Wirtschaft

«Wunderwaffen erwarte ich nicht»

Interview: Markus Diem Meier, Jan Derrer. Aktualisiert am 10.01.2011 10 Kommentare

Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer über die Perspektiven in der Eurokrise – und was die hiesige Politik für die Schweizer Exportwirtschaft tun muss.

«Andocken an Euro ist Illusion»: Gerold Bührer, Präsident des Wirtschaftdachverbands «Economiesuisse».
Video: Jan Derrer

Kommentar

Den aktuell bedrängten Unternehmen nützen auch die Vorschläge von Economiesuisse wenig. Mittel- und langfristige Massnahmen sind nicht das, was diese jetzt fordern. Ausserdem konnte die Schweizer Exportschaft gut mit einem mittel- und langfristig teuren Franken leben, wenn die Aufwertung nicht zu schnell und zu radikal erfolgt ist. Genau das ist jetzt der Fall.

Bereits letzte Woche hat sich der Gewerkschaftsbund mit Vorschlägen wie einer Anbindung des Schweizer Frankens an den Euro, einer Verpflichtung der Schweizer Banken, Währungsspekulationen zu unterlassen oder der Forderung nach Negativzinsen für Devisenflüsse in die Schweiz hervorgetan. Auch diese Vorschläge erweisen sich bei einer genaueren Betrachtung als wirkungslos oder mit nachhaltigen schweren Nachteilen für die Schweizer Wirtschaft verbunden (siehe «Die wahren Schuldigen am starken Franken» und «Schnapsidee Euro-Anbindung» unter Artikel zum Thema).

Die jüngsten Vorstösse der Politik verdeutlichen vor allem die eigene Ohnmacht. Der gegenüber dem Euro äusserst teure Franken ist nicht die Folge inländischer Entwicklungen als jene der Krise in Euroland. Angesichts internationaler Devisenmärkte und ungehinderter Kapitalströme kann die Schweiz alleine hier praktisch nichts gegen die Frankenstärke tun. Wenn man den leidenden Unternehmen helfen will, müsste man dies direkt tun und nicht über die Wechselkurse. (mdm)

Artikel zum Thema

Auch im neuen Jahr zeichnet sich ab, dass die Eurokrise noch weit von einer Lösung entfernt ist. Der Franken bleibt gegenüber der Gemeinschaftswährung weiterhin auf Höchstständen, auch heute kostet der Euro weniger als 1.25 Franken.

Die Aussenstärke zeigt sich aber auch gegenüber dem US-Dollar, an den auch viele wichtige Abnehmerländer der Schweizer Exporteure ihre Währungen gebunden haben: Er notiert heute Morgen unter 0.965 Franken. Angesichts dieser Entwicklung rufen die Exporteure jetzt immer lauter nach politischen Massnahmen.

Keine unmittelbaren Massnahmen im Köcher

Bundesrat Schneider-Ammann, zuständig für das Wirtschaftsdepartement, hat die Rufe erhört und lädt nun für den nächsten Freitag die Spitzenverbände der Wirtschaft zu einem Austausch über allfällige Massnahmen ein. Dass der Gipfel aber zu brauchbaren Ergebnissen führen wird, ist nicht zu erwarten. Das wird allein im oben stehenden baz.ch/Newsnet-Gespräch mit Gerold Bührer, Chef des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse klar, das im Rahmen der Pressekonferenz des Verbandes aufgenommen wurde.

Befragt nach konkreten Massnahmen, verweist der Economiesuisse-Präsident auf allenfalls mittelfristig wirkende Massnahmen zur Stärkung der Schweizer Wirtschaft, wie tiefere Abgaben und höhere Innovationen.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2011, 14:38 Uhr

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10 Kommentare

Christian Uebelhard

10.01.2011, 18:15 Uhr
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Für mich lesen sich die Artikel von Markus Diem mehr wie ein Kampagne als wie Fachbeiträge. Speziell das Bashing gegen Negativ- Zinsen. Ich werde jedenfalls den Tagi nicht mehr unterstützen, weder finanziell noch ideell. Da zahle ich lieber die SRG- Gebühren, da wird man z.B. informiert, dass Brasilien eine Art Kapitalzufluss- Steuer eingeführt hat.... Antworten


Joachim Schippers

10.01.2011, 19:01 Uhr
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Hinsichtlich Attaktivität bei einem Unternehmensstandort können einige EU Staaten mit der CH gleichziehen. Geringe Steuern sind ein Element in der Wettbewerbsfähigkeit. Wichtig sind auch ungehinderter Marktzugang, wenig oder keine Zollbürokratie, geringe oder evtl. keine Wechselkurskrisken, freier Waren und Personenverkehr. CH-Unternehmen werden heute auch durch den EU-Zoll gezielt benachteiligt. Antworten



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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.