Wirtschaft
Milliardenbetrüger Madoff legte auch Schweizer Banken rein
Aktualisiert am 15.12.2008 80 Kommentare
Artikel zum Thema
Über das Geschäft mit reichen Privatkunden sind offensichtlich riesige Summen in die Vehikel des letzte Woche in den USA aufgeflogenen Grossbetrügers Bernard Madoff geflossen.
Vor allem über den Privatbankensektor flossen Gelder in die Produkte des ehemaligen Nasdaq-Chefs Madoff, der mit einem riesigen Schneeballsystem Dutzende von Milliarden Dollar ertrogen haben soll.
Einzelne Banken legten ihr für Kunden eingegangenes Engagement am Wochenende offen. So gab die Luzerner Privatbank Reichmuth bekannt, dass sie über ihren Dachfonds für Anlagen in Hedge Funds, Reichmuth Matterhorn, betroffen ist. Reichmuth Matterhorn habe in verschiedene Hedge Funds investiert, die ihrerseits mit Bernard Madoff zusammenarbeiteten, heisst es in der Kundenmitteilung. Sofern die Fonds einen Totalverlust erlitten, würde Reichmuth Matterhorn rund 8,6 Prozent an Performance einbüssen.
«Vor Betrug ist man nie gefeit»
Bei den betroffenen Fonds hätten renommierte Revisionsgesellschaften wie Ernst & Young, PWC, KPMG und BDO die Jahresabschlüsse geprüft. Auch die von Reichmuth periodisch nachvollzogenen Transaktionen seien plausibel gewesen. «Vor Betrug ist man nie gefeit», heisst es in der Mitteilung weiter.
In den Kundendepots wirke sich der Betrugsfall gemäss der jeweiligen Allokation zu Reichmuth Matterhorn aus. Wenn jemand zum Beispiel 15 bis 20 Prozent seines Portfolios in Reichmuth Matterhorn investiert habe, betrage die Performanceeinbusse auf das Portfolio zwischen 1,3 und 1,7 Prozent.
Bilanz nicht betroffen
Die Bilanz der Privatbank sei vom Betrug hingegen nicht betroffen, da Reichmuth als reine Vermögensverwaltungsbank weder das bilanzwirksame Kredit- und Depositengeschäft noch den Eigenhandel betreibe. Die betroffenen Fonds betragen 3,5 Prozent der verwalteten Vermögen von rund elf Milliarden Franken. Das wären 385 Millionen Franken. «Wir bedauern zutiefst, dass Reichmuth Matterhorn von den kriminellen Machenschaften von Bernard L. Madoff betroffen ist», heisst es in der Kundenmitteilung.
Bereits am Freitag hatte die Genfer Banque Benedict Hentsch bekannt gegeben, dass 56 Millionen Franken in ihren Kundenportefeuilles in Produkte von Madoff investiert seien. Es gehe um weniger als fünf Prozent der insgesamt verwalteten Vermögen.
Genf: Anlagen von fünf Milliarden Franken betroffen
Die Genfer Tageszeitung «Le Temps» meldete unter Berufung auf nicht genannte Quellen, dass auf dem Finanzplatz Genf Anlagen von mindestens fünf Milliarden Franken vom Madoff-Skandal betroffen seien. Die Zeitung «Sonntag» spekulierte sogar über Verluste von zehn bis 15 Milliarden Franken.
Bei der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) hatte man am Samstag zunächst keine Kenntnis über die Auswirkungen des Betrugsskandals auf die Schweiz. Man werde die Angelegenheit sicher anschauen, wenn sie den Aufsichtsbereich der EBK betreffe, sagte EBK-Sprecher Alain Bichsel am Samstag auf Anfrage der AP. Auch bei der Schweizerischen Bankiervereinigung verfolgt man die Entwicklung, hatte aber am Sonntag zunächst keine Stellungnahme.
Der 70-Jährige Gründer der Bernard L. Madoff Investment Securities LLC. soll Investoren um mindestens 50 Milliarden Franken betrogen haben. Madoff war am Donnerstag in New York festgenommen und später gegen eine Kaution in Höhe von zehn Millionen Dollar wieder freigelassen worden. (bru/ap)
Erstellt: 15.12.2008, 07:15 Uhr
Kommentar schreiben
80 Kommentare
Wirtschaft
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


