Wirtschaft
Griechenlands Situation völlig falsch bewertet?
Heiner Flassbeck ist Chefökonom der Unctad und Honorarprofessor der Uni Hamburg.
Dossiers
Artikel zum Thema
- Griechenland-Krise: Neuer Rekord für Risikoprämien – Schweizer Börse gibt nach
- «Griechenland soll Inseln verkaufen»
- Griechenland-Hilfe deutlich höher als befürchtet
- «Griechenland muss das Rentenalter anheben»
- 7:1 für Barcelona, 10:0 für Berlin
- Zeit zum Entgiften für die Banken
- «Lagarde hat die Griechen beleidigt»
Stichworte
Die Investitionstätigkeit etwa werde völlig ignoriert, sagte Heiner Flassbeck am Freitag im Sender Deutschlandradio Kultur. «Unheimlich viele positive Aspekte werden jetzt vollkommen verdrängt. Griechenland war das Land, will ich mal sagen, das am meisten in Maschinen und Ausrüstung investiert hat in den letzten zehn Jahren, mit Abstand am meisten in der gesamten Euro-Zone», so der renommierte Ökonom weiter.
So etwas Positives wie die Investitionen werde überhaupt nie erwähnt. «Es werden alle negativen Sachen zusammengetragen, die dann auch noch zum Teil völlig unsinnig bewertet zu einem Urteil zusammengefasst werden nach dem Motto ‹Griechenland ist Pleite und das weiss doch jeder›», so Flassbeck weiter.
Einseitige Sichtweise
Dabei griff der Chefökonom der Unctad die Ratingagenturen scharf an: «Die Ratings von Ländern gehören nicht in die Hände irgendwelcher privater Agenturen, die unter dubiosen Umständen ihre Urteile fällen.» Flassbeck plädiert dafür, unabhängige Stellen mit der Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Landes zu betrauen. Momentan bezahle derjenige, der ein Papier vergebe, auch die Ratingagentur. «Das ist ein ganz klarer Interessenkonflikt, der da entsteht, und das darf nicht länger passieren.» Denkbar sei es, die privaten Ratingagenturen ganz abzuschaffen. Dann hätten die Banken die Pflicht, «selbst hinzugucken und sich zu überlegen, was in dem Produkt drinsteckt».
Es stehe ausser Frage, dass in Griechenland Fehler gemacht worden seien, sagte Flassbeck weiter. Allerdings werde völlig übersehen, dass das Land in den vergangenen zehn Jahren von allen Euro-Ländern mit Abstand am meisten in Maschinen und Ausrüstung investiert habe. Diese Entwicklung werde noch verstärkt durch den «Herdentrieb der Märkte» und durch Ratingagenturen, die der Stimmung hinterherliefen, so Flassbeck.
Bankrott? Völlig übertreiben
Von einem Bankrott Griechenlands könne man nicht reden, erklärte der Fachmann weiter. Dem Land sollte ein Übergangskredit gewährt werden, da es derzeit auf den «unvernünftigen Märkten kein vernünftiges Kapital» bekomme. Flassbeck schlug eine gemeinsame Anleihe der Euro-Länder vor. «Das ist das einzig Vernünftige, das hätte man vor einem Jahr schon machen können.» (raa/ddp)
Erstellt: 30.04.2010, 10:58 Uhr
Wirtschaft
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 22:09Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 12:15Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 10:16UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
- 07:17«Deutschland sollte niemanden züchtigen»
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


