Wirtschaft

«Notenbanken sind eine katastrophale Erfindung»

Interview: Markus Diem Meier, Video: Stephanie Hess. Aktualisiert am 21.01.2010 18 Kommentare

«Dr. Doom» Marc Faber nimmt in einem ausführlichen Videointerview Stellung zur Weltwirtschaft, den Währungen, den Börsen und geostrategischen Risiken. Hart ins Gericht geht er mit der US-Regierung.

Am Rande des diesjährigen Internationalen Alpensymposiums in Interlaken konnte baz.ch/Newsnet mit Marc Faber ein ausführliches Gespräch führen. Dabei wird er seinem Ruf als «Dr. Doom» gerecht. Pessimistisch ist er vor allem für die mittelfristige Zukunft der Weltwirtschaft. Für das laufende Jahr hält er immerhin ein weiteres Wachstum für möglich, wenn dieses auch unregelmässig sein werde und noch immer getrieben durch die staatlichen Stützungsmassnahmen.

Das Verhalten der Regierungen bereitet ihm am meisten Sorgen. Vor allem vor den Konsequenzen der gigantischen Verschuldung westlicher Länder warnt er. Selbst die Schweiz nimmt er hier nicht aus. In fünf bis zehn Jahren hält er einen Staatsbankrott etwa in den USA für wahrscheinlich.

Vernichtende Kritik an der US-Regierung

Die Politiker dieses Landes kommen bei ihm ohnehin sehr schlecht weg: Den Verantwortlichen der Geld- und Finanzpolitik wirft er vor, mit billigem Geld eine Inflation zu schüren, um die Aktienmärkte zu stützen – mit verheerenden Konsequenzen für die wirtschaftliche Entwicklung dieses Landes und der Weltwirtschaft. Konsequenterweise sagt er deshalb sowohl den Börsen wie auch dem Goldpreis eine weiterhin glänzende Zukunft voraus. Im angelaufenen Jahr würden sich allerdings die Kurse nicht mehr derart nach oben entwickeln, wie 2009 und selbst der Goldpreis könnte vorerst weiter nach unten korrigieren.

Wenn er über das System der Geldschöpfung spricht, wird er geradezu philosophisch. Und er kommt zu einem vernichtenden Urteil: Notenbanken hält er für eine katastrophale Erfindung: So etwas wichtiges wie Geld dürfe man nicht allein ihnen überlassen. Ihre Macht sei zu gross und sie werde missbraucht.

Asien löst die alte Welt ab

Optimistisch ist Dr. Doom für Asien – der Schweizer hat seinen Wohnsitz in Hong Kong. Von den Schwellenländern gehe künftig die Dynamik aus. Auch langfristig würden sie an wirtschaftlicher und möglicherweise sogar militärischer Macht auf Kosten des Westens gewinnen. Hier hat er besonders China im Auge. Zwischen diesem Land und der USA könnten sich laut Faber auch die strategischen Differenzen weiter verschärfen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.01.2010, 12:34 Uhr

18

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

18 Kommentare

Pius Müller

21.01.2010, 09:09 Uhr
Melden

Erstaunlich an Faber ist es, dass abgesehen ob die Börse rauf oder runter geht, er immer Geld verdient, wenn man alles einmal schon gesagt hat, dann wird etwas auch irgendwann eintreffen. So funktioniert Faber, aber bitte, wenn die Leser seine "Geschichten" lesen wollen, dann sollen sie auch, ich sehe keinen grossen Unterschied zwischen "Dr." Tessier und "Dr." Faber. Schönen Tag noch. Antworten


Heinz Köhli

21.01.2010, 09:51 Uhr
Melden

In einer nicht exakten Wissenschaft kann man erzählen was man will. Schaut man sich an, was Dr. Doom vor 25 Jahren so alles gesagt hat ("Aktien haben bald keinen Wert mehr" und ähnliches............) - Seinem bunten Auftritt verdankt er die Presse, ebenso seinem Bemühen, den Marktkonsens oft so weit wie möglich zu umgehen. Nebst Gehör bekommt man logischerweise auch ab und zu mal recht. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!