Wirtschaft
«Solch eine Massenspende ist in Europa nicht vorstellbar»
Von Marc Brupbacher. Aktualisiert am 06.08.2010 36 Kommentare
«Ab einem gewissen Geldbetrag spielt es keine Rolle mehr, wie viel noch dazu kommt»: Professor Georg von Schnurbein.
Zur Person
Professor Georg von Schnurbein ist Direktor des Centre for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel.
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40 US-Milliardäre versprechen, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Ist das eine Revolution im Spendewesen?
Wie das Medienecho zeigt, ist das tatsächlich eine aussergewöhnliche Aktion. Bei allen kritischen Stimmen, die nun ebenfalls aufkommen, muss man das als grosszügige Gesten anerkennen. Das Bekenntnis ist aus einem philanthropischen Verständnis herausgewachsen. Aber selbstverständlich gibt es keinen Altruismus ohne Egoismus. Die Spender erwarten sicherlich auch Dank und Aufmerksamkeit.
Wird dadurch eine neue Ära der Wohltätigkeit eingeläutet?
Das einzigartige an dieser Spendeaktion ist vor allem das öffentliche Versprechen. Aber man muss klar sehen, dass die meisten dieser 40 Milliardäre bereits vorher mit Stiftungen philanthropisch aktiv waren. Vermutlich wäre die Summe von 100 Milliarden Dollar auch ohne diese öffentliche Initiative gespendet worden. Es ist auch nicht mit einem sofortigen Geldsegen zu rechnen. Das kann noch Jahrzehnte dauern. Manche dieser Milliardäre sind erst in den 40ern und haben noch ein langes Leben vor sich.
Sind die Milliarden-Gaben von Superreichen wie Bill Gates und Warren Buffett ein amerikanisches Phänomen?
Eine Massenspende in dieser Grössenordnung ist in Europa oder Asien kaum vorstellbar. In den USA ist es Tradition, dass man als Superreicher der Gesellschaft etwas zurückgibt. In den USA beträgt das private Spendeaufkommen aller sozialen Ausgaben rund 15 Prozent. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es knapp zehn Prozent.
Wie ist dieses Selbstverständnis in den USA entstanden?
Das ist historisch bedingt. Die ersten Tycoons in den USA wie Andrew Carnegie und John D. Rockefeller waren Einwanderer der zweiten Generation und haben die Armut noch am eigenen Leib erlebt. Sie sahen, wie ein junger Staat damit überfordert ist, soziale Sicherheit für alle zu gewährleisten. Sie haben auch gemerkt, dass der soziale Frieden gefährdet ist, wenn sie nichts von ihrem Reichtum abgeben. Es war also auch eine präventive Massnahme.
Und in Europa?
Hier garantiert der Staat die soziale Grundversorgung. Für diese Leistung werden auch hohe Steuern akzeptiert. In Deutschland wird ja jetzt von Politikern gefordert, dass sich deutsche Milliardäre von Warren Buffett & Co. inspirieren lassen sollten. Sie betonen aber im gleichen Atemzug, dass die Vermögen auch in Zukunft hoch besteuert würden. Das geht natürlich nicht.
Noch fehlen reiche Asiaten auf der Spender-Liste von www.thegivingpledge.org. Im Herbst reisen Buffett und Gates nach China, um reiche Chinesen zu treffen. Werden die sich überzeugen lassen?
Da bin ich eher skeptisch. Die philanthropische Kultur aus den USA kann man nicht einfach auf Asien übertragen. Einiges, was Amerikaner und Europäer als philanthropisch ansehen, wird dort nicht als solches erkannt. Kommt hinzu: In China gibt es keine völlig vom Staat unabhängige Stiftungen. Es ist für die Chinesen also egal. Die Kontrolle ihres Geldes bleibt zu einem grossen Teil in staatlichen Händen.
Spenden die Reichen nicht auch aus steuerrechtlichen Gründen. Mit Stiftungen behalten sie die Kontrolle und die Entscheidungshoheit über ihre Vermögen und geben es nicht über Abgaben dem Staat?
Einige dieser Superreichen sind sicherlich der Meinung, dass der Staat nicht fähig sei, das Geld fair zu verteilen. Da ist es klar, dass sie die Kontrolle behalten wollen. Aber man muss klar sehen, neben der Steuergeldverschwendung gibts auch die Verschwendung von Stiftungsgeldern. Wenn man eine Stiftung aber klug leitet, können die Gelder effizienter wirken, wenn sie gut angelegt sind.
Welche Rolle spielt bei der Spenden-Initiative jener Aspekt, wonach mit den Jahren bei den Reichen die Erkenntnis wächst, dass eine Milliarde mehr oder weniger keine Auswirkungen auf das persönliche Glück hat.
Ich konnte diese Erfahrung leider noch nicht machen (lacht). Aber natürlich erreichen gewisse Milliardäre irgendwann den Punkt, an dem sie den Kauf einer Jacht nach der anderen langweilig finden. Ab einem gewissen Geldbetrag spielt es keine Rolle mehr, wie viel noch dazu kommt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.08.2010, 16:01 Uhr
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36 Kommentare
Schweizer sind von der Natur aus Egos ! Sehr viele arme Leute spenden verhältnismässig viel mehr als die reichen Leute - das ist Fakt !!! Es gibt Familien, die haben SFr. 5000.- im Monat mit 2 Kinder zum Leben und geben davon sehr viel her, wenn sich andere Personen in Problemen befinden. Alleine schon das Feuerwerk abschiessen, könnte einen schönen Betrag für hundernde Kinder bringen. Schade ! Antworten
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