Krise in Griechenland verschärft sich spürbar

Aktualisiert am 12.08.2010 15 Kommentare

Die Wirtschaftskrise im hoch verschuldeten Griechenland ist im zweiten Quartal deutlich grösser geworden. Zwei Ursachen sind dafür verantwortlich.

Wirtschaftliche Tristesse: Leeres Ladenlokal in Athen.

Wirtschaftliche Tristesse: Leeres Ladenlokal in Athen.
Bild: Keystone

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) Griechenlands schrumpfte von April bis Juni um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistikamt am Donnerstag in Athen mitteilte. Zum Rückgang der Wirtschaftsleistung trugen die tieferen Investitionen und der deutliche Abbau der öffentlichen Ausgaben bei, wie es hiess. Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 1,0 Prozent gerechnet, nachdem die Wirtschaftsleistung in den beiden Vorquartalen um jeweils 0,8 Prozent zurückgegangen war.

Die Arbeitslosigkeit steigt gleichzeitig in Rekordgeschwindigkeit. 602'185 Griechen waren im Mai offiziell arbeitslos – 43 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit wurde der höchste Stand seit Beginn der monatlichen Erhebung 2004 erreicht.

Mehrwertsteuer mehrfach angehoben

Die Arbeitslosenquote sprang von 8,5 auf 12 Prozent. Die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchten, dass sich die Quote wegen der schwersten Rezession seit vier Jahrzehnten in Richtung von 15 Prozent bewegen wird.

Belastet wird die griechische Wirtschaft durch ein drakonisches Sparprogramm der Regierung. Sie hat wegen der enormen Schuldenlast die Gehälter im öffentlichen Dienst gekürzt und die Mehrwertsteuer mehrfach angehoben. Im Gegenzug schnürten EU und IWF ein Hilfspaket über 110 Milliarden Euro, um Griechenland vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.

Um rund 3,5 Prozent schrumpfen

Nach Ansicht von Ökonomen findet Griechenland auch in der zweiten Jahreshälfte nicht aus der Rezession. Der private Konsum dürfte künftig noch stärker unter dem Sparpaket leiden, sagte eine Citigroup-Analystin. Sie geht davon aus, dass das griechische BIP 2010 um rund 3,5 Prozent schrumpfen wird. (sam/sda)

Erstellt: 12.08.2010, 14:04 Uhr

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15 Kommentare

Toni Gysin

12.08.2010, 14:25 Uhr
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Der Spagat zwischen dem staatlichen Kraftakt und der wirtschaftlichen Entwicklung scheint eben doch nicht so einfach zu sein, wie erst vor Kurzem noch gejubelt wurde. Die Griechen wären besser beraten gewesen, sich mit den Gläubigerbanken zu einigen und sich auf diese Art zu entschulden. Das wollten aber weder Deutschlands noch Frankreichs Politiker, weil hauptsächlich ihre Banken betroffen waren. Antworten


Martin Holzherr

12.08.2010, 14:27 Uhr
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Eine gewisse Rückführung der Staatsaktivität auf ein "nachhaltiges" Niveau gemessen an den Staatsaufgaben ist für Griechenland sicher nötig. Auch ein langsamer Abschied von der überbordenden Staatswirtschaft ist angezeigt. Doch Griechenland kann nicht die ganze Schuld zurückzahlen, es braucht einen Haircut, wie das schon Josef Ackermann erkannt hat. Antworten



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