Wirtschaft
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Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 05.07.2011 57 Kommentare
Das FBF-Konstrukt
Der Hauptvorschlag der französischen Banken zur Beteiligung der Banken an der Schuldenrestrukturierung Griechenlands sieht grob gesagt so aus:
Von den in den nächsten Jahren zur Zahlung fälligen Staatsanleihen Griechenlands können die Banken 30 Prozent behalten, 70 Prozent investieren sie in neue griechische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Die Griechen bezahlen dafür einen jährlichen Zins zwischen 5,5 und 8 Prozent - abhängig von ihrem Wirtschaftswachstum.
Griechenland wiederum muss 30 Prozent des so aufgenommenen Geldes in ein Spezialvehikel investieren, das mit dem Geld Anleihen mit dem Höchstrating von AAA kauft (also keine griechischen Anleihen). Das Vermögen dieses Spezialvehikels dient dem einzigen Zweck, die Banken für den Fall eines griechischen Staatsbankrotts abzusichern.
Für die Banken hat das Konstrukt den Vorteil, dass sie sofort Geld ins Trockene bringen können, dass sie ihre Griechenlandanleihen noch über Jahrzehnte unter dem vollen Wert verbuchen können und dass die Verlustwahrscheinlichkeit auf den griechischen Staatsanleihen deutlich sinkt. Die Verlusterwartung auf den bestehenden Anleihen wird auf rund 50 Prozent geschätzt.
Für Griechenland sieht die Sache anders aus: Die Zinslast bleibt viel zu hoch, als dass das Land nur schon die Schuldenquote vermindern könnte. Der Zinssatz für das tatsächlich zur Verfügung stehende Geld beläuft sich auf 10 bis 11 Prozent, denn das Land muss auch hohe Zinsen für die 30 Prozent der aufgnommenen Mittel bezahlen, die für das Spezialvehikel bestimmt sind.
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Eben noch hat man auf den Finanzmärkten ein weiteres Mal aufgeatmet. Den drohenden Staatsbankrott Griechenlands schien man für einige Jahre abgewendet zu haben. Und jetzt das: Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat mitgeteilt, dass sie den bisher am weitesten gediehenen Plan, wie private Gläubiger freiwillig an einer Restrukturierung Griechenlands beteiligt werden sollen, bereits als Zahlungsausfall Griechenlands betrachten würde. Damit ist ein Staatsbankrott dieses Landes in den nächsten Monaten weiterhin hoch wahrscheinlich. Nur auf den ersten Blick erscheint die Handlung der Ratingagentur als verantwortungslos, ganz besonders nach ihrem dramatischen Versagen in der US-Finanzkrise, als sie hochtoxische Hypothekenderivate mit dem höchsten Rating versehen hat. Doch diesmal hat Standard & Poor’s nur ihre Pflicht erfüllt.
Der Reihe nach: Zur Beruhigung an den Finanzmärkten hat letzte Woche vor allem die Zustimmung einer Mehrheit im griechischen Parlament zu einem neuen einschneidenden Sparpaket geführt. Die Zustimmung zu diesem Sparpaket und den damit verbundenen geplanten Verkäufen von griechischem Staatseigentum war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Griechenland die nächste Tranche aus dem 110-Milliarden-Euro-Hilfspaket der Euroländer und des Internationalen Währungsfonds von 12 Milliarden Euro ausbezahlt werden kann, ohne die das Land in den nächsten Wochen bankrott gewesen wäre.
Die zweite Voraussetzung bleibt unerfüllt
Genau genommen war die Entscheidung des griechischen Parlaments nur eine von zwei Voraussetzungen dafür, dass die Euroländer für Griechenland ein zusätzliches Hilfspaket für die nächsten Jahre im Umfang von weiteren geschätzten 120 Milliarden Euro schnüren. Denn das aktuelle Paket reicht nicht. Und ohne eine weitere Sicherung der Zahlungsfähigkeit hätte Griechenland schon aus dem aktuellen Paket kein Geld mehr erhalten dürfen.
Die zweite Voraussetzung für ein weiteres Hilfspaket ist die vor allem von Deutschland geforderte Beteiligung von privaten Gläubigern, allen voran Banken, an einer weiteren Griechenland-Hilfe. Diesem Ansinnen widersetzt sich vor allem die Europäische Zentralbank (EZB), die durch ihre Stützungskäufe von griechischen Staatspapieren selbst eine der wichtigsten Gläubigerinnen Griechenlands geworden ist und zudem im Fall von erzwungenen Abschreibungen auf griechischen Staatspapieren einen finanziellen Flächenbrand befürchtet, wie ihn die Welt nach dem Ausfall der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 erlebt hat.
Ein Finanzkonstrukt solls richten
Die Politiker gingen diese unvereinbaren Positionen so an, dass sie sich überlegten, wie die privaten Gläubiger freiwillig für eine Restrukturierung zu gewinnen sein könnten. Das Wort «freiwillig» wurde überhaupt zum wichtigsten Begriff in der Griechenlandkrise. Als Lösung des Problems wird momentan ein kompliziertes Finanzkonstrukt gehandelt, das letzte Woche vom französischen Bankenverband «Federation Bancaire Francaise» (FBF) präsentiert wurde (siehe Box). Rasch zeigten auch die Banken Deutschlands Interesse daran. Die Begeisterung der Banken an dieser «freiwilligen» Lösung überrascht wenig, denn im Kern ist das Konstrukt des FBF vor allem eine Rettungsaktion für die Banken, die auf Griechenlandpapieren sitzen, während Griechenland weiterhin nicht die geringste Chance hätte, aus seiner Schuldenspirale herauszukommen. Das Konstrukt ist deshalb auch schon in die Kritik geraten, weshalb heute in Paris die Banken nach Wegen suchen, um das Paket politisch besser erträglich zu machen.
Mit dem Vorschlag schien aber immerhin eine Lösung für ein weiteres Rettungspaket greifbar zu sein, der den Bankrott Griechenlands wieder einige Jahre verschoben hätte. Zwar haben die Staatschefs noch keine Details beschlossen und einen konkreten Entscheid erst mal auf den September verschoben. Aber die Zuversicht bei den Staatschefs war so gross, dass sie, wie auch der Internationale Währungsfonds (IWF), auch ohne konkreten Beschluss zum dazu erforderlichen weiteren Hilfspaket bereits die Zustimmung zur Auszahlung der nächsten 12 Milliarden signalisiert haben.
Standard & Poor's sagt das Offensichtliche
Die Mitteilung von Standard & Poor’s zerschlägt nun diese Pläne. Die Ratingagentur hat im Kern festgehalten, dass selbst das für die Banken vergleichsweise vorteilhafte Finanzkonstrukt der FBF einem Zahlungsausfall gleichkommt. Denn auch dieses bedeutet, dass die Gläubiger nicht mehr an einer hunderprozentigen Rückzahlung aller Schulden und fälligen Zinsen Griechenlands festhalten können – genau so ist ein Zahlungsausfall (Default) definiert. Dass eine solche vollständige Rückzahlung nicht mehr erfolgt, ist aber mittlerweile allen klar und es widerspiegelt sich in den tiefen Marktpreisen der griechischen Staatsanleihen, beziehungsweise deren extrem hohen Renditen. Das FBF-Konstrukt würde aber den Banken bedeutend mehr Rückzahlungen sichern, als sie sie auf den Märkten erwarten können.
Die Feststellung des Offensichtlichen durch Standard & Poor’s hat auf jeden Fall zur Folge, dass ein Staatsbankrott Griechenlands nicht erst in einigen Jahren, sondern bereits im Herbst wieder Thema sein könnte, wenn die Pläne für ein weiteres Rettungspaket konkretisiert werden müssen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.07.2011, 21:42 Uhr
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57 Kommentare
Hier werden Milliarden von europäischen Staaten abgesogen die dann über die Finanzinstitute in irgendwelchen Taschen versickern. Eine gewaltige Verschiebung von Kapital von öffentlicher in private Hände. Unser Finanzsystem ist nur noch ein Moloch der uns in ein dunkles Zeitalter führt! Antworten
Die Bürger Europas stehen nun unbedingt in der Pflicht. Die Arroganz dieser selbstherrlichen Eurobürokraten und europhorischen Politiker aller Nationalitäten ist kaum mehr zu überbieten. Der Euro ist ein Produkt der Eitelkeit dieser Leute und deren Günstlingen. Die Brüsseler Bürokratie ist längst als gigantische Wertvernichtungsmaschine entlarvt. Der Wahlzettel muss diesem Spuk eine Ende bereiten! Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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