Schweizer Arbeitslosenschock

Das gab es noch nie: Die Arbeitslosenquote gemäss dem Internationalen Arbeitsamt ist in Deutschland tiefer als hierzulande. Die Gründe.

Die Schweizer Arbeitslosenquote ist im dritten Quartal gestiegen: Eine Frau meldet sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum. (Symbol)

Die Schweizer Arbeitslosenquote ist im dritten Quartal gestiegen: Eine Frau meldet sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum. (Symbol) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Zum ersten Mal schlägt Deutschland die Schweiz bezüglich Arbeitslosenquote. Das gab es noch nie, zumindest seit die Daten gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamts (ILO) international vergleichbar seien, das berichtet die «Sonntagszeitung». In der Schweiz ist die Quote gemäss ILO im dritten Quartal auf 4,9 Prozent gestiegen – Deutschland konnte sie auf 4,5 Prozent senken.

Grund für die gestiegene Arbeitslosenquote sei, so die «Sonntagszeitung», der starke Franken, welcher die Wirtschaft dazu zwinge, Tätigkeiten mit geringer Wertschöpfung ins Ausland auszulagern. Dadurch würden laufend Jobs verloren gehen, die für Ausländer, wenig qualifizierte Arbeiter oder Berufseinsteiger geeignet wären. Die drei Gruppen tragen denn auch ein besonders hohes Risiko arbeitslos zu werden. Gemäss ILO sei die Jugendarbeitslosenquote von unter 6 Prozent im Jahr 2003 auf über 8 Prozent angestiegen und läge seit 2012 meist über dem Niveau von Deutschland. Die Arbeitslosenquote bei Ausländern schwanke in der Schweiz seit 2001 um die 8 Prozent-Grenze.

Forderung nach neuem Euro-Mindestkurs

Gemäss der Zeitung fordert Daniel Lampart, dass das Steuer in der Schweiz dringend herumgerissen werden müsse. Der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds betont, dass es einen besseren Kündigungsschutz, mehr Lösungen beim Thema Frühpensionierung, mehr Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und vor allem «verbindliche Massnahmen» der Nationalbank gegen die Frankenstärke brauche. Lampart nennt einen neuen Mindestkurs zum Euro oder «ein ausdrückliches Kursziel».

Noch gelte die Schweizer Arbeitsmarktpolitik international als Erfolgsmodell, weshalb die Bereitschaft, das Steuer herumzureissen, nicht allzu gross sein dürfte. Die Schweiz habe es wie kaum ein anderes Land geschafft, eine tiefe Arbeitslosigkeit mit sehr hoher Beschäftigung, einem sehr hohen Lohnniveau und einer ausgeglichenen Einkommensverteilung zu kombinieren.

Schröder machte einen Pakt

Deutschland konnte sein Steuer nach der Jahrtausendwende herumreissen. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte mit der Agenda 2010 einen Pakt zwischen Arbeitnehmern, Arbeitgebern und der Politik geschlossen. Die Arbeitnehmer hätten sich zur Lohnzurückhaltung verpflichtet, wenn dafür mehr Stellen geschaffen werden konnten. «Schröder setzte einschneidende Strukturreformen im Arbeitsmarkt und in der Sozialpolitik durch (Hartz IV)», so die Sonntagszeitung. «Die Reformen und der Euro verliehen der deutschen Wirtschaft mächtig Schub.» (afo)

Erstellt: 29.11.2015, 10:25 Uhr

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