Franken fällt nach Sieg von Macron auf Fünfmonatstief

Der Ausgang der ersten Wahlrunde in Frankreich lässt den Euro steigen – die Börsen reagieren mit Kursgewinnen.

Die Erleichterung an Europas Börsen nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich ist riesig: In der Schweiz kletterte das Barometer der Grosskonzerne (SMI) im Vormittagshandel um 1,5 Prozent.

Die Erleichterung an Europas Börsen nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich ist riesig: In der Schweiz kletterte das Barometer der Grosskonzerne (SMI) im Vormittagshandel um 1,5 Prozent. Bild: Thomas Delley/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Schweizer Franken hat nach dem Erfolg des europafreundlichen Ex-Wirtschaftsministers Emmanuel Macron bei der französischen Präsidentschaftswahl kräftig nachgegeben. Nach Macrons Abschneiden zog der Euro in der Nacht auf Montag kräftig auf 1,0836 Franken an. Montagvormittag notierte die Gemeinschaftswährung dann leicht tiefer bei 1,0790 Franken. Damit kostete die Gemeinschaftswährung vorübergehend so viel wie seit Anfang Dezember nicht mehr.

Der Euro stieg am Montag im asiatischen Handel auf bis zu 1,0937 Dollar und notierte bei Handelsschluss in Tokio bei 1,0865 Dollar. Am Freitagabend hatte der Euro 1,0726 Dollar gekostet.

Der Franken gilt bei Anlegern als sicherer Hafen und ist daher besonders in unruhigen Zeiten gefragt. Bei einem möglichen Wahlsieg der Euro-kritischen Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National befürchten Investoren ein weiteres Auseinanderdriften der Eurozone, was auf der Gemeinschaftswährung lastet.

Währungshüter vorbereitet

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) stemmt sich gegen einen Höhenflug des Franken, weil das Schweizer Waren im Ausland verteuert und weniger konkurrenzfähig macht. Nach den Worten von SNB-Präsident Thomas Jordan sind die Währungshüter darauf vorbereitet, einem Aufwertungsdruck des Franken nach der Präsidentenwahl in Frankreich etwas entgegenzusetzen.

Die Notenbank sei bereit, dazu die vorhandenen Instrumente zu nutzen, sagte Jordan der Nachrichtenagentur Bloomberg. Um den Franken zu schwächen, interveniert die SNB am Devisenmarkt und hat die Zinsen auf minus 0,75 Prozent gesenkt. Bereits vor der Wahl hat sie Milliarden für Fremdwährungskäufe ausgegeben.

Börsen reagieren mit Kursgewinnen

Die Erleichterung an Europas Börsen nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich ist riesig: In der Schweiz kletterte das Barometer der Grosskonzerne (SMI) im Vormittagshandel um 1,5 Prozent. Am grössten war die Freude der Anleger aber an der Börse in Paris. Dort schoss der Börsenindex CAC 40 um 4,5 Prozent in die Höhe. Auch die italienische Börse sowie die Marktplätze in Wien, Skandinavien oder London reagierten freudig. Der Deutsche Aktienindex (Dax) erklomm gar einen neuen Rekord bei 12'398 Punkten. An der Börse in Tokio schlossen die Aktienkurse 1,37 Prozent im Plus. Der Index Nikkei der 225 wertvollsten börsennotierten Unternehmen schloss bei 18'875,88 Yen.

Händler sprachen von einer Erleichterungsrally. «Die Märkte waren vor der Wahl ja wie paralysiert. Da hat sich einiges aufgestaut», sagte ein Händler. Nun werde erwartet, dass Macron auch die Stichwahl im Mai gewinnen werde, schrieb die Credit Suisse in ihrem Tageskommentar. «Und das gibt den Aktienmärkten Auftrieb», sagte ein Börsianer.

Die Bilder zur Präsidentschaftswahl:

Albtraum verhindert

Der Stimmenvorsprung des Euro-Unterstützers Macron sei das «perfekte Szenario» für die Märkte, sagte ein Händler. Das gute Abschneiden habe auch das Albtraum-Szenario einer möglichen Stichwahl zwischen den beiden Eurogegnern Le Pen und Jean-Luc Mélenchon verhindert.

Aber auch wenn sich die Meinungsforschungsinstitute weitgehend einig seien, sollte ein Wahlsieg von Emmanuel Macron nicht als in Stein gemeisselt betrachtet werden, warnte ein anderer Kommentator. Denn je mehr es Le Pen gelinge, ihre eigenen Wähler zu mobilisieren, desto besser stünden ihre Siegchancen.

Zudem sei noch nicht klar, für wen sich die Wähler des viertplatzierten Linkspopulisten Mélenchon entscheiden würden, gab die Liechtensteiner VP Bank zu bedenken: «Es ist nicht auszuschliessen, dass diese Stimmen an Le Pen gehen.» Bei diesem Szenario könnte der Front National ebenfalls das Rennen machen. Ein Wahlsieg von Le Pen wäre wohl der Anfang vom Ende der EU und damit der Währungsunion.

Hoffnungen auf Wirtschaftsreformen

Ein Wahlsieg von Macron wecke indes Hoffnungen auf umfangreiche Wirtschaftsreformen, schrieb die VP Bank. Dies würde das Wachstum antreiben, auch wenn Macrons Ziele zur Senkung der hohen Arbeitslosigkeit in Frankreich sehr ambitioniert seien, hiess es bei der Bank Unicredit.

Der Ausgang der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen sei ein sehr positives Ergebnis für Europa und die Stabilität von Realwirtschaft und Finanzmärkten«, sagte ein Analyst von der Bremer Landesbank. »Die politischen Unsicherheiten, die zur Schwäche des Euro und zum Kapitalabzug aus Europa geführt haben, sind zwar noch nicht vollständig bereinigt, aber immerhin zu 90 Prozent.

Gerade die Anleger aus Übersee, die derzeit Europa meiden würden, könnten nach einem klaren «Non» zur ungewissen und nationalistischen Politik von Le Pen wieder zurück an die europäischen Börsen finden, urteilte die VP Bank.

Video – Macron und Le Pen gehen in die Stichwahl.

Der Mitte-links-Politiker und die Rechtspopulistin erkämpften sich die meisten Stimmen im ersten Wahlgang. (Video: Tamedia/AFP)

Bankaktien als Nutzniesser

Besonders die Aktien von Banken profitierten von der Erleichterung an den Börsen. Die Titel von UBS und Credit Suisse schossen um rund 5 Prozent in die Höhe, während Julius Bär und Vontobel mit einem Plus von etwa 2 Prozent weniger gefragt waren. Die Deutsche Bank gewann 6,4 Prozent, Commerzbank 8,5 Prozent. Sie waren mit Abstand die gefragtesten Werte im Dax.

Das französische Institut Société Générale kletterte um fast 10 Prozent, Credit Agricole um gut 9 Prozent., BNP Paribas über 8 Prozent. Das Brokerhaus Kepler Cheuvreux stufte französische Banken auf «Übergewichten» nach oben. (sda/afp)

Erstellt: 24.04.2017, 11:26 Uhr

Artikel zum Thema

Ein halber Aufstand gegen die Elite

Kommentar Bei der Stichwahl in Frankreich dürfte es zu einem Schulterschluss kommen, um Marine Le Pen als Präsidentin zu verhindern. Mehr...

Macron und Le Pen ziehen in die Stichwahl

Der Politjungstar Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen haben die erste Runde der Präsidentschaftswahl gewonnen. Ein Überblick. Mehr...

Le Pen tritt als Parteichefin zurück

Die Vorsitzende der rechtsextremen Partei Front National geht nun strategisch vor – um neue Wähler zu mobilisieren. Alle News zur Frankreichwahl im Ticker. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Beinfreiheit einmal anders: Im sächsischen Niederwiesa machen riesige Frauenbeine auf die Ausstellung «High Heels - die hohe Kunst der Schuhe» aufmerksam, die im nahen Schloss Lichtenwalde zu sehen ist. (23. Mai 2017)
(Bild: Sebastian Willnow/DPA) Mehr...