Wirtschaft
Warum das britische Pfund abstürzt
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Was haben Griechenland und Grossbritannien gemeinsam? Ein erwartetes Staatsdefizit von zwischen 12 und 13 Prozent. Grund genug, sich vor einem Bankrott des Inselstaats zu fürchten? Nein. Die britische Wirtschaft ist um ein vielfaches stärker und potenter als die griechische.
Dennoch tut sich auf den Finanzmärkten Seltsames. In den letzten 6 Wochen hat das Pfund gegenüber dem Dollar von 1,64 auf teilweise unter 1,49 nachgegeben. Knapp 9 Prozent. Der Verfall hat sich seit Wochenbeginn massiv beschleunigt. «Spekulanten bringen Pfund zu Fall», titelt das Onlineportal von «Financial Times Deutschland». Dass Spekulanten hinter Griechenland her sind, ist seit Wochen bekannt. Dass gierige Devisenhändler die Inselwährung zu Fall bringen, liegt wohl im Bereich der gewagten Mutmassungen.
Megadeal als Devisenfalle?
Trotzdem sprechen einige Gründe für die Schwäche des Pfund. Nebst dem riesigen Staatsdefizit macht sich die Finanzgemeinde offenbar Sorgen über ein Patt nach den Wahlen vom kommenden Frühling. Der noch vor Kurzem als sicher gegoltene Sieg der Konservativen über Browns Labour scheint mehr denn je infrage gestellt. Eine am Wochenende veröffentlichte Umfrage hatte aufgezeigt, dass der Vorsprung auf zwei Prozent zusammengesackt ist. Offenbar wäre den Finanzmärkten ein Fortbestand der Regierung von Gordon Brown unliebsam. Ihm wird nachgesagt, er betreibe eine zu lasche Politik, was den Finanzhaushalt anbelangt. Und die Aussicht auf eine Pattsituation im britischen Parlament lässt eine baldige Kürzung des Haushaltsdefizits ebenfalls unwahrscheinlich erscheinen.
Zusätzlichen Druck auf das Pfund übt der angekündigte Deal zwischen dem britischen Versicherungsriesen Prudential und dem gebeutelten US-Versicherer AIG aus. Die Briten wollen den Amerikanern deren Asiengeschäft abkaufen. Als Kaufpreis genannt werden 35 Milliarden Dollar. An den Märkten wird nun befürchtet, dass die Briten einen Teil davon in Dollar aufbringen müssen und dafür britische Pfund eintauschen. Keine gute Aussicht für die Inselwährung.
Die Notenpresse droht
Nicht mit aktuellen Ereignissen begründet sind die Bedenken, dass nach den Wahlen die neue oder neue alte Regierung zur Bekämpfung des Staatsdefizits das altbewährte Mittel der Drückung des eigenen Kurses mittels expansiver Geldpolitik einsetzt.
Alles in allem macht das Pfund derzeit tatsächlich keine gute Figur. Am Anfang des Übels steht die Finanzindustrie. Wie kaum eine andere Regierung musste London Banken stützen. Von Komplettübernahme bis Teilverstaatlichung war da alles drin. Auch grosse Fische. Nun kriegt die Regierung die Rechnung präsentiert. Einige Ratingagenturen haben Grossbritannien schon damit gedroht, es könnte die Bestnote als Schuldner verlieren.
Runter bis auf 1,40 möglich
Wohin die Reise mit dem Pfund geht, ist offen. Laut Berichten der Finanzpresse hielten Hedge-Funds ein Absinken auf 1,40 Dollar für nicht ausgeschlossen. Da stand der Kurs aber auch schon kurz vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Herbst 2008. (cpm)
Erstellt: 03.03.2010, 09:36 Uhr
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