Wirtschaft
In der Krise ist Bargeld wieder Trumpf
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 07.10.2010 12 Kommentare
Totgesagte leben länger. 2007 hatte Peter Ayliffe, Europa-Chef von Visa, für das Jahr 2012 die bargeldlose Gesellschaft ausgerufen. Doch weit gefehlt: Bargeld erfreut sich weiterhin grosser Beliebtheit. Der Betrag der Euros, die im Umlauf sind, stieg zwischen 2002 und 2008 um 19 Prozent. 2009 erhöhte sich der Wert nochmals um 6 Prozent. Luke Olbrich, Europachef Debitkarten beim US-Kreditkartenriesen Mastercard, warnte vor Finanzfachleuten in Paris deshalb unlängst: «Das Risiko, im Kampf gegen das Bargeld zurückzufallen, ist real. Wir gehen in die falsche Richtung.»
In der Schweiz hat die Bargeldmenge in den letzten Jahren noch stärker zugenommen als in der Eurozone. Der Notenumlauf stieg laut Nationalbank von 35,1 Milliarden im Jahr 2002 auf 45,3 Milliarden Franken 2009. Das entspricht einer Steigerung von 29 Prozent.
Tausendernoten sind gefragt
Für diese Zunahme gibt es laut Nationalbank-Sprecher Werner Abegg verschiedene Gründe. Einerseits sei der Bargeldbedarf in Zeiten tiefer Zinsen traditionell höher, weil dann viele das Geld zu Hause horten würden. «Als Folge der Finanzkrise wurden im Herbst 2008 zudem vor allem Tausendernoten stark nachgefragt, und die sind seither nur zu einem kleinen Teil an die Nationalbank zurückgeflossen.»
Lange habe es geheissen, der Umlauf an Bargeld ginge zugunsten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zurück. «Das war in der Schweiz nie der Fall», so Abegg. «Es gab zwar immer einen gewissen Ersatz Richtung bargeldloses Zahlen. Aber der Notenumlauf wuchs stetig, wenn auch nicht im Gleichschritt mit dem Bruttoinlandprodukt.»
«Trend hin zur Kartenzahlung»
Der Anteil des Plastikgeldes an den rund 100 Milliarden Franken Umsatz im Schweizer Detailhandel dürfte bei rund 60 Prozent liegen. Das sagt Pierre-André Steim, Präsident des Verbandes Elektronischer Zahlungsverkehr. 30 Milliarden entfielen auf Zahlkarten wie Maestro, 22 Milliarden auf Kreditkarten, 8 auf Tankkarten und Kundenkarten mit Zahlungsfunktion, etwa Myone von Manor. Bei den Grossverteilern werde leicht weniger Plastikgeld eingesetzt. Coop hat gerade die Schwelle von 50 Prozent geknackt, die Migros erreicht 45 Prozent.
Christian Stolz, der Schweiz-Chef von Mastercard Europe, spricht von einem «ungebrochenen Trend hin zur Kartenzahlung». Das gelte sowohl für Debitkarten wie Maestro als auch für Kreditkarten, wobei sich hier das Wachstum des Onlinehandels positiv niederschlägt.
Cash-Karte war ein Flop
In einem anderen Bereich mussten die Banken und die Kartenfirmen schmerzlich realisieren, dass Plastikgeld nicht immer besser als Bargeld ist. Weil das Verhältnis zwischen den tiefen Nutzungszahlen und den entstehenden Kosten schlecht war, wurde die 1996 mit viel Aufwand eingeführte Cash-Funktion auf Maestro-Karten im September eingestampft. Credit Suisse, UBS, Kantonalbanken, Raiffeisen und RBA-Banken hatten Anfang 2010 entschieden, bei Maestro-Karten keine Aufladefunktion mehr anzubieten. Der Millionenflop zeigt exemplarisch auf, dass auch der bargeldlose Zahlungsverkehr seine Grenzen hat.
Einen noch schwereren Stand hat das Plastikgeld in der EU. 2008 erfolgten lediglich 22 Prozent der Transaktionen bargeldlos, in Deutschland waren es immerhin 40 Prozent. Im Sog der Finanzkrise hat Bares sogar an Popularität gewonnen: Ende 2008 verzeichneten die Banken ungewöhnlich hohe Barbezüge an Automaten und Schaltern, die Kreditkarten wurden sparsamer eingesetzt und durch Zahlkarten oder Bares ersetzt. Bis 2014 soll der Anteil des Plastikgelds laut Prognose des European Payments Council auf 37 Prozent ansteigen.
In der Schweiz versucht die US-Firma Mastercard derzeit, ihre Einnahmen durch neue Gebühren auf der Zahlkarte Maestro zu erhöhen. Der Handel hat bei der Wettbewerbskommission dagegen Klage eingereicht. Es läuft eine Vorabklärung. FDP-Nationalrat Otto Ineichen wurde mit einer Interpellation beim Bundesrat vorstellig. Für den Plastikgeldexperten Pierre-André Steim ist klar: «Wenn Mastercard durch zusätzliche Gebühren das bargeldlose Einkaufen verteuert, fördert das eine Rückkehr zum Bargeld, die keiner will.» Auch die Cash-Karte sei letztlich an den zu hohen Gebühren gescheitert.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.10.2010, 23:09 Uhr
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12 Kommentare
Das hat bei mir nichts mit Krise zu tun, sondern allein damit, dass die Kreditkartenfirmen immer schlechtere Wechselkurse verwenden und zusätzlich Spesen auf Fremdwährungen verlangen und viele Firmen zusätzlich einen Unkostenbeitrag verlangen, wenn ich mit der Kreditkarte bezahlen will resp. einige die Kreditkarte wegen zu hoher Kosten schon gar nicht mehr akzeptieren. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


