Ratingagenturen warnen die Niederlande vor Herabstufung

Fitch und S&P drohen den Niederlanden mit dem Entzug der Spitzenbonität. Sorgenkind Spanien verschafft sich derweil etwas Luft auf dem Anleihenmarkt und Athen kämpft mit widerspenstigen Anlegern.

Muss das Haushaltsdefizit in den Griff bekommen: Der niederländische Ministerpräsidenten Mark Rutte. Bild: Keystone

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Die Niederländer würden am Rande eines negativen Rating-Vorgangs stehen, sagte Fitch-Analyst Chris Pryce dem «Daily Telegraph». «Sie gehen Risiken ein, wenn sie die Schulden weiter anschwellen lassen», mahnte er und verwies darauf, dass der Fitch- Ratingausschuss im Juni zusammenkommen werde. Der kräftige Leistungsbilanzüberschuss und die Glaubwürdigkeit der Vorgängerregierungen erlaubten Fitch im Umgang mit den Niederlanden allerdings «eine etwas stärkere Grosszügigkeit».

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte bereits im Januar die Niederlande vor einer Herabstufung gewarnt, sollten die öffentlichen Finanzen zu stark aus dem Ruder laufen. Die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Mark Rutte verhandelt seit Wochen über zusätzliche Sparmassnahmen, um das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr wieder unter die EU-Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) zu drücken.

Experten hatten zuletzt gewarnt, dass ohne Kurswechsel der niederländische Gesamtschuldenstand gemessen am BIP 2013 auf 73 Prozent steigen dürfte von 65 Prozent im vorigen Jahr.

Spanien platziert erfolgreich Anleihen

Spanien hat bei einer von den Finanzmärkten aufmerksam verfolgten Auktion Anleihen mit zwei- und zehnjähriger Laufzeit im Wert von 2,54 Milliarden Euro am Markt platziert – allerdings zu höheren Zinsen. Die mehr als zweifach überzeichnete Auktion galt als wichtiger Test für das Vertrauen in die Fähigkeit der spanischen Regierung, die hohe Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen.

Für eine Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit verlangten Anleger am Donnerstag 5,7 Prozent Zinsen. Bei einer ähnlichen Auktion Anfang April lagen die Zinsen noch bei 5,3 Prozent. Mit der Aufnahme von 2,54 Milliarden Euro übertraf das spanische Finanzministerium am Donnerstag die eigenen Erwartungen. Das Ministerium hatte auf einen Erlös zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden Euro gehofft.

Zeitweise über 6 Prozent

Spanien wurde in den vergangenen Wochen zum Zentrum der europäischen Schuldenkrise. Anleger waren zunehmend besorgt, ob die neue konservative Regierung ihr Spar- und Reformprogramm durchsetzten kann, während das Land mit einer Rezession und einer sehr hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat.

Anfang der Woche kletterte schon die Rendite für spanische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit auf dem Sekundärmarkt auf über sechs Prozent. Hohe Werte wie dieser zwangen damals Griechenland, Irland und Portugal dazu, internationale Finanzhilfen zu beantragen.

Letzter Widerstand in Griechenland

Kurz vor dem Ende der Umtauschfrist für griechische Staatsanleihen nach internationalem Recht hat die Regierung weiter Probleme mit widerspenstigen Anlegern. Investoren, die Bonds im Volumen von insgesamt 8,5 Milliarden Euro halten, wollten sich nicht an dem Schuldenschnitt beteiligen oder hätten sich nicht gemeldet, sagte ein hoher Beamter des Athener Finanzministeriums der deutschen Nachrichtenagentur DPA am Donnerstag.

Unter ihnen sollen eine grosse niederländische Bank und einige Hedgefonds sein. Die Umtauschfrist für Staatsanleihen nach internationalem Recht war dreimal verlängert worden und endet nun an diesem Freitag. Insgesamt ging es um eine Summe von rund 29 Milliarden Euro, etwa 20 Milliarden sind unter Dach und Fach. Experten rechnen mit einem langjährigen juristischen Tauziehen rund um die 8,5 Milliarden Euro Rest- Staatsanleihen.

Schuldenschnitt-Beteiligung bei 97,5 Prozent

Der griechische Finanzminister Filippos Sahinidis hat wiederholt erklärt, es werde keine besseren Bedingungen für diejenigen geben, die sich nicht am Schuldenschnitt beteiligten. Beim Schuldenschnitt für Staatsanleihen, die griechischem Recht unterliegen, hat das Land grosse Fortschritte gemacht. Die Beteiligung der privaten Gläubiger sei auf etwa 97,5 Prozent gestiegen, hiess es.

Anfang März hatte Griechenland nach langem Hin und Her den Schuldenschnitt für Titel, die unter nationalem Recht aufgelegt wurden, unter Dach und Fach gebracht. Mithilfe von Umschuldungsklauseln wurden Anleihen im Wert von 177 Milliarden Euro umgetauscht. Die betroffenen Gläubiger mussten mehr als 70 Prozent abschreiben. (jak/dapd)

(Erstellt: 19.04.2012, 23:40 Uhr)

Zinsen Staatsanleihen (Stand: 19.4.2012)

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