Wirtschaft

Wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 20.12.2011 92 Kommentare

Die Briten zeigen der EU die kalte Schulter. Die Schutzwälle gegen die grassierenden Finanzprobleme der Eurozone drohen einzustürzen. Und Deutschland wehrt sich gegen die EZB-Bazooka sowie Eurobonds.

1/5 «The Sun»
David Cameron in Churchill-Fotomontage: Mit unübersetzbarem, typisch britischem Boulevard-Titel. (10. Dezember 2011) (Screenshot: www.thesun.co.uk)

   

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Mit einer Dreifach-Mauer solle der Euro gegen die grassierenden Finanzprobleme geschützt werden: mit dem Rettungsschirm EFSF, dem Stabilitätsmechanismus EMS und mit Beiträgen vom Internationalen Währungsfonds (IWF). In zwei dieser Mauern zeichnen sich schon bedrohliche Risse ab. Das Rettungskonstrukt des EU-Politikerduos Angela Merkel und Nicolas Sarkozy droht einzustürzen.

Grossbritannien ist gegen IWF-Kredite

Mit 200 Milliarden Euro sollte der IWF gleichsam als die internationale Finanzfeuerwehr den notleidenden Euroländern unter die Arme greifen, 150 Milliarden Euro sollten dabei von den EU-Mitgliedern via Europäische Zentralbank (EZB) zur Verfügung gestellt werden. Doch das Vereinigte Königreich ist bereits ausgeschert. Der britische Premierminister David Cameron hat beim EU-Gipfeltreffen in Brüssel sein Veto gegen eine Fiskalunion eingelegt und steht seither in der Schandecke. Täglich werden die Beschimpfungen über den Ärmelkanal giftiger, vor allem zwischen Franzosen und Engländern. Jetzt hat auch der britische Finanzminister George Osborne die EU-Kollegen brüskiert. Unmissverständlich hat er bekräftigt: «Sorry, wir machen nicht mit.» Der IWF sei nicht dazu da, Währungen zu retten, sondern Länder, legte er nach. Die Stimmung zwischen Brüssel und London ist offenbar denkbar schlecht.

Auch der Beitrag der Nicht-EU-Länder zu den IWF-Krediten ist alles andere als gesichert. Russland gibt zu verstehen, dass es allenfalls 10 Milliarden Euro beisteuern werde – aber erst, wenn sehr viel konkretere Pläne vorliegen würden. Auch in den USA muss der Kongress erst über einen allfälligen Kredit entscheiden. Das dürfte allerdings angesichts der bestehenden Machtverhältnisse ein hoffnungsloses Unterfangen sein. In der Schweiz reibt sich die SVP bereits die Hände, wenn die Sprache auf einen allfälligen IWF-Kredit an die Euroländer kommt. Hat man sich zu früh gefreut? Denn so wie es derzeit aussieht, kommt der Kredit nicht zustande.

Rettungsschirm ist geschwächt

Die zweite Schutzmauer zur Rettung des Euro bröckelt ebenfalls: Der Rettungsschirm EFSF könnte ein Opfer der Ratingagenturen werden. Verliert Frankreich die höchste Bonitätsstufe Triple A, dann sind auch die 440 Milliarden im EFSF-Topf gefährdet. Davor warnt EZB-Präsident Mario Draghi, denn wenn Frankreich seinen «Goldstandard» verliere, dann sei auch die Bürgschaft von 158 Milliarden Euro nicht mehr gesichert. Heisst dies also, dass die EZB die Lücke füllen muss? Draghi will sich hierbei nicht festlegen. «Es gibt verschiedene Möglichkeiten», sagte er kürzlich im Europaparlament.

Derweil verschlechtern sich die wirtschaftlichen Aussichten für Europa täglich. IWF-Direktorin Christine Lagarde warnt bereits vor einer Depression im Sinne der 30er Jahre. Mario Draghi sagt öffentlich, ein Auseinanderbrechen des Euro sei eine ernsthafte Gefahr geworden. Womit sich zeigt: Der Krisengipfel vom 6. Dezember hat nichts dazu beigetragen, dass das Vertrauen in die Einheitswährung zurückgekehrt wäre. Im Gegenteil: Die Verunsicherung ist nach wie vor sehr gross. Banken verleihen gegenseitig kein Geld mehr, sondern deponieren es bei der EZB.

Panik vor Inflation

Deutschland hingegen will zwar eine Fiskalunion mit harten Sparregeln, aber nach wie vor keine EZB als Kreditgeberin in letzter Instanz und auch keine Eurobonds. Das ist wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Die deutsche Panik vor Inflation verhindert, dass eine Wirtschaftspolitik betrieben werden kann, die auf Wachstum setzt. Dagegen treibt die möglicherweise übertriebene Sparpolitik nicht nur die Defizitländer in den Abgrund, sondern wird auch zu einer tödlichen Gefahr für die Weltwirtschaft. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.12.2011, 17:10 Uhr

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92 Kommentare

yvo montani

20.12.2011, 16:23 Uhr
Melden 78 Empfehlung

"selbstmord" - "panik" - "tödlich" - "Abgrund" - Löpfe halt Antworten


Franziska Werdi-Elmer

20.12.2011, 18:49 Uhr
Melden 52 Empfehlung

die EU regiert sich in den ruin,von all den Ländern in Europa geht es der Schweiz am besten und wir sind kein EU mitglied,zufall?SICHER NICHT,die Träume der EU turbos über die EU haben sich als unwahr + als gefährlich bestätigt,es muss auch gesagt werden das das erste was die EU det Schweiz bei einem beitritt weg nehmen würde unsere Direkte Demokratie wäre weil die EU bekanntlich Volkabstimmungen hasst Antworten



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