Wirtschaft
Warum ein schwacher Euro und ein schwaches Pfund attraktiv sind
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 05.03.2010 6 Kommentare
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Die «Financial Times» berichtet über eine bemerkenswerte Tatsache: Britische Investoren stehen besser da als vor Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007. «Der FTSE-All-World-Equity-Index ist heute, so unglaublich es auch tönen mag, auf einer Total-Return-Basis (inklusive Reinvestitionen der Dividenden) und in Pfund Sterling ausgedrückt, auf einem Allzeithoch», schreibt John Authers in seiner Kolumne «The Short View». Allerdings gibt es dabei einen kleinen Haken: Das gilt nur, wenn diese Investoren ihr Geld auf der britischen Insel angelegt haben. Nur dann spielt der Effekt, der von Ökonomen Geld-Illusion genannt wird.
Von Geld-Illusionen spricht man, wenn Menschen also nur auf den nominalen Wert des Geldes schauen. Inflation oder Abwertung gegenüber anderen Währungen werden ignoriert. Das britische Pfund hat gegenüber den anderen Währungen massiv an Wert verloren. Das mag ärgerlich sein, wenn man als Engländer seine Skiferien in St. Moritz verbringen will. Für die Wirtschaft des Vereinigten Königreiches ist es hingegen insgesamt ein Segen. Ohne die massive Abwertung des Pfundes wäre die Lage in Grossbritannien noch sehr viel schlimmer, als sie ohnehin ist.
Attacke von Soros
Ein überbewertetes Pfund ist auch der Grund, weshalb die Briten nicht Mitglied von Euroland geworden sind. Eigentlich wäre das vorgesehen gewesen. Auch England hat sich zu Beginn der Neunzigerjahre in die europäische Währungsschlange, einem Vorläufer des Euro, eingereiht. Doch eine schwere Rezession auf der Insel und eine sture Haltung der deutschen Bundesbank haben im September 1992 zu einem Eklat geführt. Spekulanten unter der Führung von George Soros haben die Bank of England gesprengt, das Pfund wurde abgewertet und Grossbritannien verweigerte Euroland seine Mitgliedschaft.
Selbst die Deutschen, die sich über die schlampigen Griechen ereifern, profitieren derzeit vom Schwächeanfall des Euro. Der Verfall der Einheitswährung wirkt wie Doping für die Exportindustrie. «Der schwächere Euro wirkt als Wachstumsstimulanz», sagt Holger Fahrinkrug, Chefökonom der Bank WestLB. Bisher war der Euro auch darum stark, weil China seinen Renminbi an den Dollar gefesselt und damit seine Exportwirtschaft geschützt hat. Dieser Effekt wird nun teilweise gemildert. Vorläufig besteht deswegen auch noch keine Inflationsgefahr. Die Teuerung ist in Europa unter ein Prozent gefallen und ein Anstieg der Inflationsrate ist nicht zu erkennen.
Katastrophe droht
Fazit: Für eine einzelne Volkswirtschaft kann eine vorübergehende Schwächung der eigenen Währung eine willkommene Stütze aus einer Krise sein. Das Problem ist bloss, dass sich dieses Rezept nicht verallgemeinern lässt. Wenn alle gleichzeitig abwerten wollen, kommt es zur Katastrophe. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.03.2010, 08:25 Uhr
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6 Kommentare
Ein schwacher EURO analog Schweizerfranken hilft zwar der Exportwirtschaft, verteuert aber die Importe. Jeder kann sich aber langfristig selber ausmalen, was der Volkswirtschaft nuetzlicher ist Ein starker Schweizer Franken geniesst das Vertrauen der Investoren mit langfristigem Horizont und nicht den abgezockten Investoren mit kurzfristigem Gewinnaussichten. Rechne, was ist der Schweiz lieber! Antworten
Naja, das ist eine Binsenweisheit und deshalb schon oft von fast jedem Land praktiziert. Nur ein Land hat seine Währung nach dem zweiten Weltkrieg nie abgewertet, um den Export anzukurbeln, und wer ist das? Genau, Deutschland. Und trotzdem ist D Exportweltmeister bzw. immer ganz oben. Das zeigt, wie stark die deutsche Wirtschaft ist, weil ihre Produkte qualitativ herausragend sind. Antworten
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