Wirtschaft

Italien stellt sich vor seine Firmen

Aktualisiert am 20.08.2012 17 Kommentare

Die Regierung Monti befürchtet, dass es wegen der anhaltenden Krise zu einem regelrechten Ausverkauf italienischer Firmen kommen könnte. Sie will darum strategisch wichtige Unternehmen besser schützen.

«Outlet Italia» – die Krise macht viele Firmen zu potenziellen Übernahmekandidaten: Frauen kaufen im Ausverkauf in Mailand ein. (Archivbild)

«Outlet Italia» – die Krise macht viele Firmen zu potenziellen Übernahmekandidaten: Frauen kaufen im Ausverkauf in Mailand ein. (Archivbild)

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Chronologie der Eurokrise

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Europas Wirtschaft weht noch immer ein rauher Wind entgegen. Ausser Deutschland sind bereits alle grossen EU-Länder in den Sog der Schuldenkrise geraten.

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Italien steckt in der Rezession, die Schuldenkrise trifft die drittgrösste Euro-Volkswirtschaft hart. Das geht auch an den Unternehmen nicht spurlos vorbei. Teure Kredite, dünne Kapitaldecke, niedrige Aktienkurse – das macht viele Firmen zu potenziellen Übernahmekandidaten.

Zuletzt hat China sich Stücke des Kuchens gesichert. Doch die Regierung in Rom will nicht tatenlos zusehen, schon gar nicht, wenn es um die «Schmuckstücke» des Landes geht.

In italienischen Medien ist in diesen Tagen immer wieder von einer möglichen Übernahmewelle wegen der Krise die Rede. «Outlet Italia» lautete beispielsweise jüngst die Überschrift im Mailänder «Corriere della Sera». Und weiter hiess es: «Italien im Schlussverkauf, Italien als Beute».

Dahinter steckt die Angst, finanzstarke Investoren könnten die tiefe Krise des Landes ausnutzen und sich die Rosinen der italienischen Wirtschaft herauspicken.

Besondere Rechte für die Regierung

Soweit ist es zwar noch nicht. Aber die Regierung von Mario Monti bereitet sich vor: So hat der Ministerpräsident seinem Kabinett bereits einen Vorschlag zum Schutz strategisch bedeutsamer Unternehmen vorgelegt.

Damit sind wohl vor allem Schwergewichte wie der Rüstungskonzern Finmeccanica mit seinen hoch spezialisierten Tochtergesellschaften gemeint. Aber auch der strategisch nicht minder wichtige Schiffbauer Fincantieri, der nicht nur für Luxusliner steht, sondern auch in der Rüstungsbranche aktiv ist.

Im Kern geht es bei dem Plan darum, der Regierung besondere Rechte im Fall von Beteiligungen oder Übernahmen einzuräumen, um im Zweifel das letzte Wort zu haben und möglicherweise Bedingungen festzulegen.

Idee wäre «eine Revolution»

Das Besondere daran: Es geht bei den Überlegungen wohl nicht allein um Unternehmen mit Staatsbeteiligung, sondern auch um private. So soll das Kabinett künftig die Möglichkeit haben, bei einem drohenden «schweren Schaden» für die Interessen der Verteidigung oder der nationalen Sicherheit zu intervenieren.

Gesetzeskraft hat diese Idee noch nicht, aber der Vorschlag liegt offiziell auf dem Tisch. Sie wäre eine «Revolution», wie auch der «Corriere» festhält. (rbi/sda)

Erstellt: 20.08.2012, 18:02 Uhr

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17 Kommentare

Michi Mischler

20.08.2012, 18:24 Uhr
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Auch die Schweiz wird immer mehr von den Asiaten übernommen. Eigentlich bin ich ja ein liberaler Mensch und habe auch nichts gegen die PFZ. Aber diese Kultur ist uns völlig entgegengesetzt. Vielleicht sollte man die WTO Verträge überdenken. Ich möchte nicht mehr dass auf allem was ich kaufe Made in China/Japan steht oder zumindest drin ist. Vor allem auch nach Fukushima.. Antworten


Peter Spahr

20.08.2012, 18:40 Uhr
Melden 13 Empfehlung 0

Italien ist ein ehemaliger Kolonialstaat (und Rechtsnachfolger des untergegangenen römischen Imperiums - da haben wir germanischen Völker noch eine uralte, koloniale Rechnung offen), insofern hätte ich keine Probleme damit, wenn sie ihre eigene "Medizin" schlucken müssten. Die Ägypter und Griechen haben sich jedenfalls schon sauber zerlegt. Imperien + Kolonien erzeugen "karmische" Schuld. Antworten



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