gut geschlagen, wie die jüngsten Aussenhandelszahlen zeigen. Das lag vor allem am Aufschwung auf den ausländischen Absatzmärkten, der für den Absatz eine grössere Bedeutung hatte als das Währungsverhältnis. Wenn nun dieser Aufschwung nachlässt, beginnt ein noch teurerer Franken weh zu tun. Schon der aktuelle Eurokurs von 1.34 Franken ist weit von den 1.50 pro Euro entfernt, den die Exportbranche selbst schon als Normalfall genannt hat. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.07.2010, 22:10 Uhr

23

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

23 Kommentare

Can Boz

22.07.2010, 22:18 Uhr
Melden

Immer diese Angstmacherei, was soll das ?? Ist doch gut, wenn der Euro fällt, so können wir normal Sterbliche auch mal einiges vom Ausland leisten. Zudem wenn der Euro höher wäre, würd unsere Wirtschaft profitieren ? Naja Boni und andere Leistungsauszahlung erhalten nie normal Sterbliche. Also kein gejammer für uns ist das gut, je Tiefer der Euro umso besser für uns ! Das ist Marktwirtschaft ... Antworten


Nadine Binsberger

22.07.2010, 23:12 Uhr
Melden

Wenn der Euro auch die schweizer Währung wäre, würde unsere Wirtschaft die Eurobewegungen nicht merken. Denn das ganze Umfeld hätte dieselbe Währung wie wir. Probleme aufgrund von Kursschwankungen hätten wir keine mehr, weder im Binnen- noch im Europa-Markt. Die CH müsste der EU nicht einmal beitreten, um den Euro zu übernehmen. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.