Wirtschaft
«Wir glauben an den Erfolg»
Von Simon Schmid. Aktualisiert am 06.09.2012 76 Kommentare
(baz.ch/Newsnet)
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So reagieren die Märkte
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Draghis Auftreten
Ein Deutscher Journalist meint, dass Draghi die EZB mit seinem forschen Auftreten schwäche. Wenn Länder und Märkte nicht mitmachen würden, wäre das ein Problem für die Reputation der Zentralbank.
«Ich bin, was ich bin», antwortet der Zentralbankpräsident. Viel Druck von aussen werde auf die EZB ausgeübt.
Doch die heute angekündigten Massnahmen seien richtig: «Sie müssen mit ihrem Kopf denken», sagt Draghi. Gerade in Deutschland würde eine falsche Karrikatur dessen gezeichnet, wie der EZB-Rat funktioniere. Draghi stellt in Abrede, dass die aktuelle EZB-Politik eine One-Man-Show sei. -
Unterschiede zum SMP
Frühere Massnahmen wie das SMP-Programm hätten nicht funktioniert, meint ein Journalist. Er will wissen, warum Draghi an den Erfolg der heute angekündigten Interventionen glaube.
Es gebe zwei Unterschiede in Bezug auf frühere Programme, sagt Draghi. Erstens müssen die Krisenstaaten jetzt beim EFSF/ESM-Rettungsschirm anklopfen. Zweitens sei jetzt grössere Transparenz vorhanden. Drittens gebe es Regeln bei der Laufzeit der Anleihen. Und viertens gebe die EZB nun ihren Status als bevorzugter Gläubiger auf.
«Aus diesen Gründen glauben wir tatsächlich, dass diese Massnahmen Erfolg haben werden», sagt Draghi. Bei diesem Satz huscht dem EZB-Präsident ein vielsagendes Lächeln übers Gesicht. -
Das wichtigste in Kürze
«Die EZB hat soeben eine schwierige Entscheidung getroffen», sagt Draghi auf die Nachfrage eines Journalisten. Dieser wollte wissen, ob die Zentralbank eventuell auch Bankbonds oder Unternehmensbonds kaufen werde. Draghi gibt Hinweise darauf, dass mit einem solchen Vorgehen nicht zu rechnen sei.
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Im Bild über die EZB
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Geldversorgung garantieren
«Die Interventionen sind wichtig, um die Einheitlichkeit der Geldpolitik im Euroraum zu garantieren», sagt Draghi. Diese Begründung hatte der EZB-Präsident bereits vor einigen Wochen gegeben, als er erstmals davon gesprochen hatte, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten.
«Wir sind in einem schlechten Gleichgewicht angelangt», sagt Draghi. Es gebe in der Eurozone selbserfüllende Prophezeiungen, die hinderlich für das ganze System seien. Obwohl die Ursache der Situation letztlich bei der Politik lägen, müsse die EZB nun bei der Reparatur der Schäden helfen. «Wir brauchen beide Beine», sagt Draghi. -
Eine Gegenstimme
Es habe im EZB-Rat eine Gegenstimme zum Beschluss, sagt Draghi. Er sagt nicht, welches Mitglied im Gremium es war. Anzunehmen ist, dass der Deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann mit dem Anleihenkaufprogramm nicht einvestanden war.
Es finde keine «Liraisierung» des Euro statt, sagt Draghi auf die Nachfrage einer Journalistin. Es sei Unsinn zu behaupten, dass nun Südländer die Kontrolle über die EZB übernommen hätten. Der EZB-Rat sei ausgeglichen besetzt und habe den Beschluss gefasst. -
OMT: Das neue Programm
Draghi stellt nun das Anleihenkaufprogramm vor. Die Käufe würden fortan als «Outright Monetary Transactions» (OMT) bezeichnet, sagt Draghi. Frei übersetzt heisst das, die EZB wird vorbehaltlos Anleihen kaufen, wenn sie es für nötig hält. Das SMP-Programm erklärt Draghi hiermit offiziell für beendet.
Um in den Genuss der Anleihenkäufe zu kommen, müssen die Euro-Krisenländer erst unter den EFSF/ESM-Rettungsschirm gehen, sagt Draghi. Auch Anleihen von Ländern, die von Europa Zugang zu einer besonderen Kreditlinie (Enhanced Conditions Credit Line) erhielten, könnten gekauft werden. Die Beteiligung von EFSF/ESM an Primärauktionen muss aber gewährleistet sein.
Im Rahmen des neuen OMT-Programms werden Staatsanleihen unlimitiert gekauft, sagt Draghi. Die Interventionen werden sterilisiert und gestoppt, sobald Länder die vereinbarten Konditionen nicht einhalten. «Wenn wir sehen, dass Länder sich nicht an die Abmachungen halten, dann gibt es keinen Grund, mit den Käufen fortzufahren», sagt Draghi.
Wie bereits zuvor kommuniziert worden war, werden sich die Anleihenkäufe der EZB auf kurze Laufzeiten konzentrieren. Auch der Kauf von auslaufenden Anleihen mit längerer Laufzeit ist hierbei inbegriffen. Als Gläubiger wird die EZB denselben Status haben wie private Obligationäre.
Die EZB wird sich bei den Anleihenkäufen nicht an fixen Zins- oder Spreadwerten orientieren, sondern nach eigenem Ermessen einschreiten, wenn es nötig ist. Die Öffentlichkeit wird monatlich über das Ausmass der Käufe orientiert, sagt Draghi. -
Strukturreformen
Draghi mahnt die Europäischen Länder noch einmal eindringlich an, bei den Strukturreformen vorwärts zu machen. Ohne Reformen werde die Eurozone nicht überleben können.
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Konjunkturausblick
In den letzten Monaten hat sich das konjunkurelle Umfeld verschlechtert. Dies veranlasst auch EZB zu einer Revision ihrer Konjunktureinschätzung nach unten. «Das Wachstum wird schwächer sein», sagt Mario Draghi. Die EZB erwartet für 2012 ein Wachstum von -0,4 Prozent und für 2013 ein Wachstum von 1,0 Prozent.
Die letzte Schätzung der EZB datiert vom vergangenen Juni. Die Ökonomen um Präsident Mario Draghi bezifferten das voraussichtliche Wachstum der Eurozone fürs Jahr 2012 auf -0,1 Prozent und fürs Jahr 2013 auf 1,0 Prozent.
Bei den Konsumentenpreisen prognostizierte das Ökonomenteam eine Steigerung von 2,4 Prozent in diesem und 1,6 Prozent im nächsten Jahr. Laut Mario Draghi wird die Inflation dieses Jahr bei 2,5 Prozent liegen, im nächsten Jahr soll sie zwischen 1,3 Prozent und 2,5 Prozent liegen.
Draghi bezeichnet das Inflationsrisiko als «ausgewogen». -
Jetzt spricht Draghi
Kurz vor 14:30 tritt der EZB-Präsident vor die Medien. Unter welchen Bedingungen ist die Bank bereit, Anleihen der Krisenländer zu kaufen?
Draghis Äusserungen haben in den letzten Wochen die Hoffnung geweckt, dass die EZB in grösserem Stil im Anleihenmarkt intervenieren und so die Schuldenkrise entschärfen könnte (siehe dazu auch unsere Vorschau auf die heutige Sitzung: «Der grosse Balanceakt»). -
Zinsentscheid der EZB
Die Europäische Zentralbank hält ihren Leitzins auf rekordtiefem Niveau. Wie die Bank um 13:45 Uhr mitteilte, belässt sie den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte auf 0,75 Prozent. Auch die Zinssätze auf Spitzenrefinanzierungsgeschäfte und auf Bankeinlagen bleiben unverändert bei 1,5 resp. 0,0 Prozent.
Im Vorfeld der heutigen Ratssitzung war darüber spekuliert worden, dass die EZB im Kampf gegen die Rezession ihren Leitzins von 0,75 auf 0,5 Prozent senken könnte. -
Spanier rechnen
Spanische Regierungskreise haben heute die mögliche Erleichterung für ihren Staatshaushalt durch Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank beziffert.
Es könnten zwölf Milliarden Euro in den kommenden 16 Monaten sein. Das seien 1,1 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, hiess es am Rande eines deutsch-spanischen Unternehmertreffens im Regierungspalast La Moncloa in Madrid.
Zugrunde gelegt werde der Finanzierungsbedarf des spanischen Staates in diesem Zeitraum und eine Verringerung der Zinsen für spanische Anleihen um 2,0 bis 2,5 Prozentpunkte auf etwa 5,0 Prozent. (dapd)
Erstellt: 06.09.2012, 14:33 Uhr
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76 Kommentare
ein Wachstum von -0,4 % hört sich besser als eine Schrumpfung an. The Masters of the Universe sind am wirken und machen "God's work". Es hat in der ganzen Geschichte der Menschheit noch nie funktioniert und es wird auch dieses mal nicht funktionieren. (wobei, für einige wenige schon, leider gehören wir nicht dazu!). Antworten
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