Wirtschaft
Kann die SNB das Vorbild der EZB sein?
Von Simon Schmid. Aktualisiert am 20.08.2012 43 Kommentare
Dementi der EZB
Die Europäische Zentralbank hat Spekulationen über das Vorgehen beim Kauf von Staatsanleihen als «irreführend» bezeichnet. «Es ist absolut irreführend, über Entscheidungen zu berichten, die noch nicht beschlossen wurden», erklärte ein EZB-Sprecher am Montag in Frankfurt am Main.
Der «Spiegel» hatte berichtet, die EZB wolle Zinsschwellen festlegen, ab denen sie Anleihen von EU-Krisenstaaten aufkauft: Würden deren Renditen einen bestimmten Aufschlag auf die Renditen deutscher Bundesanleihen überschreiten, würde die Notenbank künftig Schuldpapiere aufkaufen. (AFP, 14:15 Uhr)
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Kampfansage der Bundesbank
In ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht schiesst die Bundesbank scharf gegen die EZB. Die Bundesbank halte an ihrer Auffassung fest, dass insbesondere Staatsanleihekäufe des Euro-Systems «kritisch zu bewerten und nicht zuletzt mit erheblichen stabilitätspolitischen Risiken verbunden».
Die Bundesbank weist den Staaten die Aufgabe zu, einander mit Geldern auszuhelfen: «Entscheidungen über eine möglicherweise noch deutlich umfassendere Vergemeinschaftung von Solvenzrisiken sollten bei der Finanzpolitik beziehungsweise den Regierungen und Parlamenten angesiedelt sein und nicht über die Notenbankbilanzen erfolgen.»
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Es wäre eine Kampfansage an alle Zinsspekulanten: Offenbar plant die Europäische Zentralbank, künftig eine Obergrenze für das Zinsniveau der Krisenländer festzusetzen. Dies meldet der «Spiegel» heute ohne Angabe von Quellen. Demnach würde die EZB immer dann am Anleihenmarkt einschreiten, wenn die Zinsdifferenz (der sogenannte Spread) zwischen italienischen oder spanischen Anleihen und solchen aus Deutschland einen bestimmten Wert überschreitet. Verbunden mit dieser Politik wäre die Ankündigung, notfalls Mittel in unlimitierter Menge einzusetzen.
Ein formeller Antrag als Bedingung
Es wäre eine radikale Umkehr in der Interventionspolitik von Europas Notenbank. Bisher hatte die Zentralbank stets zurückhaltend agiert. Seit 2010 hat die EZB zwar gegen 200 Milliarden Euro für Anleihenkäufe aufgewendet. Das entsprechende Programm wurde diesen Frühling allerdings gestoppt. Die Kurse italienischer und spanischer Anleihen bewegen sich seither auf einer Achterbahnfahrt. Eine Beruhigung setzte erst nach EZB-Präsident Draghis Ankündigung vom 24. Juli ein, dass die Zentralbank notfalls alles Nötige unternehmen werde, um den Euro zu retten.
Möglich aus Sicht der EZB wäre etwa, den Renditenspread auf zweijährigen Papieren bei 3 Prozentpunkten zu deckeln. Aktuell notieren spanische Anleihen bei 3,3 Prozent, italienische Papiere werden zu Renditen von 2,9 Prozent gehandelt. Deutsche Papiere rentieren minim unter null. Als kritische Schwelle fürs Finanzsystem gilt ein Wert von 450 Basispunkten (4,5 Prozentpunkte). Wie EZB-Präsident Mario Draghi an der letzten Pressekonferenz vom 3. August klarmachte, gedenkt die Notenbank, eher am kurzen Ende der Zinsen aktiv zu werden. Voraussetzung für ein Einschreiten wäre, dass Spanien oder Italien einen formellen Antrag an den Europäischen Rettungsschirm richten würden.
Es ist wie beim Poker
Die Parallelen zur Interventionspolitik der SNB wären offensichtlich. Auch die Schweizerische Nationalbank sah der Entwicklung des Frankenkurses letzten Sommer besorgt zu, bis sie sich am 6. September zur Festlegung der Untergrenze zum Euro durchrang. Ab sofort werde man keine Handelsabschlüsse unter 1.20 mehr dulden: Die morgendliche Ankündigung des Bankpräsidenten Philipp Hildebrand hinterliess an den Märkten bleibenden Eindruck. Sie sorgte dafür, dass sich der Euro innert Minuten auf den gewünschten Kurs aufwertete. Erst im Sommer 2012 sah sich die SNB gezwungen, ihren Worten mit Euro-Stützungskäufen Nachdruck zu verleihen.
«Das Kursziel der SNB war einfach zu verstehen und deshalb sehr wirkungsvoll», sagt David Kohl, Ökonom der Julius Bär in Frankfurt. Auch die EZB würde von einer unmissverständlichen Ankündigung profitieren, meint er. Denn auch für die EZB gelten die unverrückbaren Regeln des Interventionsspiels auf den Finanzmärkten: Gibt eine Notenbank den Einsatz unlimitierter Mittel bekannt, so werden Spekulanten davon abgeschreckt, den Willen der Notenbank zu testen. Vorausgesetzt, die realwirtschaftliche Lage normalisiert sich irgendwann, so halten sich die Mittel, aber auch die Verluste der Notenbank in Grenzen.
Auch Notenbanken müssen Geheimnisse haben
Denselben Effekt hatte sich auch die Bundesbank in den Siebzigerjahren zunutze gemacht. Die deutschen Währungshüter, die im Verlauf der Krise immer wieder Kritik an Anleihenkäufen durch die EZB äusserten, hatten während des Jahres 1975 vier Monate lang einen Anstieg der Renditen von Bundesanleihen verhindert. Zur Taktik der Bundesbank gehörte damals die Ankündigung, unlimitierte Mittel zu verwenden. Auf die Nennung einer Renditegrenze verzichtete die Bundesbank allerdings. Mit seiner aktuellen Position steht Bundesbank-Präsident Jens Weidmann indes zunehmend isoliert da. Sogar sein deutscher Kollege im EZB-Direktorium, Jörg Asmussen, sprach sich zuletzt für Anleihenkäufe der Krisenländer aus.
Allerdings könnte sich die EZB das Spiel selbst verderben. Wie der «Spiegel» in seinem Bericht schreibt, möchte die Zentralbank die Höhe ihrer Anleihenkäufe künftig täglich publizieren. Damit wolle man für mehr Transparenz sorgen, wie es heisst. Bis anhin wurden diese Zahlen jeweils wöchentlich bekannt gegeben. «Es ist fraglich, ob man sich damit einen Gefallen tut», sagt Ökonom David Kohl zu diesem Ansinnen. Denn umso mehr die Öffentlichkeit über jeden Euro Bescheid weiss, den die EZB ausgibt, umso wahrscheinlicher wird das Aufflackern von Diskussionen.
Was wiederum das Anliegen der Notenbank, möglichst grosse Entschlossenheit zu demonstrieren, schwächt. In diesem Bereich vorgesorgt hat die Schweizer Nationalbank: Zahlen zu den Devisenbeständen werden von ihr nur monatlich veröffentlicht, Angaben zu den tatsächlichen Käufen gibt es gar nicht. Niemand ausserhalb der SNB-Mauern weiss, wie viele Franken zur Kursstützung wirklich ausgegeben werden – dieses Schweizer Notenbankgeheimnis könnte sich auch die EZB zunutze machen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.08.2012, 12:58 Uhr
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43 Kommentare
Es besteht ein wesentlicher Unterschied, den man nicht übersehen sollte. Die SNB kauft Devisen und niemand kann ernsthaft behaupten die Käufe der SNB würde die EZB oder US Fed dazu animieren zusätzlich Geld zu drucken. Die EZB hingegen kauft Anleihen zu Vorzugsbedingungen (für die Schuldner) was naturgemäss die Schuldenstaaten dazu animiert noch mehr Schulden zu machen und weniger zu sparen. Antworten
Das alles wird die gerundlegenden Probleme nicht lösen.
Es verschiebt nur den Offenbarungseid der EU um einige Monate, bestenfalls Jahre.
Das deutsche Vermögen dürfte bis dahin aber ausgegeben worden sein, nur eben nicht von den Deutschen selbst, .....
Ob es dann für Staaten wie Deutschland ein Trost in der Armut sein wird, den Unvernünftigen so viele Geschenke gamacht zu haben....????
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