Stadt der Arbeitslosen

La Chaux-de-Fonds hat eine der höchsten Arbeitslosenraten in der Schweiz: 10 Prozent stehen auf der Strasse. Rechnet man die Kurzarbeit dazu, sind fast doppelt so viele von der Krise betroffen.

Stark von der Uhrenindustrie abhängig: Die Neuenburger Stadt La-Chaux-de-Fonds.

Stark von der Uhrenindustrie abhängig: Die Neuenburger Stadt La-Chaux-de-Fonds.
Bild: Keystone

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Arbeitslose in Städten

Unter den Städten mit mehr als 20'000 Einwohnern steht La Chaux-de-Fonds bezüglich Arbeitslosenquote an zweiter Stelle. Höher ist die Arbeitslosigkeit mit 13,8 Prozent nur in Lugano. An dritter Stelle findet sich Yverdon-les-Bains mit 9,6 Prozent.

In der Westschweizer Uhren-Metropole ist die Krise allgegenwärtig: Sind die Strassen in vergleichbar grossen Schweizer Städten vormittags wie leergefegt, tummeln sich in La Chaux-de-Fonds auffallend viele Leute im Zentrum. Es sind Arbeitslose, die nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Seit den 30er Jahren hat die Stadt keine solche Krise mehr erlebt – 9,9 Prozent Arbeitslose zählte das kantonale Statistikamt im Januar. Ein Schweizer Rekord (siehe Box): «Wir befinden uns zweifellos in einer schwierigen Lage», sagt Gemeinderat Laurent Kurth, der für die wirtschaftlichen Belange in La Chaux-de-Fonds zuständig ist.

Noch vor einem Jahr war die Arbeitslosigkeit knapp halb so hoch. Doch die Uhrenindustrie, die vor der Krise einen vor vier Arbeitsplätzen stellte, liess die Quote in die Höhe schnellen. Die Ausfuhren der stark exportabhängigen Industrie brachen um mehr als 25 Prozent ein. Wird das Geld knapper, sind teure Uhren nicht mehr gefragt. Hunderte Jobs sind dadurch verloren gegangen. Viele davon waren erst kürzlich entstanden, in der Boomzeit von 2006 bis 2008. Damals nahm die Beschäftigung um 15 Prozent zu.

Kurzarbeit ist ein Segen für die Region

Um möglichst wenig Stellen abbauen zu müssen, haben die Uhrenbauer im letzten Jahr Kurzarbeit eingeführt. Ohne diese Massnahme stünden noch viel mehr Leute auf der Strasse, schätzt Gemeinderat Kurth. «Arbeitslose, noch beschäftigte Entlassene und Angestellte auf Kurzarbeit machen zusammen 15 bis 18 Prozent aus.» Damit ist in La Chaux-de-Fonds fast jeder Fünfte von der Krise betroffen. Kurth betont, dass die Wirtschaft der Gegend auf Kurzarbeit angewiesen sei. Denn wenn die Konjunktur wieder anziehe, benötigten die Firmen erfahrene Arbeitskräfte. «Die Unternehmen brauchen diese Leute, wenn es wieder aufwärts geht.»

Auch beim Bund weiss man um die Probleme in der Krisenregion und bietet Sonderkonditionen: Der Bundesrat hat Ende letzten Jahres die maximale Anzahl Taggelder im Kanton Neuenburg (dieser hat mit 7,3 Prozent Arbeitslosen neben Genf die meisten Arbeitslosen in der Schweiz) vorübergehend von 400 auf 520 Tage erhöht. Angst vor einer jahrelangen Krise auf dem Arbeitsmarkt wie in den 70er Jahren hat man in La Chaux-de-Fonds jedoch nicht. Stürzte die Uhrenindustrie damals wegen ihres technischen Rückstands ab, sind die Firmen heute besser gerüstet. «Wir durchleben eine Exportkrise. Technologisch ist die Wirtschaft jedoch auf dem neusten Stand.» Ziehe die Konjunktur wieder an, werden die Arbeitslosenzahlen zurückgehen, ist Kurth überzeugt. «2010 wird allerdings ein schwieriges Jahr werden.»

Grenzgänger und Unesco

Während die Zukunftsaussichten allmählich wieder aufhellen, möchte man in La-Chaux-de-Fonds der nächsten Krise vorbeugen und die Abhängigkeit von der Exportwirtschaft verringern. Profitieren soll die Stadt laut Kurth insbesondere von den offenen Grenzen zu Frankreich, von den vielen Grenzgängern. «Wir wollen uns für die Region zu einem Dienstleistungszentrum entwickeln.» Und auch aus der Aufnahme in das Welterbe der Unesco zusammen mit Le Locle will La-Chaux-de-Fonds Nutzen ziehen, vor allem für den Tourismus. Einen positiven Effekt gibt es bereits: «Das Interesse für Immobilien in La-Chaux-de-Fonds ist seit der Aufnahme gewachsen», sagt Kurth. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.02.2010, 14:52 Uhr

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