Wirtschaft

Wall-Street-Banker lancieren Offensive

Aktualisiert am 28.07.2011 26 Kommentare

Der Schuldenstreit macht die US-Banker zusehends nervöser. In einem Schreiben an Barack Obama und den Kongress formulieren sie ihre konkreten Forderungen.

1/9 Es war ein hitziger Sommer – US-Präsident Barack Obama (rechts) und der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, während der Debatte um die Erhöhung der Schuldenobergrenze im Juli 2011. Die Debatte war ein wahres Polittheater mit unterschiedlichen Akteuren.

   

Sichtlich nervös: Händler an der Wall Street. (Bild: Keystone )

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Die mächtigen Wall-Street-Banker stehen dem Schuldenstreit in Washington genauso hilflos gegenüber wie jeder andere US-Bürger. Jetzt wagt die Finanzelite einen neuen Vorstoss und beschreibt, was bei einem Staatsbankrott passieren würde.

Die US-Finanzelite fordert die Politik in Washington zu einer raschen Einigung im Schuldenstreit auf. Die Topbanker des Landes haben dazu am Donnerstag einen Brief an Präsident Barack Obama und die Mitglieder des Kongresses geschickt, in denen sie in drastischen Worten vor den Konsequenzen warnen, sollten die USA keine neuen Schulden mehr aufnehmen dürfen und damit zahlungsunfähig werden.

Angst um Familien

«Die Folgen der Tatenlosigkeit wären gravierend - für unsere Wirtschaft, für unseren ohnehin schwächelnden Arbeitsmarkt, für die finanziellen Verhältnisse unserer Firmen und Familien und für Amerikas wirtschaftliche Führungsrolle in der Welt», schrieben die Chefs von Goldman Sachs, JPMorgan Chase, der Citigroup, der Bank of America und zehn weiterer US-Finanzkonzerne in ihrem Brief.

Sollten die USA ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können oder würde die Kreditwürdigkeit herabgestuft, wäre das ein herber Schlag für das Vertrauen der Firmen und Investoren. «Die Zinsen für jeden Kreditnehmer würden steigen, der Wert des Dollar würde untergraben, die Aktien- und Anleihemärkte gerieten in Aufruhr.» Das würde die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage dramatisch verschlimmern, warnten die Banker.

«Wir fordern Sie auf...»

«Angesichts dieser sehr realen Gefahren müssen die politischen Entscheidungsträger unseren finanzpolitischen Kurs korrigieren», mahnte die Gruppe. Nur so würde das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewonnen und am Ende entstünden neue Jobs. «Wir fordern Sie auf, noch in dieser Woche eine Übereinkunft zu erzielen», schlossen die Wall-Street-Grössen ihren Brief an den Präsidenten und den Kongress.

Das Finanzministerium arbeite einen Plan für den Fall aus, dass bis zum 2. August kein Kompromiss zwischen beiden Seiten gefunden werde, sagte Obamas Sprecher Jay Carney am Mittwoch in Washington. Er wollte jedoch keine Angaben dazu machen, ob der Schuldendienst in diesem Fall Vorrang vor den Sozialausgaben haben soll.

Versprechen des US-Finanzministeriums

Das US-Finanzministerium werde in den kommenden Tagen Auskunft über das Vorgehen der Regierung im Falle einer fehlenden Einigung im Schuldenstreit geben. Carney rief erneut zu Kompromissbereitschaft in der Auseinandersetzung auf. Eine Einigung sei «unumgänglich und möglich». «Die Zeit läuft uns davon, wir müssen einander nun näher kommen», sagte er.

Demokraten und Republikaner ringen seit Wochen um eine Anhebung der in den USA gesetzlich festgeschriebenen Schuldenobergrenze von 14,3 Bio. Dollar. Ohne eine Änderung droht dem Land am kommenden Dienstag die Zahlungsunfähigkeit. Dies könnte zu schweren Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten führen und die USA wieder in die Rezession treiben.

Aufforderung der Ratingagentur

Die Ratingagentur Standard & Poor's forderte von der US-Politik einen «glaubwürdigen» Plan zur Überwindung der Krise. Nur so könne das Land eine mögliche Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit auf längere Sicht verhindern, sagte ihr Chef Deven Sharma.

Die US-Notenbank teilte mit, dass sich das Wachstum in den USA während der vergangenen sieben Wochen abgeschwächt habe. Der Dollar legte gegenüber Euro und Yen im Handelsverlauf jedoch leicht zu.

(mrs/sda)

Erstellt: 28.07.2011, 22:17 Uhr

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26 Kommentare

Anita Meier

28.07.2011, 22:34 Uhr
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Dass ausgerechnet die Hauptschuldigen der Finanzkrise und als Folge davon auch der gigantischen Staatsverschuldung, sich Sorgen um die USA machen, ist ein Hohn. Dies Leute sorgen sich einzig und allein um ihre abgezockten persönlichen Vermögen und skrupellosen Einkommen. Antworten


Nadine Binsberger

28.07.2011, 22:52 Uhr
Melden 57 Empfehlung

Alles klar. Wallstreet will, dass der Staat noch mehr Geld locker macht, egal wie. Obama täte aber gut daran, sich ausschliesslich an den Bedürfnissen der Zivilgesellschaft zu orintieren, nicht an denjenigen der Finanzwirtschaft. Obamas grosser Fehler war die Rettung des Finanzmarktes. Das war eine staatliche Intervention zugunsten eines Systems, das offensichtlich keine Existenzberechtigung hat. Antworten



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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.