Wirtschaft

Warum ein schwacher Euro und ein schwaches Pfund attraktiv sind

Wer nur den Staatsbankrott vor Augen hat, übersieht die Vorteile einer schwachen Währung.

Ohne das billige Geld wäre die Lage noch viel schlimmer: Euro, Pfund.

Ohne das billige Geld wäre die Lage noch viel schlimmer: Euro, Pfund.
Bild: Keystone

Die «Financial Times» berichtet über eine bemerkenswerte Tatsache: Britische Investoren stehen besser da als vor Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007. «Der FTSE-All-World-Equity-Index ist heute, so unglaublich es auch tönen mag, auf einer Total-Return-Basis (inklusive Reinvestitionen der Dividenden) und in Pfund Sterling ausgedrückt, auf einem Allzeithoch», schreibt John Authers in seiner Kolumne «The Short View». Allerdings gibt es dabei einen kleinen Haken: Das gilt nur, wenn diese Investoren ihr Geld auf der britischen Insel angelegt haben. Nur dann spielt der Effekt, der von Ökonomen Geld-Illusion genannt wird.

Von Geld-Illusionen spricht man, wenn Menschen also nur auf den nominalen Wert des Geldes schauen. Inflation oder Abwertung gegenüber anderen Währungen werden ignoriert. Das britische Pfund hat gegenüber den anderen Währungen massiv an Wert verloren. Das mag ärgerlich sein, wenn man als Engländer seine Skiferien in St. Moritz verbringen will. Für die Wirtschaft des Vereinigten Königreiches ist es hingegen insgesamt ein Segen. Ohne die massive Abwertung des Pfundes wäre die Lage in Grossbritannien noch sehr viel schlimmer, als sie ohnehin ist.

Attacke von Soros

Ein überbewertetes Pfund ist auch der Grund, weshalb die Briten nicht Mitglied von Euroland geworden sind. Eigentlich wäre das vorgesehen gewesen. Auch England hat sich zu Beginn der Neunzigerjahre in die europäische Währungsschlange, einem Vorläufer des Euro, eingereiht. Doch eine schwere Rezession auf der Insel und eine sture Haltung der deutschen Bundesbank haben im September 1992 zu einem Eklat geführt. Spekulanten unter der Führung von George Soros haben die Bank of England gesprengt, das Pfund wurde abgewertet und Grossbritannien verweigerte Euroland seine Mitgliedschaft.

Selbst die Deutschen, die sich über die schlampigen Griechen ereifern, profitieren derzeit vom Schwächeanfall des Euro. Der Verfall der Einheitswährung wirkt wie Doping für die Exportindustrie. «Der schwächere Euro wirkt als Wachstumsstimulanz», sagt Holger Fahrinkrug, Chefökonom der Bank WestLB. Bisher war der Euro auch darum stark, weil China seinen Renminbi an den Dollar gefesselt und damit seine Exportwirtschaft geschützt hat. Dieser Effekt wird nun teilweise gemildert. Vorläufig besteht deswegen auch noch keine Inflationsgefahr. Die Teuerung ist in Europa unter ein Prozent gefallen und ein Anstieg der Inflationsrate ist nicht zu erkennen.

Katastrophe droht

Fazit: Für eine einzelne Volkswirtschaft kann eine vorübergehende Schwächung der eigenen Währung eine willkommene Stütze aus einer Krise sein. Das Problem ist bloss, dass sich dieses Rezept nicht verallgemeinern lässt. Wenn alle gleichzeitig abwerten wollen, kommt es zur Katastrophe. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2010, 08:25 Uhr

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6 Kommentare

ali kazemi

05.03.2010, 12:56 Uhr
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schwache Währung als Vorteil zu bezeichnen ist unsinn.. erfolgreiche Volkswirtschaften haben in der Regel eine stabile Währung..chinesische Währung hat sich ja in den letzten Jahren wesentlich verbessert. Hingegen führen schwächende Währungen langfristig zu Problemen.sonst wäre ja Zimbabwe Exportweltmeister..Südamerikanische Währungen waren in den 80ern sehr schwach (auch die Wirtschaftsleistung) Antworten


Thomi Horath

05.03.2010, 12:40 Uhr
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Dem Fazit kann ich voll zustimmen ;) Eine mögliche Alternativ-Stütze wären dann vielleicht Gold und Silber. Das kann man nicht einfach drucken, das muss man ausgraben. Antworten


Gion Saram

05.03.2010, 10:09 Uhr
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Spätestens wenn beim nächsten Aufschwung der Erdölpreis wieder in die Höhe schiesst und die eigenen Erdölfelder in der Nordsee am Versiegen sind, werden die Briten aus ihrer Geldillusion rüde aufgeweckt. Bis anhin mögen sie gut schlafen. Antworten


Alain Burky

05.03.2010, 09:36 Uhr
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Ein schwaches Pfund waere fuer die Englaender gut, mehr zu exportieren. Aber was produzieren sie denn noch ? Ein Grossteil der eh. engl. Automobilindustrie ist ja bereits in deutscher Hand ... Antworten


Boris Scavezzon

05.03.2010, 00:17 Uhr
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Der Begriff Geld-Illusion sagt allerdings sehr deutlich um was es sich handelt - nämlich um eine ILLUSION! Ob dies wirklich so vorteilhaft ist darf mehr als bezeifelt werden. Bedenklich an diesem Text ist das kurzfristige Denken. Irgendwer "profitiert" kurzfristig - doch wie sieht es langfristig aus? Leider droht "langfristig" eine Inflation - und auch dort werden einige wenige "profitieren"! Antworten


benni zogg

04.03.2010, 22:54 Uhr
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Naja, das ist eine Binsenweisheit und deshalb schon oft von fast jedem Land praktiziert. Nur ein Land hat seine Währung nach dem zweiten Weltkrieg nie abgewertet, um den Export anzukurbeln, und wer ist das? Genau, Deutschland. Und trotzdem ist D Exportweltmeister bzw. immer ganz oben. Das zeigt, wie stark die deutsche Wirtschaft ist, weil ihre Produkte qualitativ herausragend sind. Antworten



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