SBB wollen App-Kundendaten für Werbung nutzen

Die SBB machen die neue Ortungsfunktion ihrer Fahrplan-App zu Geld. Sie werten die Standort-Daten der Passagiere aus, um zielgruppenspezifische Werbebanner einzublenden.

«Das Gesetz wird durch die SBB jederzeit eingehalten»: Die SBB sehen beim Sammeln der Daten keine Probleme.

«Das Gesetz wird durch die SBB jederzeit eingehalten»: Die SBB sehen beim Sammeln der Daten keine Probleme. Bild: Manuel Lopez/Keystone

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Die SBB wollen künftig Kundendaten der Fahrplan-App auswerten, um «zielgruppenspezifische Werbung» zu schalten. Das Speichern von Ticketdaten wie Abfahrts- und Zielort sowie die Klasse könnten aus Datenschutzgründen heikel sein.

Noch dieses Jahr soll die geplante Erweiterung umgesetzt werden, wie SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Er bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung «Schweiz am Wochenende».

Da der Standort durch die App laufend lokalisiert wird, kann künftig die standortspezifische Werbung bei einer Fahrt durch die Schweiz angepasst werden. Gemäss «Schweiz am Wochenende» könnte also ein Erstklasspassagier bei der Einfahrt in Luzern eine Empfehlung für ein Konzert im Kultur- und Kongresszentrum KKL erhalten, während Zweitklasspassagieren ein Besuch im Verkehrshaus vorgeschlagen wird.

Knackpunkt beim Datenschutz ist, dass die Werbefunktion und das Sammeln der Daten automatisch bei Annahme der AGBs eingeschaltet wird. Das sehen die SBB jedoch nicht weiter als problematisch. «Das Gesetz wird durch die SBB jederzeit eingehalten, darüber wacht auch der eidgenössische Datenschutzbeauftragte», so Pallecchi. Auch bei der für dieses Jahre geplanten Erweiterung seien die SBB in Kontakt mit dem Datenschützer.

Erhalten von Werbung laut SBB freiwillig

Ausserdem sei das Erhalten von Werbung freiwillig. Der Kunde habe die Möglichkeit, die Werbung in der App jederzeit abzustellen. Die SBB halten auch nichts vom Begriff «personalisierte Werbung.» Es handle sich lediglich um zielgruppenspezifische Werbung, da die Daten jederzeit anonymisiert seien, sagte Pallecchi.

Schon heute werden Fahrplanabfragen auf der SBB-Website und im kostenlosen Wifi der SBB erhoben und dazu «zielgruppenspezifische» Werbung geschaltet. Rund 12 Millionen Mal pro Woche können so Kundinnen und Kunden mit Werbung erreicht werden, rechnen die SBB. Die meisten – fünf Millionen – erreicht die Werbung via die Mobile-App. Dort erhoffen sich die SBB nun neue Marktchancen durch die personalisierte Werbung.

Im Internet weibeln die SBB in einem Youtube-Video bereits heute um Werbekunden. Auf ihrer Marketingwebsite schreiben sie: «Mit einer Platzierung in SBB Mobile erreichen Sie Ihre Kunden gezielt unterwegs.»

Nur neue Version betroffen

Die SBB haben eine neu gestaltete Version der SBB-Mobile-App im November des vergangenen Jahres lanciert. Die Fahrdaten würden nur auf der neuen Version erhoben, ältere Versionen der App sind gemäss den SBB nicht betroffen. Zuletzt wurden die SBB vom Datenschutzbeauftragten vor einem Jahr gerügt, weil sie Kontrolldaten im Zusammenhang mit dem Swiss Pass gespeichert hatten. Nach einer Kontrolle waren anfänglich Uhrzeit, Zugnummer und Ausweisnummer während neunzig Tagen in der sogenannten Kontrolldatenbank gespeichert worden. Die SBB und der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) mussten die Praxis stoppen und die Daten löschen.

Mithilfe solcher Daten hätten VöV und SBB Bewegungsprofile von Personen erstellen können, hatte der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) damals öffentlich kritisiert. (bee/SDA)

Erstellt: 18.03.2017, 15:17 Uhr

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